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Gletscher-Schmelze: Mit dem Eis geht Jahrtausende altes Wissen verloren

  • Veröffentlicht: 13.09.2022
  • 16:45 Uhr
  • Alena Brandt

Im Gletschereis sind wichtige Wetterdaten für Klimaprognosen archiviert. Aber: Das Eis schmilzt. Wie die Gletscher-Schmelze in den Alpen sich entwickelt, welche Maßnahmen Gletscher schützen - und was passiert, wenn es sie nicht mehr gibt.

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Das Wichtigste zum Thema Gletscher

  • Gletscher sind große Eismassen im Hochgebirge. Viele entstanden vor über 10.000 Jahren während der letzten Eiszeit.

  • Im Gletschereis ist die Geschichte von Jahrtausenden archiviert: Forschende lesen am Eis etwa ab, welche Pflanzen Menschen zu welcher Zeit angebaut haben.

  • Wie viel hat es vor 200 Jahren geregnet? Diese Info steckt im Gletschereis. Es ist ein Archiv für Wetterdaten. Der Blick in die Vergangenheit erlaubt Prognosen für die Zukunft - etwa zum Klimawandel.

  • Mit dem Schmelzen der Gletscher geht eine riesige Wissensquelle verloren. Welche Folgen noch drohen, erfährst du weiter unten.

  • Die Gletscher in den Alpen schmelzen seit über 20 Jahren deutlich. 2021 verzeichneten Forschende sogar doppelt bis dreifach so hohe Eisverluste wie in den Jahren zuvor.

  • Das Gletschereis in der Schweiz hat sich seit 1931 halbiert. Das zeigen historische Daten und Bilder, die Forschende der ETH Zürich für eine Studie auswerteten.

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Gletscher von 1950 bis 2022: Der Jamtalferner

1950: Der Jamtalferner in Österreich.
1950: Der Jamtalferner in Österreich.© Andrea Fischer
1978: Der Jamtalferner in Österreich.
1978: Der Jamtalferner in Österreich.© Andrea Fischer
1987: Jamtalferner in Österreich.
1987: Jamtalferner in Österreich.© Andrea Fischer
2015: Jamtalferner in Österreich.
2015: Jamtalferner in Österreich.© Andrea Fischer
2022: Jamtalferner in Österreich.
2022: Jamtalferner in Österreich.© Andrea Fischer
1950: Der Jamtalferner in Österreich.
1978: Der Jamtalferner in Österreich.
1987: Jamtalferner in Österreich.
2015: Jamtalferner in Österreich.
2022: Jamtalferner in Österreich.

Bild-Vergleich: Schweizer Gletscher 1931 und 2016

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Gletschereis als Wissensspeicher: Interview mit Glaziologin Dr. Andrea Fischer

Sie entnehmen Bohrproben aus dem Gletschereis in Gipfelbereichen. Dort ist das Eis Tausende Jahre alt. Welches Wissen verbirgt sich darin?

💬 Wie bei Jahresringen von Bäumen lagern sich auch im Gletschereis atmosphärische Bedingungen ab. Ich kann daran ablesen, wann es vor Tausenden Jahren einen großen Waldbrand gab. Oder wie die Niederschlags-Verhältnisse waren.

Ein Waldbrand vor Tausenden Jahren: Wie genau zeigt der sich im Eis?

💬 Beim Waldbrand steigt Asche auf. Die Luft transportiert die Partikel in die Höhe und so landen sie im Eisarchiv des Gletschers. Auch Pflanzenpollen sind im Eis eingefroren. So erfahren wir etwa, wann die Menschen welche Pflanzen angebaut haben - und welche Pflanzen unter welchen Bedingungen gewachsen sind. Wir können auch sagen, in welchen Jahren es viel geregnet hat - und wann es eher trocken war.

Wie messen Sie als Gletscherforscherin den Klimawandel?

💬 Gletscher sind klare Anzeiger für den Klimawandel. Sie machen die steigenden Temperaturen anschaulich. Wir messen etwa, wie sich die Gletscher in der Länge verändern. Pro Jahr schmilzt in den Alpen gerade etwa ein Meter Eis ab. Außerdem bilden wir Mittelwerte von Temperaturen über einen Zeitraum von 30 Jahren. So können wir langfristige Klimaveränderungen aufzeigen.

Wie ist denn der Zustand der Alpen-Gletscher?

💬 Sie schmelzen rasant. Vor allem 2021 gab es große Eisverluste. Das Ausmaß ist aber regional unterschiedlich. Es kommt etwa darauf an, wie viel Schnee im Winter gefallen ist. In Österreich ist etwa der Westen stärker von der Gletscher-Schmelze betroffen als der Osten, weil es dort weniger geschneit hat.

Es gibt rund 5.000 Gletscher in den Alpen. Werden sie alle verschwinden?

💬 Klar ist: Beim Einhalten des Zwei-Grad-Ziels zum Klimaschutz würden wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts die meisten Alpen-Gletscher verlieren. Damit sich Gletscher regenerieren, müssten wir den Temperatur-Anstieg auf ein Grad reduzieren.

👩 Zur Person: Dr. Andrea Fischer arbeitet als Gebirgsforscherin in Innsbruck.

Eiskalter Job: Die Glaziologin bei der Arbeit

In ihrem Job geht's hoch hinaus: Dr. Andrea Fischer arbeitet am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
In ihrem Job geht's hoch hinaus: Dr. Andrea Fischer arbeitet am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. © Daniel Hinterramskogler
Eingetaucht ins Blau des Gletschers: Die Forscherin untersucht eine Gletscherhöhle des Jamtalferners.
Eingetaucht ins Blau des Gletschers: Die Forscherin untersucht eine Gletscherhöhle des Jamtalferners.© Andrea Fischer
Die Glaziologin misst, wie sich das Eis am Gletscher entwickelt. Hier ist sie auf dem Jamtalferner in Österreich.
Die Glaziologin misst, wie sich das Eis am Gletscher entwickelt. Hier ist sie auf dem Jamtalferner in Österreich.© Daniel Hinterramskogler
Vor der Bohrprobe steht die Kraftprobe: Damit die Forscherin ans Eis des Kaunertaler Gletschers kommt, muss sie zuerst Schnee schaufeln.
Vor der Bohrprobe steht die Kraftprobe: Damit die Forscherin ans Eis des Kaunertaler Gletschers kommt, muss sie zuerst Schnee schaufeln.© Picture Alliance / Roland Schlager/APA/ picturedesk.com
Schaut in die Röhre: Hier katalogisiert Andrea Fischer mit ihrem Team Eisbohrkerne.
Schaut in die Röhre: Hier katalogisiert Andrea Fischer mit ihrem Team Eisbohrkerne.© Picture Alliance / Roland Schlager/APA/ picturedesk.com
In ihrem Job geht's hoch hinaus: Dr. Andrea Fischer arbeitet am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Eingetaucht ins Blau des Gletschers: Die Forscherin untersucht eine Gletscherhöhle des Jamtalferners.
Die Glaziologin misst, wie sich das Eis am Gletscher entwickelt. Hier ist sie auf dem Jamtalferner in Österreich.
Vor der Bohrprobe steht die Kraftprobe: Damit die Forscherin ans Eis des Kaunertaler Gletschers kommt, muss sie zuerst Schnee schaufeln.
Schaut in die Röhre: Hier katalogisiert Andrea Fischer mit ihrem Team Eisbohrkerne.
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Was passiert, wenn alle Alpen-Gletscher schmelzen? Das sagt die Expertin

🪨 Im Nahbereich von Gletschern steigt das Risiko für Naturgefahren. Die Gletscherhänge werden instabil wie Pudding, es kann sich Geröll lösen.

🌧️ Ein Wassermangel droht in Europa nicht aufgrund der Gletscherschmelze. Der Alpenraum gewinnt viel Wasser aus Niederschlägen. Anders ist die globale Situation in trockenen Gebieten: In den Anden und im Himalaja versorgt Gletscherwasser Milliarden Menschen und ist wichtig für Bewässerungs-Systeme.

🌱 Grün statt weiß: Pflanzen werden sich wahrscheinlich innerhalb weniger Jahrzehnte das Gletschergebiet zurückerobern. Das Landschaftsbild verändert sich.

Dieser Gletscher wird jedes Jahr in Decken gehüllt

Dieser Gletscher wird jedes Jahr in Decken gehüllt

Die Stoffplanen, die jährlich auf dem Rhonegletscher ausgebreitet werden, funktionieren wie Schutzdecken vor der Hitze. Wissenschaftler versuchen so den Klimawandel zu stoppen.

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Häufige Fragen rund um Gletscher

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