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EU-Entscheidung über Zulassung

Glyphosat: Darum ist der Unkrautvernichter so umstritten

  • Veröffentlicht: 13.10.2023
  • 17:02 Uhr
  • Galileo Redaktion

Die Europäische Kommission möchte Glyphosat weiter erlauben. Über das Mittel gegen Unkraut streiten Landwirt:innen, Umweltschützer:innen und Politiker:innen seit Jahren. Hier erfährst du Hintergründe. 

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Das Wichtigste in Kürze

  • Glyphosat ist ein Wirkstoff, der einen Hauptbestandteil eines der weltweit am meisten eingesetzten Herbizids bildet.

  • Der Begriff "Herbizid" setzt sich aus dem lateinischen Wort "herbum", was "Gras, Kraut" bedeutet, und der Endung "-zid" zusammen, die in der Regel ausdrückt, dass etwas eine vernichtende Wirkung hat.

  • Glyphosat wurde vom US-Konzern Monsanto entwickelt, den das deutsche Unternehmen Bayer vor einigen Jahren übernommen hat. Bayer ist der größte Hersteller von Glyphosat in Deutschland.

  • Der Wirkstoff wurde in der Europäischen Union (EU) im Jahr 2001 erstmals zugelassen. Aktuell beschließt die EU, ob Glyphosat seine Zulassung behält.

Glyphosat: EU entscheidet über Verlängerung

Noch ist Glyphosat in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bis zum 15. Dezember dieses Jahres zugelassen.

Die Europäische Kommission schlägt vor, die Zulassung um weitere zehn Jahre bis Ende 2033 zu verlängern. Die EU-Kommission beruft sich dabei auf die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die im letzten Juli eine weitere Zulassung als unkritisch bewertet hatte.

Eigentlich sollte der sogenannte Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel (ScoPAFF) über die Zukunft von Glyphosat in der EU am heutigen Freitag entscheiden. Aus der Abstimmung ergab sich jedoch keine qualifizierte Mehrheit.

Das bedeutet: Für eine Verlängerung der Zulassung haben nicht die erforderlichen Vertreter:innen von 15 der 27 EU-Mitglieder gestimmt, die zugleich mindestens 292 Millionen EU-Bürger:innen repräsentieren (65 Prozent). Deutschland hat sich bei der Abstimmung enthalten.

Voraussichtlich Mitte November soll eine Berufungsinstanz über das weitere Vorgehen beraten. Kommt es auch in dieser Sitzung zu keinem Ergebnis, entscheidet die Europäische Kommission.

Selbst wenn Glyphosat weiter erlaubt werden sollte, könnte es in Deutschland ab 2024 womöglich nicht mehr zum Einsatz kommen. Die Bundesregierung will Glyphosat laut Koalitionsvertrag bis Jahresende vom Markt nehmen.

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Glyphosat: So wirkt es gegen Unkraut

☠️ Wo Glyphosat gespritzt wird, stirbt - vereinfacht ausgedrückt - alles, was grün ist.

🍃 Glyphosat wirkt als Bestandteil von Herbiziden bei allen Pflanzen mit grünen Anteilen. Diese Pflanzen, unter anderem Unkraut, sterben dadurch ab.

🐝 Allerdings tötet Glyphosat auch Wildpflanzen, die als Nahrungs- und Lebensgrundlage für Insekten dienen.

💧 Auch verbreiten sich die feinen Tröpfchen durch den Wind ebenso etwa über nahegelegene Bäche und Flüsse.

Wo Glyphosat zum Einsatz kommt

👨‍🌾 Hauptsächlich nutzen Landwirt:innen Herbizide mit Glyphosat. Diese spritzen damit ihre Felder, um Unkraut zu vernichten, bevor sie ihre Nutzpflanzen aussäen.

🍇 Mitunter findet Glyphosat auch im Obst- und Weinbau Verwendung, um Flächen ringsum der Pflanzenstämme von Unkraut zu befreien.

🤸‍♂️ In öffentlichen Parks, Sportplätzen und anderen Orten, die die Allgemeinheit nutzt, ist der Einsatz von Glyphosat seit 2021 verboten.

🌱 Auch Hobby-Gärtner:innen sollen kein Glyphosat mehr verwenden. Noch haben einige Produkte für den Haus- und Kleingartenbereich aber eine Zulassung.

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Von Umwelt bis Gesundheit: Streitthema Glyphosat

Der Einsatz von Glyphosat ist ein äußerst kontroverses Thema. Landwirtschaft, Hersteller, Umweltverbände, Wissenschaft und Politik streiten seit mehreren Jahren darüber. Der Knackpunkt ist die Frage: Wie schädlich ist der Wirkstoff?

Fachleute betonen, dass Glyphosat der Biodiversität und auch der Landwirtschaft schadet. Weil Herbizide mit diesem Wirkstoff die Nahrungsgrundlage von Insekten zerstören, fehlt es langfristig auch an bestäubenden Tierchen.

Zum Beispiel bei Wildbienen beeinflusst Glyphosat sogar das Gedächtnis: Sie orientieren sich schlechter und finden dadurch mitunter nicht den Weg zurück zu ihrer Brut - was zu deren Verhungern führen kann.

Im Jahr 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat außerdem als "wahrscheinlich krebserregend" ein.

Diese Einschätzung hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nach der Auswertung von Tausenden wissenschaftlichen Studien zu Glyphosat hingegen nicht bestätigt. Sie sieht "keine kritischen Problembereiche" für den Menschen und die Umwelt. Deshalb empfahl sie eine weitere Zulassung.

Jedoch lässt die Bewertung der EFSA ebenfalls einige Fragen zu Gefahren von Glyphosat offen. Auch deshalb ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gegen einen weiteren Einsatz von Glyphosat in Deutschland.

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Häufige Fragen zu Glyphosat

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