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Grüne Gentechnik: Sind modifizierte Lebensmittel besser als ihr Ruf?

  • Veröffentlicht: 09.07.2023
  • 20:45 Uhr
  • Galileo

Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind seit vielen Jahren umstritten. Während der Umweltschutz ihre vermeintlich unnatürliche Herstellung kritisiert, verweist die Wissenschaft auf das enorme Potenzial zur Lösung weltweiter Herausforderungen. Was für und gegen Grüne Gentechnik spricht, erfährst du auf dieser Seite.

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Das Wichtigste zum Thema Grüne Gentechnik

  • Lebensmittel, deren Erbgut verändert wurde, gehören zum Bereich der Grünen Gentechnik. Ein Großteil der Menschen in Deutschland sieht diese laut verschiedenen Umfragen skeptisch.

  • Dabei kann die Wissenschaft viele Sorgen zu Grüner Gentechnik bereits beseitigen. Vielmehr bieten gentechnisch modifizierte Lebensmittel vielfältige Chancen.

  • Übergeordnet können vier Streitpunkte zusammengefasst werden: der Einfluss auf die Umwelt, mögliche Gesundheitsrisiken für Menschen, der Nutzen in globalen Krisen wie dem Welthunger sowie die Rolle von gewinnorientierten Firmen.

  • Grundsätzlich sind Organismen, die sich verändern (mutieren), nichts Ungewöhnliches in der Natur. Zum einen ereignen sich solche Verwandlungen auch ohne menschliches Zutun. Zum anderen übertragen Menschen durch Kreuzungen bei der Züchtung schon seit Jahrhunderten Erbmerkmale zwischen Pflanzen. Lediglich die Verfahren entwickeln sich weiter.

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Mehr Gentechnik auf Europas Ackern?

Die Europäische Kommission hat ein neues Vorgehen bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln vorgeschlagen: Für solche Pflanzen, die sich auch durch herkömmliche Züchtungsmethoden hätten entwickeln können, sollen - mit Ausnahme der Bio- und Ökolandwirtschaft - die strengen Regeln zur Kennzeichnung von Gentechnik künftig nicht mehr gelten.

Ein wichtiger Grund für die geplante Lockerung besteht in der Hoffnung, widerstandfähigere Pflanzen schneller zum Einsatz zu bringen. Während Wissenschaftler:innen die Idee begrüßen, formiert sich an verschiedenen Stellen hartnäckiger Widerstand.

Beispielsweise befürchten Nicht-Regierungs-Organisationen, dass Konzerne durch Patente ihre Kontrolle über die Lebensmittelproduktion erweitern. Verbraucherschützer:innen warnen davor, dass sich Menschen beim Einkaufen ohne entsprechende Kennzeichnung nicht mehr bewusst für oder gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel entscheiden können.

Was aus dem Gesetzesentwurf wird, müssen die Aushandlungen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und des Europaparlaments noch zeigen.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) ist mit dem Vorschlag der Europäischen Kommission zur Lockerung bei Grüner Gentechnik in der aktuellen Version noch nicht zufrieden.
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) ist mit dem Vorschlag der Europäischen Kommission zur Lockerung bei Grüner Gentechnik in der aktuellen Version noch nicht zufrieden.© picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Was gentechnisch veränderte Lebensmittel sind

Die Gentechnik gehört zum wissenschaftlichen Bereich der Biotechnologie. Sie umfasst Verfahren zur Isolierung und gezielten Veränderung des Erbguts eines Organismus.

Bei solchen gentechnisch veränderten Organismen (GVOs) werden demnach einzelne Gene ausgeschaltet, leicht verändert oder durch andere ersetzt. Ein eingebrachtes Gen aus derselben Art heißt Cisgen. Wird ein Gen in eine andere Art übertragen, wird dieses Transgen genannt.

Im Gegensatz zu unter anderem den USA, Brasilien und Argentinien ist der Anbau von gentechnisch veränderten Lebensmitteln wie Mais, Soja oder Raps, etwa als Futter für Nutztiere, in Deutschland generell verboten.

Prinzipiell besteht in der Europäischen Union (EU) jedoch das Recht, GVOs anzubauen und zu verkaufen. Diese müssen aber von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in aufwendigen Prozessen geprüft und zugelassen werden.

Importierte Lebensmittel, die sich teils aus gentechnisch veränderten Organismen zusammensetzen, müssen als solche gekennzeichnet sein.

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Galileo vom 2020-02-25

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Grüne, Blaue, Rote und Weiße Gentechnik

🟢 Gentechnisch veränderte Lebensmittel fallen unter den Bereich der Grünen Gentechnik. Dieser umfasst die Veränderung des Erbguts von Nutzpflanzen und Nutztieren.

🔵 Der Teilbereich, in dem es um die gentechnische Veränderung von Meereslebewesen geht, heißt Blaue Gentechnik.

🔴 Zur Roten Gentechnik zählen zum einen Verfahren der Erkennung von Krankheiten und Gendefekten sowie zum anderen die Behandlung von Krankheiten mithilfe von Gentherapien.

⚪ Im Rahmen der Weißen Gentechnik finden gentechnisch veränderte Organismen für industrielle Zwecke Verwendung.

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Streitpunkt 1: Eingriff in Ökosysteme

Gentechnisch veränderte Pflanzen können von sich aus ein Gift gegen Fressfeinde oder Krankheiten entwickeln. Ob dieses Gift auch schädliche Effekte auf andere Organismen hat, ist noch nicht in jedem Einzelfall geklärt. Grundsätzlich sehen Fachleute aber eine geringe Gefahr.

Gegenüber solchen äußeren Einmischungen in die Natur haben Kritiker:innen um Umweltschützer:innen dennoch grundsätzlich Vorbehalte.

Befürworter:innen halten dagegen, dass es beim Anbau derart gentechnisch veränderter Pflanzen weniger Insekten-Bekämpfungsmittel braucht. Das hat auch weniger chemische Rückstände in der Umwelt und dem Endprodukt zur Folge.

Ohnehin beeinflusst die Landwirtschaft den Ackerbau für einen höheren Ertrag bei der Ernte nicht erst seit dem Einsatz von Transgenen. Auch ist die Abnahme der Artenvielfalt nicht allein ein Risiko durch Grüne Gentechnik, sondern auf viele Ursachen zurückzuführen.

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Streitpunkt 2: Gesundheitliche Folgen für Menschen

Viele fürchten eine Gesundheitsbelastung, wenn wir gentechnisch veränderte Lebensmittel essen. Aktuelle Forschung lässt jedoch aufatmen: Zum Beispiel gentechnisch modifizierter Mais ist nur giftig für Schädlinge. Menschen hingegen können ihn bedenkenlos zu sich nehmen.

Dass gentechnisch veränderte Lebensmittel etwa generell häufiger Allergien auslösen, stimmt so nicht. Ob jemand auf ein Protein, das für Allergien verantwortlich sein kann, allergisch reagiert, hängt von vielen Faktoren wie der Veranlagung ab. Zielgenaue Verfahren wie die Gen-Schere CRISPR/Cas ermöglichen vielmehr, neue Lebensmittel weniger allergen zu gestalten.

Ebenso wenig gibt es Hinweise, dass gentechnisch modifizierte Lebensmittel das Risiko für Krebs erhöhen würden. Selbst mehrjährige Studien mit Fütterungsversuchen konnten keine gesteigerte Gefahr belegen, an Krebs zu erkranken.

Streitpunkt 3: Einfluss im Kampf gegen globale Krisen

Grüne Gentechnik kann eine weltweit effizientere Nahrungsmittelversorgung gewährleisten, indem sie den Anbau beschleunigt, neue Agrarflächen erschließbar und Ernten ergiebiger macht.

Zudem können einzelne Nahrungsmittel durch mehr zuträgliche und weniger unerwünschte Inhaltsstoffe optimiert werden.

Im Kampf gegen den Welthunger, einer weiter wachsenden Weltbevölkerung und infolge des Klimawandels führt an gentechnisch veränderten Lebensmitteln daher womöglich kein Weg vorbei. Schließlich müssen immer mehr Menschen auf der Grundlage derselben oder eher weniger verfügbaren Agrarflächen versorgt werden.

Das Potenzial von Grüner Gentechnik zur Bewältigung dieser weltweiten Herausforderungen ist bislang gerade einmal in Grundzügen erfasst.

Streitpunkt 4: Gentechnik als Gewinn-Maschine

Auf gentechnisch veränderte Lebensmittel werden weltweit Lizenzen vergeben. Damit nicht wenige Unternehmen die Macht über die internationale Landwirtschaft innehaben, braucht es klare und faire Richtlinien zur Vergabe.

Das ist jedoch kein Argument gegen Grüne Gentechnik an sich. Stattdessen zeigt dies, wie wichtig eine nachhaltige Regulierung mit kosteneffizienten Rahmenbedingungen ist.

Willst du noch mehr zum Thema Grüne Gentechnik erfahren?

Leopoldina: Häufige Aussagen über Grüne Gentechnik auf dem Prüfstand

MAITHINK X: Grüne Gentechnik

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND): Gentechnisch veränderte Lebensmittel

Bundesamt für Naturschutz (BfN): Umfrage Naturbewusstsein

Heberer, B. (2021): Grüne Gentechnik. Hintergründe, Chancen und Risiken

Greenpeace: Gentechnik - Riskante Manipulation der Natur

Grüne Gentechnik: Häufig gestellte Fragen

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