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Gefährliches Weltraum-Labor: Notfälle auf der ISS

  • Veröffentlicht: 27.10.2021
  • 12:45 Uhr
  • Peter Schneider
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© ESA

Für den ESA-Astronauten Matthis Maurer beginnt der riskanteste Teil seiner Mission. Die ISS ist nicht nur das exklusivste Labor der Welt, sondern auch eines der gefährlichsten. Explodierende Raketen, Feuer an Bord und Lecks in der Wand - das kann den Astronauten alles passieren.

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Das Wichtigste zum Thema Notfälle auf der ISS

  • Das Wichtigste vorneweg: Auf der ISS ist zum Glück noch nie jemand gestorben. Doch es gab bereits eine Reihe brenzliger Situationen.

  • Am gefährlichsten für die Astronauten: der Start. Die Falcon-9-Rakete, mit der Matthias Maurer ins All fliegt, enthält über 400 Tonnen Treibstoffe. Einen Großteil verbrennen die Triebwerke unter Hochdruck in weniger als 3 Minuten. 2019 mussten sich 3 Astronauten 2 Minuten nach dem Abheben von einer versagenden Sojus-Rakete retten.

  • Auch der Rückweg ist nicht ohne: Die meisten Astronauten starben bisher bei der Rückkehr zur Erde, zuletzt eine 7-köpfige Crew beim Absturz des US-Spaceshuttles Columbia 2003.

  • An Bord der ISS lebt es sich zwar sicherer als in einem Weltraum-Taxi wie dem Crew Dragon von SpaceX. Doch auch auf der Station lauern Gefahren - Feuer, Rauch, Lecks, Mikrometeoriten und Weltraummüll. Und nicht zuletzt Gesundheitsgefahren wie Schwindel, Strahlung und Knochenabbau.

  • Spannende Ausbildung: Vor ihrem Einsatz üben Astronauten daher vor allem für Notfälle und die harten Bedingungen im Weltraum, bspw. im Unterwasserbecken und in der Personen-Zentrifuge.

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Dramatischer Missionsbruch 2018: Sojus-Crew rettet sich von versagender Rakete

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Raumfahrzeug außer Kontrolle

Das russische Modul Nauka dockt an die ISS. Kurz darauf feuert eines seiner Düsen unkontrolliert und lässt die ISS umkippen.
Das russische Modul Nauka dockt an die ISS. Kurz darauf feuert eines seiner Düsen unkontrolliert und lässt die ISS umkippen.© NASA
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Ein Loch im ISS-Roboterarm - Woher kam es?

Die gefährlichsten Momente an Bord der ISS

🍭 Als das neue russische Modul Nauka im Juli andockt, fängt plötzlich eine Düse an zu feuern. Die Station dreht sich um 540 Grad, mehr als einmal um ihre Achse - ein offizieller NASA-Notfall! Die Crew bekommt die Lage wieder unter Kontrolle, indem sie mit anderen Triebwerken dagegen feuert. Kurios: Am 15. Oktober passiert das Gleiche noch mal.

😮‍💨 2018 bemerken die Astronauten: Aus der Station entweicht Luft! Die Suche nach dem Leck ist ein Rennen gegen die Zeit. Schon bald haben sie es gefunden, zwei Millimeter groß und in der angedockten Sojus-Kapsel. Das Loch war offenbar während des Baus aus Versehen an der falschen Stelle gebohrt und nur notdürftig geflickt worden. Kurios: Die russische Raumfahrtbehörde kennt nach eigenen Angaben die Hintergründe, will sie aber nicht preisgeben.

🏊‍♀️ Wasser in der Nase, im Mund, das Funkgerät setzt aus, und das alles mitten im Weltraum mit einem Helm auf dem Kopf - Horror! Passiert ist das dem italienischen Astronauten Luca Parmitano 2013 während eines Außenbordeinsatzes. Mit Mühe tastete sich Parmitano zurück zur rettenden Luftschleuse. Ein Ventil hatte sich fälschlicherweise geöffnet.

⚡ Bei einer anderen Gelegenheit versuchten Astronauten einen Raumanzug trocken zu saugen. Dabei gelangte reiner Sauerstoff in den Elektro-Sauger. Nur aus Zufall entzündete sich der Sauerstoff nicht.

💥 Wie in einem Hagelgewitter prasseln unentwegt kleinste Teilchen aus dem Weltraum auf die ISS ein. Regelmäßig findet die Crew Schäden, kleinste Krater in den Fenstern, Solarpaneelen und im Greifarm der ISS, wie zuletzt Mitte des Jahres. Die gepanzerten Wände der ISS konnten diese Mikrometeoriten bisher glücklicherweise noch nicht durchschlagen.

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Galileo vom 2019-04-03

Fragen des Tages: Raumstation ISS durch Schrott bedroht

Die ISS könnte möglicherweise von Schrottteilen getroffen werden. Dies würde die Raumstation schwer beschädigen. Mehr dazu im Video.

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Absurde, aber reale Gefahr im All: ertrinken im Raumanzug

Erst nach Tests auf der Erde erkannten die NASA-Ingenieure, dass sich eine tödliche Gefahr in den Raumanzügen verbarg:  Durch einen technischen Fehler konnte Wasser in den Helm der Astronauten gelangen.
Erst nach Tests auf der Erde erkannten die NASA-Ingenieure, dass sich eine tödliche Gefahr in den Raumanzügen verbarg: Durch einen technischen Fehler konnte Wasser in den Helm der Astronauten gelangen. © NASA
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Feuer an Bord! Notfall auf der MIR-Station

"Neben einem Loch sind Feuer und eine vergiftete Luft die wesentlichen Notfallszenarien", sagt Reinhold Ewald, ehemaliger deutscher ESA-Raumfahrer. Ewald weiß, wovon er spricht. Während er 1997 auf der russischen Raumstation MIR arbeitete, entzündete sich eine Lithiumperchlorat-Patrone, die zur Sauerstofferzeugung verwendet wird.

Aus Erfahrung lernen: Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst übt mit Atemschutzmaske 2018 auf der ISS eine Notfallsituation an Bord der ISS.
Aus Erfahrung lernen: Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst übt mit Atemschutzmaske 2018 auf der ISS eine Notfallsituation an Bord der ISS.© ESA

Nur mit einer Feuerlöschkette gelang es den sechs Astronauten, den Brand zu löschen. Anschließen war nicht klar, ob sich die verqualmte Luft in der Station noch atmen ließ. Nach Bordvorschrift hätten die Crew in die angedockte Sojuskapsel flüchten und die Station aufgeben müssen. Die Mannschaft entschied sich dagegen.

Tatsächlich könnte so eine Patrone auch auf der ISS für Problem sorgen. Dort ist sie - in überarbeiteter Form - im russischen Teil im Einsatz.

Rammstoß im All

Die Astronauten der MIR starrten am 25. Juni 1997 minutenlang ins Nichts – und wurden dabei immer nervöser. Denn sie wollten endlich den Raumfrachter "Progress M-34" sehen, der da draußen irgendwo auf die Station zusteuerte. Als sie ihn in etwa 200 Meter erblickten, war es zu spät, um gegenzusteuern - Augenblicke später krachte er in die die Station. Stationsmodule erzitterten, Solarpaneelen splitterten und der Luftdruck fiel ab. Die Crew kämpfte einen Tag, bis sie die Station - und sich selbst - gerettet hatten. Der Crew Dragon mit Matthias Maurer dockt hingegen vollautomatisch an.
Die Astronauten der MIR starrten am 25. Juni 1997 minutenlang ins Nichts – und wurden dabei immer nervöser. Denn sie wollten endlich den Raumfrachter "Progress M-34" sehen, der da draußen irgendwo auf die Station zusteuerte. Als sie ihn in etwa 200 Meter erblickten, war es zu spät, um gegenzusteuern - Augenblicke später krachte er in die die Station. Stationsmodule erzitterten, Solarpaneelen splitterten und der Luftdruck fiel ab. Die Crew kämpfte einen Tag, bis sie die Station - und sich selbst - gerettet hatten. Der Crew Dragon mit Matthias Maurer dockt hingegen vollautomatisch an.© Roskosmos

FAQs zu Notfällen auf der ISS und im All

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