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Neuer Atom-Unfall? Rätsel um radioaktive Strahlung in Nordeuropa

  • Veröffentlicht: 02.07.2020
  • 21:08 Uhr
  • André Marston Alvarez
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© Getty Images

In Nordeuropa wurde in letzter Zeit erhöhte Radioaktivität festgestellt. Wissenschaftlern zufolge sind die gemessenen Werte nicht gefährlich. Doch die Quelle der erhöhten Strahlung ist unklar. Hat Russland etwas damit zu tun?

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Das Wichtigste zum Thema Erhöhte Radioaktivität

  • In gleich mehreren nordeuropäischen Ländern wurde im Juli eine leicht erhöhte Radioaktivität gemessen. Darunter Schweden, Finnland und Norwegen.

  • Die Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) gab jedoch Entwarnung: Die Menge der radioaktiven Belastung sei für die menschliche Gesundheit und Umwelt nicht schädlich.

  • Wo genau die Quelle der radioaktiven Partikel liegt, ist bisher allerdings unklar. Ein niederländisches Institut vermutet den Ursprung in Russland.

  • Das Ganze erinnert an 2017. Auch damals tauchte eine radioaktive Wolke über Europa auf, deren Ursprung unbekannt war. Forscher konnten zuletzt nachweisen, dass sie damals offenbar von einem verheimlichten Nuklearunfall in Russland ausging.

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Hier wird die Quelle vermutet

Eine Landkarte, die der CTBTO Chef auf Twitter postete, zeigt das mutmaßliche Herkunftsgebiet der erhöhten Radioaktivität. Es erstreckt sich über die Südhälfte Finnlands, das südliche Drittel Schwedens, Estland, Lettland sowie den Nordwesten Russlands, einschließlich St. Petersburg.

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Russischer Atomkonzern weist die Schuld von sich

Das Institut für Gesundheit und Umwelt der Niederlande hat sich ebenfalls mit den Messwerten auseinandergesetzt und festgestellt, dass die gemessenen Radio-Nuklide künstlich hergestellt worden sind. Zudem könne die Zusammensetzung auf eine Beschädigung eines Brennelements in einem Kernkraftwerk hindeuten.

Berechnungen ergaben außerdem, dass die Quelle wohl in "Richtung Westrussland" liege. Den genauen Standort könne man jedoch nicht festlegen.

Der russische Atomkonzern Rosengaotom erklärte inzwischen, in seinen Atomkraftwerken Leningrad und Kola seien keine Fehler festgestellt worden. Außer in Russland werden in der Region auch in Finnland und Schweden Atomkraftwerke betrieben. Allerdings wurden auch von dort keine Zwischenfälle gemeldet.

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Radioaktive Wolke über Europa

In verschiedenen Messstadionen in Europa wurden erhöhte Strahlenwerte aufgezeichnet. Grund dafür soll ein Zwischenfall Ende September in einem Labor nahe der russisch-kasachischen Grenze sein. Aber wie gefährlich ist diese Wolke wirklich für uns?

  • Video
  • 02:13 Min
  • Ab 12

Radioaktivität - was ist das überhaupt?

⚛ Radioaktivität bedeutet so viel wie Strahlungstätigkeit. Zu der kommt es, wenn Atomkerne zerfallen. Dies kann entweder auf natürlichem Wege passieren oder künstlich herbeigeführt werden.

⚛ Die bei dem Zerfalls- oder Umwandlungsprozess freiwerdende Energie wird dabei als Strahlung freigesetzt. Für uns Menschen ist die nicht direkt spürbar.

⚛ Der oft verwendete Begriff "radioaktive Strahlung" ist genau genommen also nicht korrekt, da die Strahlung selbst nicht radioaktiv ist, sondern eine Folge der Radioaktivität.

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Ab wann ist Strahlung schädlich?

🆘 Bei Werten ab 1 Sievert (Sv) treten akute Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall auf. Bei mehr als 3 liegt die Sterblichkeit ohne medizinische Behandlung bei 50 Prozent, bei über 8 bestehen kaum noch Überlebens-Chancen.

✈ Wer in Deutschland lebt, ist einer Dosis von etwa 4 Milli-Sivert (mSv) pro Jahr ausgesetzt. Bei einer Röntgenaufnahme wirken 0,01 bis 0,03 mSv auf den Körper, bei einem Langstreckenflug bis zu 0,1 mSv.

Diese 5 Strahlungs-Arten werden beim radioaktiven Zerfall freigesetzt

Alpha-Strahlung hat nur eine sehr geringe Reichweite und kann bereits durch ein Blatt Papier oder die oberste Hautschicht abgeschirmt werden.

Beta-Strahlung dringt hingegen schon etwas tiefer ins Gewebe ein, kann aber zum Beispiel durch Kunststoff oder Aluminium abgehalten werden.

Gamma-Strahlen sind intensiver und müssen beispielweise durch dicke Bleiplatten abgeschirmt werden.

Neutronenstrahlung wird insbesondere bei der Kernspaltung von Uran in Atomkraftwerken freigesetzt. Ihre Abschirmung der Strahlen ist ziemlich aufwendig und muss im ersten Schritt mit Materialien mit einem hohen Wasserstoffanteil abgebremst werden.

Röntgenstrahlung ist eine elektromagnetische Strahlung. Sie kann in einer Röntgenröhre technisch erzeugt werden.

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Deutschland will bis Ende 2022 alle Reaktoren abschalten

💬 Atomkraft ist seit langem umstritten. Während einige sie als saubere und zukunftsweisende Energiequelle bezeichnen, steht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung einem Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ablehnend gegenüber.

Katastrophale Unfälle wie in Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, wie gefährlich und manchmal auch unberechenbar solche Anlagen sein können.

📄 Deshalb hat Deutschland vor einigen Jahren den Atom-Ausstieg beschlossen und den Übergang in eine Zukunft ohne Kernenergie eingeleitet.

👍 Aktuell sind noch 6 AKW in Deutschland aktiv. Diese sollen gemäß Atomgesetz bis spätestens 2022 abgeschaltet werden.

Das sind die Standorte der letzten aktiven Atomkraftwerke in Deutschland.
Das sind die Standorte der letzten aktiven Atomkraftwerke in Deutschland.© BMU
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