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Nigeria - Global Player der Zukunft?

  • Veröffentlicht: 18.05.2021
  • 19:45 Uhr
  • Sven Hasselberg
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© Getty Images

Nigeria könnte bis ins Jahr 2100 unter den Top 10 der Wirtschaftsmächte rangieren. Wir erklären dir, wie der afrikanische Staat europäischen Ländern den Rang ablaufen kann.

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Das Wichtigste zum Thema Nigeria

  • Forschende der Universität Washington gehen davon aus, dass Nigeria bis zum Jahr 2100 auf Platz 9 der wirtschaftsstärksten Nationen weltweit liegen könnte. Schon heute ist es Afrikas größte Wirtschaftsmacht.

  • Den Grund sehen die Wissenschaftler:innen in den Bevölkerungspyramiden. In den westlichen Industriestaaten sowie in China wird es bis 2100 mutmaßlich zu einem Rückgang der Bevölkerung kommen. Auch Überalterung könnte hier zu einem Problem werden. Das bedeutet: den Ländern fehlen langfristig junge und arbeitsfähige Menschen.

  • Staaten wie Nigeria brächten hingegen stärkere und jüngere Generationen hervor. Diese kurbeln nicht nur das eigene Wirtschaftswachstum an, sondern könnten "alternde Nationen" als Akademiker:innen und Fachkräfte unterstützen. Das würde die politischen und ökonomischen Machtverhältnisse verändern.

  • Schon jetzt gilt Nigeria als Schwergewicht der Afrikanischen Union und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft. Seit März stellt es mit Ngozi Okonjo-Iweala die Generaldirektorin der Welthandelsorganisation.

  • Nigeria kämpft allerdings aktuell mit Problemen wie Terror, Armut, Korruption und einem derzeit schwachem Wirtschaftswachstum. Diese Faktoren könnten den Boom des Landes noch verhindern. Willst du mehr über den möglichen Aufstieg Nigerias zum Global Player erfahren? Lies weiter.

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Nigeria - Afrikas große Hoffnung

Nigeria hat eine relative große Atlantikküste, was wiederum den Schiffshandel begünstigt.
Nigeria hat eine relative große Atlantikküste, was wiederum den Schiffshandel begünstigt.

Nigerias Weg zum Global Player

Laut der Studie der Universität Washington wächst die Weltbevölkerung bis 2064 auf 9,7 Milliarden Menschen an. Bis 2100 soll sie dann wieder auf 8,8 Milliarden sinken. Die Bevölkerung der Subsahara-Staaten wird bis dahin aber wachsen. Nigeria hat schon heute die größte Bevölkerung Afrikas, zwei Drittel sind Jugendliche.

Selbst wenn durch bessere Bildung und damit auch bessere Aufklärung und Verhütung die Geburtenrate pro Frau sinkt, wächst Nigerias Bevölkerung laut der Studie wohl auf 791 Millionen an. Damit läge es nach Indien und noch vor China auf Platz 2.

In einigen Industriestaaten der EU und Asien schrumpfe die Bevölkerung bis 2100, halbiere sich sogar, und überaltere. Migration würde für sie eine Notwendigkeit darstellen, um ihren Wohlstand zu halten und zu sichern.

Die Prognose sieht die wirtschafts- und machtpolitische Verschiebung darin, dass junge, gut ausgebildete Generationen der Subsahara-Staaten die Wirtschaft ihrer Heimatländer pushen. Aber eben auch, dass sie die heutigen Industriestaaten unterstützen. Neben den USA, China und Indien könnte Nigeria zu den 4 wichtigsten Mächten zählen.

Allerdings: Die Corona-Pandemie hat Nigeria eine Rezession beschert. Es bleibt zu beobachten, wie das Land diese bewältigt oder ob diese innerstaatlichen Probleme den vorhergesagten Boom verhindern. Wie das schon mal passierte, erfährst du unten. Davor zeigen wir dir Nigerias Wirtschaftsdaten.

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Nigerias Wirtschaft: Zahlen und Fakten

Nigeria Bruttoinlandsprodukt
Nigeria Bruttoinlandsprodukt
Bruttoinlandsprodukt der Top 10 Länder in Afrika
Bruttoinlandsprodukt der Top 10 Länder in Afrika
Nigeria Bruttoinlandsprodukt
Bruttoinlandsprodukt der Top 10 Länder in Afrika

Der Traum vom Dubai Afrikas

Nigeria hat das Zeug zum Boom. Das hat Afrikas größter Rohölproduzent in den Jahren bis 2014 bewiesen. Damals stieg das Bruttoinlandsprodukt auf über 568 Milliarden US-Dollar. Moderne Bauprojekte gingen in Planung, vom "Dubai Afrikas" war die Rede. Lagos entwickelte sich zur Wirtschaftsmetropole, gehört mit 16 Millionen Einwohnern zu den weltweiten Mega-Citys. Eine reiche kleine Oberschicht und eine breite Mittelschicht bildeten sich.

Doch die Träume platzten. Korruption, Terror und Ebola beutelten das Land und verschreckten Anleger. Der Ölpreis fiel, von dem das Land zu sehr abhängig ist und infolge dessen wurden andere Branchen nicht genug gefördert. Die Währung verlor an Wert, die Inflation stieg.

Der umstrittene Präsident und Ex-General Muhammadu Buhari war 1983 bereits Diktator in Nigeria und ist seit 2015 gewählt an der Macht. Er wollte Korruption und Terror in der Republik bekämpfen. Doch der Erfolg blieb aus. Dennoch wurde er 2019 wiedergewählt. Die Opposition wirft ihm Betrug vor.

Bis zur Pandemie war die Wirtschaft langsam wieder im Aufschwung. Willst du mehr über die Probleme erfahren, mit denen das Land kämpft? Lies weiter.

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7 der größten Probleme Nigerias

📉 Armut: In Nigeria leben weltweit die meisten Menschen in extremer Armut. Fast 90 Millionen Einwohner, also 43 Prozent stehen täglich nur 1,90 Dollar zur Verfügung. Das Öl-Geld kommt nicht beim Volk an.

🗡 Kriminalität: Überfälle und Entführungen stehen an der Tagesordnung. Das Land liegt auf Platz 9 der Staaten mit den meisten Mordfällen. Pro 100.000 Einwohner sind es 34. Ethnische Konflikte führen oft zu Gewalt.

💣 Terror: Bombenanschläge und Enthauptungen erschüttern regelmäßig die Republik. Die islamistische Terror-Gruppe Boko Haram aus dem Norden kämpft gegen westliche Bildung und versetzt Nigeria besonders durch die Entführung von ganzen Schulklassen, meist Mädchen, in Schrecken.

📚 Bildungsnotstand: 13,5 Millionen Kinder besuchen keine Schule. Bis zu 40 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten. Besonders Mädchen und Frauen bleibt der Zugang zu Bildung oft verwehrt.

💸 Korruption: Nigeria gehört zu den 30 korruptesten Ländern der Welt. Staatsgelder fließen illegal ins Ausland. Zwischen 2005 und 2014 sollen es 182 Milliarden US-Dollar gewesen sein.

🌱 Umweltzerstörung: Wegen Lecks in Ölpipelines gilt das Nigerdelta im Süden eine der meistverschmutzten Regionen weltweit. 2021 verurteilte ein niederländisches Gericht die nigerianische Tochter des Ölkonzerns Shell zum ersten Mal zu Entschädigungszahlungen der betroffenen Bauern vor Ort.

🗣 Verletzung der Menschenrechte: Amnesty International klagt Gewalt von Sicherheitskräften und Militär an. Meinungsäußerung, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit werden unterdrückt. Es kommt zu willkürlichen Verhaftungen, Inhaftierungen und Folter.

Impressionen zwischen Boom und Fall

Städtebau: Die Hauptstadt Abuja, die Öl-Hafenstadt Port Hancourt und vor allem die Wirtschaftsmetropole Lagos, hier im Bild, sind Sitz einer Elite von Dollar-Millionären und einigen Milliardären. Besonders hier gibt es moderne Architektur, mondäne Boulevards, ambitiöse Bauprojekte.
Städtebau: Die Hauptstadt Abuja, die Öl-Hafenstadt Port Hancourt und vor allem die Wirtschaftsmetropole Lagos, hier im Bild, sind Sitz einer Elite von Dollar-Millionären und einigen Milliardären. Besonders hier gibt es moderne Architektur, mondäne Boulevards, ambitiöse Bauprojekte.© GettyImages-Jaxons
Gerade bei Nacht wartet Lagos mit einer modernen Skyline auf.
Gerade bei Nacht wartet Lagos mit einer modernen Skyline auf.© GettyImages-peeterv
Eco Atlantic City: 2008 begann die Aufschüttung für das “Dubai Afrikas” oder “Mini-Manhattan”. 10 Quadratkilometer Land voller schicker Büros und Wohnungen für eine Viertelmillionen Menschen sollten vor Lagos entstehen. Doch das Projekt geriet ins Stocken. Bis heute stehen dort nur ein paar Hochhäuser.
Eco Atlantic City: 2008 begann die Aufschüttung für das “Dubai Afrikas” oder “Mini-Manhattan”. 10 Quadratkilometer Land voller schicker Büros und Wohnungen für eine Viertelmillionen Menschen sollten vor Lagos entstehen. Doch das Projekt geriet ins Stocken. Bis heute stehen dort nur ein paar Hochhäuser.© GettyImages-Kehinde Temitope Odutayo
Infrastruktur: Schätzungen zufolge macht die Wirtschaft auf Grund maroder Infrastruktur jährlich hunderte Million Verluste. Auch dank internationaler und privater Gelder, die in den Straßen- oder Schienenbau fließen, wird der Transport langsam modernisiert. Internet- und Mobilfunk sind weit verbreitet.
Infrastruktur: Schätzungen zufolge macht die Wirtschaft auf Grund maroder Infrastruktur jährlich hunderte Million Verluste. Auch dank internationaler und privater Gelder, die in den Straßen- oder Schienenbau fließen, wird der Transport langsam modernisiert. Internet- und Mobilfunk sind weit verbreitet.© picture alliance / NurPhoto | Adekunle Ajayi
Erdöl und -gas: Nigeria gehört zu den größten Erdölförderern der Erde. Es gibt allerdings wenig weiterverarbeitende Raffinerien. Deshalb muss die Republik Erdölprodukte wie Benzin im Wert von rund 7 Milliarden Dollar jährlich wieder importieren. Viele der Ölpipelines im Land sind marode. Es kommt zu Explosionen.
Erdöl und -gas: Nigeria gehört zu den größten Erdölförderern der Erde. Es gibt allerdings wenig weiterverarbeitende Raffinerien. Deshalb muss die Republik Erdölprodukte wie Benzin im Wert von rund 7 Milliarden Dollar jährlich wieder importieren. Viele der Ölpipelines im Land sind marode. Es kommt zu Explosionen.-picture alliance / Photoshot |
Aliko Dangote: Der reichste Mann Afrikas soll rund 17 Milliarden Dollar schwer sein. Mit Zement wurde er reich, und hat das größte Bauprojekt Nigerias angestoßen. Er investierte in eine 15 Milliarden Dollar teure, riesige Raffinerie und eine Düngemittelfabrik. Sie sollen bald bei Lagos in Betrieb gehen. Kritiker werfen ihm undurchsichtige Geschäfte und zu große Nähe zur Politik vor. Die Weltbank unterstützt sein Projekt.
Aliko Dangote: Der reichste Mann Afrikas soll rund 17 Milliarden Dollar schwer sein. Mit Zement wurde er reich, und hat das größte Bauprojekt Nigerias angestoßen. Er investierte in eine 15 Milliarden Dollar teure, riesige Raffinerie und eine Düngemittelfabrik. Sie sollen bald bei Lagos in Betrieb gehen. Kritiker werfen ihm undurchsichtige Geschäfte und zu große Nähe zur Politik vor. Die Weltbank unterstützt sein Projekt.© picture alliance / dpa | Christophe Petit Tesson
Landwirtschaft: Im Norden gibt es Viehzucht, im Süden Ackerwirtschaft. Die Produktion wird von Kleinbauern übernommen. Sie bauen hauptsächlich Yams, Maniok und Kakao an. 70 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, die wenig Geld abwirft und den Nahrungsbedarf nicht deckt.
Landwirtschaft: Im Norden gibt es Viehzucht, im Süden Ackerwirtschaft. Die Produktion wird von Kleinbauern übernommen. Sie bauen hauptsächlich Yams, Maniok und Kakao an. 70 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, die wenig Geld abwirft und den Nahrungsbedarf nicht deckt.© picture alliance / Photoshot |
Städtebau: Die Hauptstadt Abuja, die Öl-Hafenstadt Port Hancourt und vor allem die Wirtschaftsmetropole Lagos, hier im Bild, sind Sitz einer Elite von Dollar-Millionären und einigen Milliardären. Besonders hier gibt es moderne Architektur, mondäne Boulevards, ambitiöse Bauprojekte.
Gerade bei Nacht wartet Lagos mit einer modernen Skyline auf.
Eco Atlantic City: 2008 begann die Aufschüttung für das “Dubai Afrikas” oder “Mini-Manhattan”. 10 Quadratkilometer Land voller schicker Büros und Wohnungen für eine Viertelmillionen Menschen sollten vor Lagos entstehen. Doch das Projekt geriet ins Stocken. Bis heute stehen dort nur ein paar Hochhäuser.
Infrastruktur: Schätzungen zufolge macht die Wirtschaft auf Grund maroder Infrastruktur jährlich hunderte Million Verluste. Auch dank internationaler und privater Gelder, die in den Straßen- oder Schienenbau fließen, wird der Transport langsam modernisiert. Internet- und Mobilfunk sind weit verbreitet.
Erdöl und -gas: Nigeria gehört zu den größten Erdölförderern der Erde. Es gibt allerdings wenig weiterverarbeitende Raffinerien. Deshalb muss die Republik Erdölprodukte wie Benzin im Wert von rund 7 Milliarden Dollar jährlich wieder importieren. Viele der Ölpipelines im Land sind marode. Es kommt zu Explosionen.
Aliko Dangote: Der reichste Mann Afrikas soll rund 17 Milliarden Dollar schwer sein. Mit Zement wurde er reich, und hat das größte Bauprojekt Nigerias angestoßen. Er investierte in eine 15 Milliarden Dollar teure, riesige Raffinerie und eine Düngemittelfabrik. Sie sollen bald bei Lagos in Betrieb gehen. Kritiker werfen ihm undurchsichtige Geschäfte und zu große Nähe zur Politik vor. Die Weltbank unterstützt sein Projekt.
Landwirtschaft: Im Norden gibt es Viehzucht, im Süden Ackerwirtschaft. Die Produktion wird von Kleinbauern übernommen. Sie bauen hauptsächlich Yams, Maniok und Kakao an. 70 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, die wenig Geld abwirft und den Nahrungsbedarf nicht deckt.
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Nigerias Beziehungen zu Deutschland

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