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Proteste nach dem Tod von George Floyd: Darf Trump das Militär einsetzen?

  • Veröffentlicht: 03.06.2020
  • 12:45 Uhr
  • Galileo
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© Uwe Anspach / dpa

Nach dem Mord an George Floyd gehen Millionen Menschen der Bewegung "Black Lives Matter" gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße. Nun will Trump die Proteste durchs Militär auflösen. Darf er das?

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Das Wichtigste zum Thema George Floyd

  • Er soll mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein bezahlt haben - kurze Zeit später war er tot: Am 25. Mai 2020 kam der 46-jährige Afro-Amerikaner George Floyd bei einem Polizei-Einsatz in Minneapolis ums Leben.

  • Laut Aussage der Polizei habe er bei der Festnahme physischen Widerstand geleistet. Zeugen berichten allerdings anderes. 4 Polizisten drückten ihn zu Boden. Einer der Beamten, Derek Chauvin, kniete dabei fast 9 Minuten auf Floyds Nacken. Der rief mehrfach: "Ich kann nicht atmen." Die Polizisten reagierten nicht.

  • Kurz nach Floyds Tod kam es in Minneapolis zu spontanen Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt. Innerhalb weniger Tage weiteten sich die Proteste aus - vor allem in den USA, aber auch in anderen Teilen der Welt.

  • Die 4 Polizisten wurden gefeuert, Derek Chauvin wegen Totschlags angeklagt und festgenommen. Jetzt wurde dem Ex-Polizisten und Mörder der Prozess gemacht.

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Darf der US-Präsident das Militär gegen Demonstranten einsetzen?

Trump beruft sich bei seiner Drohung auf den so genannten "Insurrection Act", ein Gesetz aus dem Jahr 1807. Der Präsident kann das Militär demnach einsetzen, um Proteste im eigenen Land zu beruhigen. Dies soll aber eigentlich nur auf Anfrage der Gouverneure der einzelnen US-Bundesstaaten geschehen.

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Wann wurde das Gesetz genutzt?

In den 1950er und 60er Jahren zum Beispiel wurde das Militär in die Südstaaten geschickt. Soldaten sollten sicherstellen, dass die Trennung zwischen Schwarzen und Weißen in Schulen aufgehoben wird - und das gegen teilweise erbitterten Widerstand der weißen Bevölkerung.

Zuletzt bat 1992 ein kalifornischer Gouverneur den Präsidenten um militärische Unterstützung. Damals kam es zu Unruhen nach Freisprüchen von Polizisten, die einen schwarzen Amerikaner misshandelt hatten.

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Kann Trump seinen Plan durchziehen?

Laut Gesetz hat der US-Präsident die Vollmacht, auch ohne Anfrage der Bundesstaaten das Militär einzusetzen. Im Land ist das allerdings sehr umstritten.

Die Bundesstaaten haben Trump bisher nicht um Hilfe ersucht. Einige Gouverneure hatten sich sogar deutlich gegen einen Einsatz des Militärs im eigenen Land ausgesprochen.

Der demokratische Präsidentschafts-Kandidat Joe Biden schrieb auf Twitter: "Er benutzt das amerikanische Militär gegen das amerikanische Volk". Die Anführer der Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat, Nancy Pelosi und Chuck Schumer, veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung: "In einer Zeit, in der unser Land nach Einigung ruft, zerreißt es dieser Präsident in Stücke."

Auch New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James äußerte sich am Montag zum Vorstoß des Präsidenten: "Der Präsident der Vereinigten Staaten ist kein Diktator. Trump dominiert nicht den Staat New York und wird es auch nicht tun." Sie pocht damit auf die Selbstbestimmtheit der Staaten und will den Einsatz des Militärs in ihrem Bundesstaat nicht zulassen.

Nicht nur in den USA wird protestiert - so reagiert die Welt auf den Tod von George Floyd

Auch in London protestieren Tausende gegen Polizeitgewalt. Kritisiert wird die Rolle Großbritanniens bei der Unterdrückung Schwarzer während der Kolonialisierung.
Auch in London protestieren Tausende gegen Polizeitgewalt. Kritisiert wird die Rolle Großbritanniens bei der Unterdrückung Schwarzer während der Kolonialisierung.© picture alliance/ZUMA Press
Viele schwarze Fußballer haben ihre Bühne genutzt, um an das Schicksal von George Floyd zu erinnern. Gladbachs Markus Thuram kniete nach seinem Tor gegen Union Berlin demonstrativ nieder.
Viele schwarze Fußballer haben ihre Bühne genutzt, um an das Schicksal von George Floyd zu erinnern. Gladbachs Markus Thuram kniete nach seinem Tor gegen Union Berlin demonstrativ nieder.© picture alliance / empics
In Berlin gab es eine Mahnwache unter dem Motto "Say their names". Die Teilnehmer wollen auf Polizeigewalt in aller Welt aufmerksam machen - und nennen Namen von Opfern wie zum Beispiel George Floyd.
In Berlin gab es eine Mahnwache unter dem Motto "Say their names". Die Teilnehmer wollen auf Polizeigewalt in aller Welt aufmerksam machen - und nennen Namen von Opfern wie zum Beispiel George Floyd.© picture alliance/Carsten Koall/dpa
Unter dem Hashtag #blackouttuesday haben auch viele Social-Media-Nutzer auf die Missstände hingewiesen. Viele Prominente haben die Aktion unterstützt und schwarze Kacheln gepostet.
Unter dem Hashtag #blackouttuesday haben auch viele Social-Media-Nutzer auf die Missstände hingewiesen. Viele Prominente haben die Aktion unterstützt und schwarze Kacheln gepostet.© picture alliance/TT NEWS AGENCY
Am Damplatz in Amsterdam gingen Tausende auf die Straße. Unter dem Motto "Black Lives Matter" wollten die Teilnehmer ein Zeichen setzen - gegen Polizeigewalt in den USA und der EU.
Am Damplatz in Amsterdam gingen Tausende auf die Straße. Unter dem Motto "Black Lives Matter" wollten die Teilnehmer ein Zeichen setzen - gegen Polizeigewalt in den USA und der EU.© picture alliance / NurPhoto
Auch in London protestieren Tausende gegen Polizeitgewalt. Kritisiert wird die Rolle Großbritanniens bei der Unterdrückung Schwarzer während der Kolonialisierung.
Viele schwarze Fußballer haben ihre Bühne genutzt, um an das Schicksal von George Floyd zu erinnern. Gladbachs Markus Thuram kniete nach seinem Tor gegen Union Berlin demonstrativ nieder.
In Berlin gab es eine Mahnwache unter dem Motto "Say their names". Die Teilnehmer wollen auf Polizeigewalt in aller Welt aufmerksam machen - und nennen Namen von Opfern wie zum Beispiel George Floyd.
Unter dem Hashtag #blackouttuesday haben auch viele Social-Media-Nutzer auf die Missstände hingewiesen. Viele Prominente haben die Aktion unterstützt und schwarze Kacheln gepostet.
Am Damplatz in Amsterdam gingen Tausende auf die Straße. Unter dem Motto "Black Lives Matter" wollten die Teilnehmer ein Zeichen setzen - gegen Polizeigewalt in den USA und der EU.
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Wann darf die Bundeswehr im Inland aktiv werden?

Häufig sieht man es bei Terrorwarnungen im europäischen Ausland. Soldaten patrouillieren in den Straßen, im Kampfanzug und mit Maschinengewehr. Das Grundgesetz setzt dem Einsatz der Bundeswehr in Deutschland deutliche Grenzen.

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"Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich zulässt", bestimmt die Verfassung in Artikel 87a, Absatz 2. Der Grund dafür liegt, wie so häufig, in der deutschen Geschichte. Vor allem im Nationalsozialismus wurde das Militär genutzt, um staatliche Gewalt durchzusetzen.

Die meisten Einsätze der Bundeswehr in Deutschland gab es nach Naturkatastrophen oder schweren Unglücken. Dabei handelt es sich aber nur um "technische Hilfe", wie zum Beispiel das Aufschichten von Sandsäcken bei einer Sturmflut.

Ein wirklich militärischer Einsatz im Inland ist nur bei einem so genannten "inneren Notstand" möglich. Dabei kann die Bundesregierung die Bundeswehr in größter Not zur Unterstützung der Polizei einsetzen. Die Streitkräfte können dann laut Bundeswehr "zur Unterstützung beim Schutz von zivilen Objekten und bei der Bekämpfung organisierter und militärisch bewaffneter Aufständischer eingesetzt werden."

Laut Experten ist so ein Szenario allerdings höchst unwahrscheinlich und kam in der deutschen Nachkriegsgeschichte auch noch nicht vor.

Wut über rassistische Polizeigewalt - George Floyd ist nicht der erste Fall

August 2014, Missouri: Der Todesfall des 18-jährigen Michael Brown in der Stadt Ferguson im US-Bundestaat Missouri sorgte in mehr als 170 Städten in den USA für zum Teil gewaltsame Proteste. Der afroamerikanische Schüler war nach Tätlichkeiten gegenüber einem Polizisten von diesem erschossen worden. In der Folge kam es zu andauernden Unruhen und Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt. Die Nationalgarde wurde entsand
August 2014, Missouri: Der Todesfall des 18-jährigen Michael Brown in der Stadt Ferguson im US-Bundestaat Missouri sorgte in mehr als 170 Städten in den USA für zum Teil gewaltsame Proteste. Der afroamerikanische Schüler war nach Tätlichkeiten gegenüber einem Polizisten von diesem erschossen worden. In der Folge kam es zu andauernden Unruhen und Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt. Die Nationalgarde wurde entsand© picture alliance/AA
Oktober 2014, Chicago/Illinois: Die tödlichen Schüsse auf den 17-jährigen Laquan McDonald führten zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA.  Ein zunächst nicht veröffentlichtes Video einer Auto-Kamera zeigt, wie der 17-jährige in Chicago über die Straße rennt, als er von den Schüssen aus einer Polizeiwaffe getroffen wird. Ein Beamter hatte 16 Kugeln auf den jungen Mann abgefeuert.
Oktober 2014, Chicago/Illinois: Die tödlichen Schüsse auf den 17-jährigen Laquan McDonald führten zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA. Ein zunächst nicht veröffentlichtes Video einer Auto-Kamera zeigt, wie der 17-jährige in Chicago über die Straße rennt, als er von den Schüssen aus einer Polizeiwaffe getroffen wird. Ein Beamter hatte 16 Kugeln auf den jungen Mann abgefeuert.© picture alliance/ZUMA Press
November 2014, Cleveland/Ohio: Der 12-jährige Tamir Rice hat eine Softair-Spielzeug-Pistole dabei, als er durch die Straßen von Cleveland läuft. Ein Anrufer alarmiert die Polizei. 2 Beamte rücken in einem Streifenwagen aus. Einer der beiden erschießt den Jungen. Als der Fall publik wird, kommt es in mehreren US-Städten zu Protesten.
November 2014, Cleveland/Ohio: Der 12-jährige Tamir Rice hat eine Softair-Spielzeug-Pistole dabei, als er durch die Straßen von Cleveland läuft. Ein Anrufer alarmiert die Polizei. 2 Beamte rücken in einem Streifenwagen aus. Einer der beiden erschießt den Jungen. Als der Fall publik wird, kommt es in mehreren US-Städten zu Protesten.© picture alliance / AP Photo
Dezember 2014, Phoenix/Arizona: Auch der Fall des erschossenen Rumain Brisbon sorgte für viel Aufregung. Der 34-jährige Familienvater hatte seinen Kindern lediglich Essen bringen wollen, als er in eine Polizeikontrolle geriet. Brisbon wollte seine Hand nicht aus der Hosentasche nehmen, woraufhin ein Polizist 2-mal auf ihn schoss und dabei tödlich verletzte. Brisbon hatte in seiner Tasche keine Waffe, sondern lediglich Medikam
Dezember 2014, Phoenix/Arizona: Auch der Fall des erschossenen Rumain Brisbon sorgte für viel Aufregung. Der 34-jährige Familienvater hatte seinen Kindern lediglich Essen bringen wollen, als er in eine Polizeikontrolle geriet. Brisbon wollte seine Hand nicht aus der Hosentasche nehmen, woraufhin ein Polizist 2-mal auf ihn schoss und dabei tödlich verletzte. Brisbon hatte in seiner Tasche keine Waffe, sondern lediglich Medikam© picture alliance/ZUMA Press
April 2015, Baltimore/Maryland: Wegen Besitzes eines Springmessers wird der 25-jährige Freddy Gray festgenommen. Eine Woche später stirbt er an den Folgen einer Rückenverletzung. Der Afro-Amerikaner soll in Polizeigewahrsam misshandelt worden sein. In der Großstadt Baltimore kommt es zu schweren Ausschreitungen.
April 2015, Baltimore/Maryland: Wegen Besitzes eines Springmessers wird der 25-jährige Freddy Gray festgenommen. Eine Woche später stirbt er an den Folgen einer Rückenverletzung. Der Afro-Amerikaner soll in Polizeigewahrsam misshandelt worden sein. In der Großstadt Baltimore kommt es zu schweren Ausschreitungen.© dpa
September 2016, Charlotte in North Carolina: Der 43-jährige Afroamerikaner Keith L. Scott wurde von Polizisten erschossen, weil er nach Darstellungen der Behörden bewaffnet war. Der Mann habe die Polizisten nach dem Aussteigen aus seinem Auto bedroht, daraufhin habe einer von ihnen geschossen. Nach heftigen Protesten erklärt der Gouverneur in der Stadt den Ausnahmezustand.
September 2016, Charlotte in North Carolina: Der 43-jährige Afroamerikaner Keith L. Scott wurde von Polizisten erschossen, weil er nach Darstellungen der Behörden bewaffnet war. Der Mann habe die Polizisten nach dem Aussteigen aus seinem Auto bedroht, daraufhin habe einer von ihnen geschossen. Nach heftigen Protesten erklärt der Gouverneur in der Stadt den Ausnahmezustand. © picture alliance / NurPhoto
August 2014, Missouri: Der Todesfall des 18-jährigen Michael Brown in der Stadt Ferguson im US-Bundestaat Missouri sorgte in mehr als 170 Städten in den USA für zum Teil gewaltsame Proteste. Der afroamerikanische Schüler war nach Tätlichkeiten gegenüber einem Polizisten von diesem erschossen worden. In der Folge kam es zu andauernden Unruhen und Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt. Die Nationalgarde wurde entsand
Oktober 2014, Chicago/Illinois: Die tödlichen Schüsse auf den 17-jährigen Laquan McDonald führten zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA.  Ein zunächst nicht veröffentlichtes Video einer Auto-Kamera zeigt, wie der 17-jährige in Chicago über die Straße rennt, als er von den Schüssen aus einer Polizeiwaffe getroffen wird. Ein Beamter hatte 16 Kugeln auf den jungen Mann abgefeuert.
November 2014, Cleveland/Ohio: Der 12-jährige Tamir Rice hat eine Softair-Spielzeug-Pistole dabei, als er durch die Straßen von Cleveland läuft. Ein Anrufer alarmiert die Polizei. 2 Beamte rücken in einem Streifenwagen aus. Einer der beiden erschießt den Jungen. Als der Fall publik wird, kommt es in mehreren US-Städten zu Protesten.
Dezember 2014, Phoenix/Arizona: Auch der Fall des erschossenen Rumain Brisbon sorgte für viel Aufregung. Der 34-jährige Familienvater hatte seinen Kindern lediglich Essen bringen wollen, als er in eine Polizeikontrolle geriet. Brisbon wollte seine Hand nicht aus der Hosentasche nehmen, woraufhin ein Polizist 2-mal auf ihn schoss und dabei tödlich verletzte. Brisbon hatte in seiner Tasche keine Waffe, sondern lediglich Medikam
April 2015, Baltimore/Maryland: Wegen Besitzes eines Springmessers wird der 25-jährige Freddy Gray festgenommen. Eine Woche später stirbt er an den Folgen einer Rückenverletzung. Der Afro-Amerikaner soll in Polizeigewahrsam misshandelt worden sein. In der Großstadt Baltimore kommt es zu schweren Ausschreitungen.
September 2016, Charlotte in North Carolina: Der 43-jährige Afroamerikaner Keith L. Scott wurde von Polizisten erschossen, weil er nach Darstellungen der Behörden bewaffnet war. Der Mann habe die Polizisten nach dem Aussteigen aus seinem Auto bedroht, daraufhin habe einer von ihnen geschossen. Nach heftigen Protesten erklärt der Gouverneur in der Stadt den Ausnahmezustand.
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