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"Pushback" ist das Unwort des Jahres 2021 - warum Fachleute es kritisieren

  • Veröffentlicht: 13.01.2022
  • 18:27 Uhr
  • Galileo
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© picture alliance/dpa | Nadine Weigel

Eine Jury um die Sprachwissenschaftlerin Constanze Spieß hat "Pushback" als das Unwort des Jahres 2021 gekürt. Mit ihrer Auswahl wollen die Fachleute auf den unverhältnismäßigen Ausdruck für einen menschenfeindlichen Prozess aufmerksam machen.

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Das Wichtigste zum Unwort des Jahres

  • Sprachkritik ist gesellschaftlich wichtig. Dabei geht es nicht um sprachliche Vorschriften, sondern um die Reflexion von Sprachgebrauch.

  • Eine Jury von Sprach-Fachleuten kürt jährlich das Unwort des Jahres, um auf unangebrachten Sprachgebrauch hinzuweisen.

  • Die Expert:innen sind ehrenamtlich Mitglied der Jury und in ihrer Auswahl institutionell unabhängig, zum Beispiel von Universitäten, Verlagen oder Vereinen.

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Unwort des Jahres 2021: "Pushback"

Eine Jury aus 4 Sprachwissenschaftler:innen, einer Journalistin oder einem Journalisten und einem jährlich wechselndem Mitglied gibt jedes Jahr das Unwort des Jahres bekannt. Für 2021 bekam das Wort "Pushback" die unrühmliche Auszeichnung.

Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt so viel wie zurückschieben oder zurückstoßen.

Verwendung findet es in Diskussionen zur Einwanderung über europäische Außengrenzen. Als ein Pushback gilt das (gewaltsame) Zurückdrängen von Flüchtenden an Landesgrenzen, um die Menschen an einem Grenzübertritt zu hindern.

Eine haitianische Familie überquert auf einem behelfsmäßigen Schlauchboot einen Fluss von Guatemala nach Mexiko.
Eine haitianische Familie überquert auf einem behelfsmäßigen Schlauchboot einen Fluss von Guatemala nach Mexiko.© picture alliance / ZUMAPRESS.com | Richard Tsong-Taatarii

Begründung der Jury zur Auswahl

❗ Mit der Auszeichnung als Unwort des Jahres möchten die Fachleute für die Verharmlosung des damit bezeichneten menschenfeindlichen Vorgangs gegenüber Asylsuchenden aufmerksam machen.

❗ Der Gebrauch des Wortes "Pushback" beschönige, dass Flüchtende ohne die Möglichkeit auf einen Asylantrag an einer Landesgrenze zurückgedrängt werden. Damit wird ihnen das Menschen- und Grundrecht auf Asyl verwehrt.

❗ Außerdem bleibe durch die Verwendung des Ausdrucks die Gewalt unerwähnt, die häufig mit einer Abschiebung an der Grenze verbunden ist.

❗ Daher warnen die Expert:innen vor einem unreflektiertem Gebrauch. Wie bei allen Ausdrücken ist es nicht das Wort selbst, sondern seine Verwendung, dem es die schmähliche Ehrung verdankt.

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Platz 2 des Unworts des Jahres 2021: "Sprachpolizei"

👮 Für die Wahl zum Unwort sind im Jahr 2021 über 450 verschiedene Ausdrücke in mehr als 1.300 Einsendungen eingegangen. Die Silbermedaille ergatterte der Ausdruck "Sprachpolizei".

👮 Diesen kritisierte die Jury als abwertende Bezeichnung für Menschen, die sich für einen angemessenen Sprachgebrauch einsetzen.

👮 Er sei irreführend, weil er eine Einrichtung andeutet, die über die Einhaltung vermeintlich richtiger Sprachregeln wacht. Ein häufiges und fälschlicherweise genanntes Beispiel in dieser Hinsicht ist etwa der Duden.

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