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Sikkim - der erste Biostaat der Welt liegt in Indien

  • Veröffentlicht: 21.01.2022
  • 17:45 Uhr
  • Alena Brandt

Was in dem indischen Bundesstaat Sikkim in Sachen Ökologie und Biolandwirtschaft passiert, ist einmalig. Im Clip: Alles bio in Europa - was wir dafür umstellen müssten.

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Das Wichtigste zum Thema Sikkim

  • Ein ganzer Staat wirtschaftet zu 100 Prozent mit biologischer Landwirtschaft. Klingt wie eine Utopie – ist aber Realität im indischen Bundesstaat Sikkim.

  • Seit 2016 ist Sikkim ein „Biostaat“. Das Gesetz verbietet den Einsatz von Pestiziden, Kunstdünger und Gentechnik. Zum Vergleich: In der EU liegt der Anteil der Bio-Landwirtschaft bei rund 10 Prozent.

  • Sikkim ist berühmt für seine Mandarinen und ist größter Kardamom-Produzent Indiens. Es wachsen Reis, Mais, Hirse, Buchweizen und Linsen. Es gibt Obst, Gemüse, Ingwer, Tee und Schnittblumen aus biologischer Herkunft.

  • Harte Strafen bei Pestizid-Einsatz: Wer gegen die Bio-Regeln verstößt, muss hohe Geldbußen zahlen und mit Gefängnisstrafen rechnen.

  • Sikkim liegt im Nordosten Indiens zwischen China, Nepal und Bhutan am Himalaja-Gebirge.

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Der Biostaat in Bildern

Sikkim - der erste Biostaat der Welt liegt in Indien

Sikkim liegt zwischen China, Nepal und Bhutan an den Ausläufern des Himalaja. Bis 1975 war es ein eigenständiges Königreich.
Sikkim liegt zwischen China, Nepal und Bhutan an den Ausläufern des Himalaja. Bis 1975 war es ein eigenständiges Königreich.© Imago Images
Gangtok ist die Hauptstadt Sikkims. Sie liegt auf rund 1.800 Metern Höhe.
Gangtok ist die Hauptstadt Sikkims. Sie liegt auf rund 1.800 Metern Höhe.© Getty Images
Der indische Premierminister Narendra Modi (links) und Sikkims damaliger Premierminister Pawan Kumar Chamling riefen 2016 den Biostaat aus.
Der indische Premierminister Narendra Modi (links) und Sikkims damaliger Premierminister Pawan Kumar Chamling riefen 2016 den Biostaat aus.© Imago Images
Rund 2/3 der Bevölkerung in Sikkim lebt von Landwirtschaft.
Rund 2/3 der Bevölkerung in Sikkim lebt von Landwirtschaft. © Imago Images
Meistens gibt es kleine Familienbetriebe, wo alle mit anpacken.
Meistens gibt es kleine Familienbetriebe, wo alle mit anpacken.© Imago Images
Die Landschaft in Sikkim ist zerklüftet. Es gibt meist nur kleine landwirtschaftliche Flächen.
Die Landschaft in Sikkim ist zerklüftet. Es gibt meist nur kleine landwirtschaftliche Flächen.© Getty Images
Sikkim liegt zwischen China, Nepal und Bhutan an den Ausläufern des Himalaja. Bis 1975 war es ein eigenständiges Königreich.
Gangtok ist die Hauptstadt Sikkims. Sie liegt auf rund 1.800 Metern Höhe.
Der indische Premierminister Narendra Modi (links) und Sikkims damaliger Premierminister Pawan Kumar Chamling riefen 2016 den Biostaat aus.
Rund 2/3 der Bevölkerung in Sikkim lebt von Landwirtschaft.
Meistens gibt es kleine Familienbetriebe, wo alle mit anpacken.
Die Landschaft in Sikkim ist zerklüftet. Es gibt meist nur kleine landwirtschaftliche Flächen.

Sikkims Weg zur rein ökologischen Landwirtschaft

Sikkim ist der zweitkleinste Bundesstaat Indiens mit rund 600.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die gesamte landwirtschaftliche Fläche ist etwa so groß wie Hamburg. Ein Großteil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Im hügeligen Gelände sind die Felder oft terrassenförmig angebaut.

Typisch für Sikkim sind terrassenförmige Felder.
Typisch für Sikkim sind terrassenförmige Felder.

Viele Arbeiten erledigen die Menschen per Hand. Schwere Maschinen taugen nichts für diese Art von Anbau. Unkraut zupfen statt Chemie aufs Feld spritzen -  in Sikkim nutzten die Bauern und Bäuerinnen schon vor der Umstellung auf biologische Produktion weniger Pestizide und künstlichen Dünger als in anderen indischen Bundesstaaten.

Schwere Handarbeit: Jugendliche bereiten ein Reisfeld für die Aussaat vor.
Schwere Handarbeit: Jugendliche bereiten ein Reisfeld für die Aussaat vor.© Imago Images

2003 kündigte der damalige Premierminister Pawan Kumar Chamling an, den Staat auf nachhaltige und ökologische Landwirtschaft umzustellen. Komplett und per Gesetz. 13 Jahre bekamen die Betriebe Zeit, sich umzustellen. 2016 wurde Sikkim dann zum "Biostaat". Obst, Gemüse, Reis – alles ist biozertifiziert. Die Menschen mussten lernen, die Felder mit beispielsweise Wurmkompost zu düngen, den sie aus Pflanzenresten, Kuhmist und Regenwürmern herstellen.

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Alles bio - am Beispiel Sikkim zeigen sich die Herausforderungen

🌱 Die Böden waren ausgelaugt und brauchen Jahre, um sich von konventioneller Landwirtschaft zu erholen. Sie waren schwer zu pflügen und weniger fruchtbar. Dank des Bioanbaus erholten sie sich aber.

🪱 Es gab für viele Familien hohe Ernteausfälle, was mit Existenzängsten verbunden war. Teils auch durch Schädlingsbefall - dieser ist auch auf den Klimawandel zurückzuführen.

🍅 Damit die Tomate wächst, braucht sie Dünger. Vielen Betrieben fehlte es aber zu Beginn daran. Mittlerweile sind viele Profis im Herstellen von Wurmkompost.

🤓 Die Bauern und Bäuerinnen mussten sich viel Wissen aneignen, was es für eine nachhaltige Biolandwirtschaft braucht.

👍 Die Menschen mussten von den Vorteilen für die Gesundheit, Natur und Wirtschaftlichkeit des ökologischen Anbaus überzeugt werden. Sowohl die Erzeuger:innen, als auch die Konsument:innen.

😋 Die Vielfalt der angebauten landwirtschaftlichen Erzeugnisse war nicht so groß, dass es zur Selbstversorgung des Bundesstaates reichte.

❄️ Bei der Infrastruktur fehlten vor allem Liefer- und Kühlketten zum Transport der Lebensmittel.

💸 Subventionen, Schulungsprogramme und Co: Die Bio-Umstellung kostete viel Geld. Aber der Landwirtschafts-Sektor zeigte hohes Wachstum.

Du willst nach Sikkim reisen? Mit Farmstays kein Problem

Wer sich für Landwirtschaft interessiert, auf dem Bio-Bauernhof schlafen, essen und vielleicht sogar mit anpacken möchte - für den sind Farmstays eine tolle Option. In Sikkim gibt es viele Betriebe, die Gäste aufnehmen.

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Berge und Bio-Landwirtschaft - da gibt's einen Zusammenhang

In bergigen Gegenden gibt es anteilig oft mehr Bio-Bauern als im Flachland. In Europa hat Österreich mit rund 20 Prozent den größten Bioanteil an der Gesamtlandwirtschaft. Die Menschen können in dem schwer zugänglichem Gelände nicht auf Mähdrescher und Co. setzen. Daher gewinnt Biolandbau an Attraktivität.

  • 37  Prozent der Obstanlagen in Österreich sind ökologisch betrieben.
  • 16 Prozent der Weingartenfläche ebenso.
  • 40 Prozent der Mutterkühe stehen auf Bio-Betrieben.

Die Zahlen stammen vom österreichischen Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus.

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