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Russische Banken von Swift ausgeschlossen. Was bedeutet das?

  • Veröffentlicht: 28.02.2022
  • 16:00 Uhr
  • Nicole Lemberg
Article Image Media
© picture alliance/dpa | Paul Zinken

Nach dem Angriff auf die Ukraine haben die EU und westliche Verbündete den Ausschluss Russlands aus dem internationalen Bank-Zahlungssystem Swift beschlossen. Was das überhaupt ist und welche Folgen der Rauswurf hat.

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Das Wichtigste zum Thema Swift

  • Swift - das ist das System der "Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication".

  • Die Institution stellt die kommunikative Infrastruktur für den weltweiten Zahlungsverkehr zwischen Banken, Unternehmen und Ländern.

  • Als Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine hat die Europäische Union mit Unterstützung von Verbündeten wie den USA und Kanada Russlands Ausschluss aus dem Netzwerk beschlossen. Dieser Schritt gilt als härteste wirtschaftliche Waffe gegen Putin.

  • Zu Beginn hatten sich Deutschland und andere EU-Mitgliedsstaaten noch gegen einen Rauswurf aus dem Swift-System ausgesprochen. Denn die Sanktionen könnte auch viele europäische Banken und Firmen treffen.

  • Wie Swift überhaupt funktioniert und was die Entscheidung für Russland bedeutet, klären wir weiter unten.

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Was steckt hinter Swift?

Wer über Landesgrenzen hinweg Geld überweisen will, kommt um Swift nicht herum. Die 1973 gegründete Organisation verbindet mehr als 11.000 Banken in über 200 Ländern und ist damit das international wichtigste System zum Informationsaustausch von Transaktionen.

Nach eigenen Angaben der Organisation sind im Jahr 2021 täglich rund 20 Millionen Zahlungen über das System gelaufen.

Swift ist im genossenschaftlichen Besitz der Banken mit Sitz in Belgien und unterliegt dem EU-Recht. Belgien oder die Europäische Union kann die Institution also anweisen, russische Firmen und Banken als harte Sanktion aus dem Dienst auszuschließen.

So funktioniert das Swift-System

🖥 Hinter dem System verbirgt sich ein Netzwerk zum Austausch elektronischer Informationen. Durch ein standardisiertes Nachrichtenformat können sich Banken über angewiesene Überweisungen informieren.

📩 Eine Nachricht - sogenannte BIC-Codes - enthalten Informationen zur Identität des Zahlenden und des Zahlungs-Empfängers sowie zur Kontonummer.

💳 Wenn du also in Deutschland Geld auf ein Konto außerhalb der EU senden willst, nutzt du das Swift-Netzwerk. Denn bei der Überweisung gibst du den BIC-Code (Business Identifier Code) an, der auf deiner Bankkarte steht.

📮 So wird gewährleistet, dass das Geld auf dem richtigen Konto landet. 

💶 Die Organisation stellt aber nur die technische Infrastruktur zu Verfügung, um die Nachrichten zu übermitteln. Das Geld selbst wird nicht über das Swift-System überwiesen.

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Gemeinsamer Beschluss: EU und Verbündete schneiden Russland von Swift ab

🇪🇺 Es gilt als die bisher weitreichendste Reaktion auf Putins Angriffskrieg - die EU-Kommission und andere westliche Partner haben den Ausschluss bestimmter russischer Finanz-Institute aus dem Swift-System vereinbart.

🇪🇺 Die Bundesregierung hatte lange gezögert, diesen Schritt mitzugehen. Am 26. Februar lenkte Bundeskanzler Olaf Scholz ein. "Wir erleben eine Zeitwende", begründete er die Entscheidung im Bundestag.

🇪🇺 Gleichzeitig wollen die EU-Staaten, die USA und Großbritannien die Möglichkeiten der russischen Zentralbank weiter einschränken, durch internationale Finanz-Geschäfte den Rubel-Kurs zu sichern.

🇪🇺 Russland hat seit Jahren große Reserven in fremden Währungen angehäuft. Durch gezielte Sanktionen soll der Zugang zu diesem Vermögen jetzt blockiert werden, in dem man Banken in der EU daran hindert, das Geld anzunehmen.

🇪🇺 Auch die Möglichkeit wohlhabender Russen, sich eine europäische Staatsbürgerschaft durch den "goldenen Pass" zu erkaufen, soll enden.

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Regierungssprecher Steffen Hebestreit verkündete die Entscheidung auf Twitter

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Was könnte ein Swift-Ausschluss für Russland bedeuten?

Beendet die Organisation die Zusammenarbeit mit russischen Banken, wird im ersten Schritt der Geldfluss Russlands erheblich eingeschränkt. Geld aus dem Ausland ins Landesinnere zu transferieren, ist dann deutlich schwerer - und andersrum genauso. Das betrifft nicht nur Geschäfte mit der EU, sondern auch den Handel mit anderen Staaten wie China.

Grundsätzlich können sich Banken auch ohne Swift austauschen, allerdings sehr viel umständlicher. Die Kommunikation erfolgt dann auf altmodischen Wegen über Telefon, Fax oder Mail - das kostet nicht nur Zeit, sondern auch mehr Geld.

Gleichzeitig haben die Sanktionen erheblichen Einfluss auf Waren-Ströme. Russische Firmen sind nicht mehr in der Lage, Importe zu bezahlen oder Einnahmen für Exporte entgegen zu nehmen. Auch westliche Kredite an Russland werden über Swift abgerechnet.

Ob Russland vom möglichen Ausschluss wirklich so hart getroffen wäre, bezweifeln jedoch einige Expert:innen. "Ich fürchte, dass Herr Putin längst eine Alternative zu diesem Swift-System aufgebaut hat", erklärte Finanzminister Christian Lindner. Die Regierung in Moskau hatte nach ersten Sanktionen 2014 bereits selbst reagiert und ein eigenes Transaktions-System namens SPFS aufgebaut.

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Warum Deutschland zögerte: Diese Folgen haben die Sanktionen auch für uns

❌ Durch ein Abkopplung russischer Banken hätten auch deutsche Firmen große Schwierigkeiten, Geschäfte mit russischen Unternehmen aufrechtzuerhalten.

↔ Deutschland ist bei der Energieversorgung zu einem großen Teil von Russland abhängig. Momentan stammen über 50 Prozent der Gas-Importe aus Russland.

💰 Auch 50 Prozent der Steinkohle-Importe stammen aus Russland. Ein Ausschluss könnte ein mögliches Ende der russischen Rohstoff-Lieferungen bedeuten - und damit steigende Energiekosten bei uns.

🗣 Deutschland hatte deshalb zunächst auf gezielte Einschränkungen bestanden, die den Kreml "härter trifft als uns selbst", so Außenministerin Annalena Baerbock.

📉 Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) befürchtet gleichzeitig Auswirkungen für die europäische Wirtschaft. IfW-Vizepräsident Stefan Kooths rät: Kollateralschäden der Russland-Sanktionen müssten EU-Länder gleichmäßig tragen, um betroffenen Unternehmen zu unterstützen.

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