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Topophilia-Effekt: Wie Orte uns beeinflussen können

  • Veröffentlicht: 13.12.2021
  • 07:45 Uhr
  • Alena Brandt

Kennst du das: Du läufst durch eine bestimmte Gegend und fühlst dich komisch - oder glücklich? Das liegt daran, dass Orte eine Geschichte haben. Und die spüren wir intuitiv, sagt Historikerin Dr. Roberta Rio. Wie dir dieses Wissen helfen kann, erfährst du hier. Im Clip: geheimnisvolle Orte.

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Die Macht des Ortes

🏡 Wie Orte unsere Gesundheit, den Berufserfolg und Beziehungen prägen, erforscht die Historikerin und Bestseller-Autorin Dr. Roberta Rio im Auftrag für Privatpersonen und Unternehmen.

📝 Ihre Methode heißt Topophilia-Effekt. Rio fragt: Was ist an einem bestimmten Ort immer wieder passiert - und wird deshalb mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit in Zukunft wieder auftreten?

🧐 Die Historikerin spricht mit Menschen und stöbert in Archiven zur Geschichte von Gebäuden Grundstücken und Stadtvierteln. Sie sucht dabei nach Mustern, die sich an Orten wiederholen. Und wird häufig fündig.

⚖️ In einem Haus, in dem sich ständig alle stritten und Paare sich trennten, war früher ein Gericht ansässig. Die Daten der Forscherin belegten: Streit an diesem Ort ist wahrscheinlicher als an anderen Orten.

👨‍⚕️ Das Wissen um die Kraft von Orten ist uralt. Bereits der griechische Arzt Hippokrates empfahl einen Ortswechsel bei chronischen Krankheiten.

🐏 Und die Etrusker zogen schon Jahrhunderte vor Christus Schafe zurate beim Siedlungsbau und bei der Siedlungsstrategie - siehe Bildergalerie.

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Ein guter Ort zum Wohnen? Frag Tiere und Pflanzen

Topophilia-Effekt: Wie Orte uns beeinflussen können

Schafe klären Siedlungsfragen: Die Hochkultur der Etrusker bildete sich wahrscheinlich in den 8 Jahrhunderten vor Christus. Die Menschen ließen wochenlang Schafe dort weiden, wo sie Häuser bauen wollten. Dann schlachteten sie Tiere und untersuchten die Leber. Nur wenn diese bei mehreren Tieren gesund war, bebauten sie den Ort.
Schafe klären Siedlungsfragen: Die Hochkultur der Etrusker bildete sich wahrscheinlich in den 8 Jahrhunderten vor Christus. Die Menschen ließen wochenlang Schafe dort weiden, wo sie Häuser bauen wollten. Dann schlachteten sie Tiere und untersuchten die Leber. Nur wenn diese bei mehreren Tieren gesund war, bebauten sie den Ort.© Getty Images
Im Namen der Rose: Pflanzen gelten als Indikatoren für einen gesunden Boden. Wo Rosen gut wachsen, soll es sich auch gut wohnen lassen.
Im Namen der Rose: Pflanzen gelten als Indikatoren für einen gesunden Boden. Wo Rosen gut wachsen, soll es sich auch gut wohnen lassen.© Getty Images
Verhaltenskunde vor dem Stallbau: Bei Bauern in den Alpen war es früher Tradition, zuerst die Tiere an der Stelle zu beobachten, wo ein Stall entstehen sollte. Nur wenn Kuh und Co. entspannt und gesund waren, wurde der Plan in die Tat umgesetzt.
Verhaltenskunde vor dem Stallbau: Bei Bauern in den Alpen war es früher Tradition, zuerst die Tiere an der Stelle zu beobachten, wo ein Stall entstehen sollte. Nur wenn Kuh und Co. entspannt und gesund waren, wurde der Plan in die Tat umgesetzt.© Getty Images
Gesund mit Hund: Die Vierbeiner gelten als Strahlungsflüchter - wie wir Menschen auch. Die Plätze im Haus, an denen Hunde gerne liegen, sind oft auch Wohlfühl-Plätze für die Besitzer:innen.
Gesund mit Hund: Die Vierbeiner gelten als Strahlungsflüchter - wie wir Menschen auch. Die Plätze im Haus, an denen Hunde gerne liegen, sind oft auch Wohlfühl-Plätze für die Besitzer:innen.© Getty Images
Katzen hingegen fühlen sich von Strahlung angezogen. Sie liegen gerne auf Tastaturen.
Katzen hingegen fühlen sich von Strahlung angezogen. Sie liegen gerne auf Tastaturen.© Getty Images
Schafe klären Siedlungsfragen: Die Hochkultur der Etrusker bildete sich wahrscheinlich in den 8 Jahrhunderten vor Christus. Die Menschen ließen wochenlang Schafe dort weiden, wo sie Häuser bauen wollten. Dann schlachteten sie Tiere und untersuchten die Leber. Nur wenn diese bei mehreren Tieren gesund war, bebauten sie den Ort.
Im Namen der Rose: Pflanzen gelten als Indikatoren für einen gesunden Boden. Wo Rosen gut wachsen, soll es sich auch gut wohnen lassen.
Verhaltenskunde vor dem Stallbau: Bei Bauern in den Alpen war es früher Tradition, zuerst die Tiere an der Stelle zu beobachten, wo ein Stall entstehen sollte. Nur wenn Kuh und Co. entspannt und gesund waren, wurde der Plan in die Tat umgesetzt.
Gesund mit Hund: Die Vierbeiner gelten als Strahlungsflüchter - wie wir Menschen auch. Die Plätze im Haus, an denen Hunde gerne liegen, sind oft auch Wohlfühl-Plätze für die Besitzer:innen.
Katzen hingegen fühlen sich von Strahlung angezogen. Sie liegen gerne auf Tastaturen.

Fotos von Lieblings-Orten wecken Glücksgefühle

Du fühlst dich depressiv in der dunklen Jahreszeit? Dann schau doch mal wieder deine Urlaubsbilder an. Sich an schöne Plätze zu erinnern, steigert das Wohlbefinden. Das zeigt eine britische Studie.


Wow, was für eine Natur! Schöne Orte sind Kraftquellen für Menschen.

Forschende untersuchten die Gehirnaktivität von 19 Männern und Frauen zwischen 19 und 53 Jahren. Sie zeigten ihnen Bilder von für sie bedeutsamen Plätzen, bedeutsamen Gegenständen und neutralen Plätzen und Gegenständen.

Die Analyse zeigte: Die Bereiche im Gehirn, die mit Emotionen verknüpft sind, reagierten am stärksten auf die Bilder von bedeutsamen Orten. Die Forschenden schließen daraus, dass Wohlfühl-Orte für Menschen eine besonders starke Bedeutung haben.

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Galileo vom 3. März 2021

Lost Places in Deutschland - Was ist hier passiert?

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Lost Places - vergessene und verlassene Orte, die früher mal eine große Bedeutung hatten. Wir haben sie besucht und erforscht, was hier ursprünglich stattgefunden hat und warum sie zu Lost Places wurden.

  • Video
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  • Ab 12

Interview mit Roberta Rio: "Auf ehemaligen Friedhöfen würde ich nicht wohnen wollen"

❓ Gibt es gute und schlechte Orte?

💬 Unsere Ahnen hatten oft ein natürliches Gespür für den Geist eines Ortes, den Spiritus Loci. Damit ist nicht gemeint, ob ein Ort gut oder schlecht ist. Es ist ohne Wertung. Es bezeichnet eher die Qualität eines Ortes. Und diese bestimmt, für welche Zwecke sich ein Grundstück oder Gebäude eignet. Die Qualität hängt auch mit der Geschichte eines Ortes zusammen.

❓ Haben Sie ein Beispiel?

💬 Statistisch zeigt sich etwa: Wer in Häusern auf ehemaligen Friedhöfen lebt, der hat eine geringere Erwartung, ein glückliches Leben zu führen. Firmen gehen an solchen Standorten schneller Pleite oder erzielen einen geringen Erfolg. Wo Rosen gut wachsen, bleiben auch Menschen oft lange gesund. Früher haben die Menschen überhaupt oft Tiere und Pflanzen beobachtet, um etwas über einen Ort zu erfahren.

❓ Wenn Orte und Menschen in Wechselwirkung stehen. Was machen dann Reisen mit uns?

💬 Orte bringen uns zu einer Auseinandersetzung mit uns selbst. Carl Gustav Jung sagte, sie seien der Spiegel unserer Seele. So hat auch der Tourismus angefangen. Junge Adelige etwa reisten früher, um sich zu entfalten und selbst besser kennenzulernen. Die unterschiedlichen Orte sollten sie in Kontakt bringen mit unterschiedlichen Aspekten von sich selbst.

❓ Sie untersuchen seit 2008 Orte im Auftrag von Privatpersonen und Unternehmen. Wie kamen Sie darauf?

💬 Durch die Krankheit meiner Mutter. Sie lebte in einem Haus, in dem ich mich nie wohlgefühlt habe. Ich begann mich mit dem Ort zu beschäftigen – und riet ihr zum Auszug. Doch sie blieb – und starb. Daran ist sicher nicht der Ort allein schuld. Er war aber ein Faktor unter mehreren Faktoren, der Stress und Krankheit förderte.

❓ Raten Sie Menschen auch zum Ortswechsel?

💬 Ich präsentiere die Geschichte des Ortes als statistisches Datenmaterial. Ob die Menschen dann dort bleiben wollen, entscheiden sie selbst. Diese Freiheit sollte auch jeder haben.

❓ Wo würden Sie persönlich niemals wohnen wollen?

💬 Auf ehemaligen Friedhöfen, in der Nähe von Schlachthäusern. Neulich untersuchte ich auch Land, auf dem früher ein Konzentrationslager errichtet war. Dort war ein Bauprojekt geplant. Ich persönlich würde dort nicht wohnen wollen.

Dr. Roberta Rio ist promovierte Historikerin und beschäftigte sich als Erste ihres Faches mit den Wechselwirkungen von Häusern, Städten, Regionen und Menschen. Sie hat sich darauf spezialisiert, auf statistischer Basis wiederkehrende Muster zu erkennen. Ihr Buch "Der Topophilia-Effekt. Wie Orte auf uns wirken" Edition 2020 ist ein Bestseller.
Dr. Roberta Rio ist promovierte Historikerin und beschäftigte sich als Erste ihres Faches mit den Wechselwirkungen von Häusern, Städten, Regionen und Menschen. Sie hat sich darauf spezialisiert, auf statistischer Basis wiederkehrende Muster zu erkennen. Ihr Buch "Der Topophilia-Effekt. Wie Orte auf uns wirken" Edition 2020 ist ein Bestseller.© Lukas Beck
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Tipps der Expertin für die Wohnungssuche

  • Aufs Bauchgefühl vertrauen: Wie fühlst du dich beim Betreten der Wohnung? Kannst du dich entspannen? Die ersten Sekunden sind entscheidend. Hier zeigt sich deine Intuition, die du für gute Entscheidungen nutzen kannst. Alle kennen das: Man hat immer einen ersten Eindruck. Erst danach kommen pragmatische Gedanken wie: Aber die Wohnung ist ja billig, der Balkon ist so schön, der Verkehrsanschluss günstig.

  • Was sagt dir dein Körper?: Fühlen wir uns unwohl, zeigt sich das am Körper. Wir wirken starrer und atmen flacher. Tipp: Nimm einen Freund oder eine Freundin mit bei der ersten Besichtigung. Gib ihm/ihr den Auftrag, nur auf dich zu schauen - und was du ausstrahlst.

  • Sprich mit den Nachbarn: Verschaffe dir einen Eindruck von den anderen Menschen in dem Haus oder in der Umgebung. Wirken sie gesund und glücklich? Leben dort viele Paare und Familien? Das ist ein gutes Zeichen.

  • Nimm einen Hund mit: Die Tiere haben ein feines Gespür für die Kraft von Orten. Achte auf das Verhalten des Hundes: Wenn Hunde sich dort sofort entspannt hinlegen und relaxed sind, ist das ein guter Ort. Wenn sie nervös und unruhig sind, sollte man das auch als Zeichen nehmen. Entspannung ist auch für die Beziehung wichtig.

  • Achte auf Pflanzen im Garten: Einen positiven Einfluss sollen Eichen, Birken und gut blühende Rosen haben. Sind solche Pflanzen verkümmert, ist das eher ein schlechtes Zeichen.

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