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Whataboutism: Wie du auf die Ablenkungs-Taktik reagierst

  • Veröffentlicht: 22.01.2021
  • 13:22 Uhr
  • Galileo

Politiker wie der ehemalige US-Präsident Donald Trump nutzen den rhetorischen Taschenspieler-Trick gern. Aber auch im Alltag begegnet er dir. Was ist Whataboutism genau? Und wie wehrst du dich dagegen? Im Clip: Wie wir kommunizieren.

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Das Wichtigste zum Thema Whataboutism

  • Du kennst es bestimmt: Gerade noch diskutierst du über ein bestimmtes Thema und plötzlich wirft jemand ein Gegen-Thema in den Raum, das eigentlich in keinem Zusammenhang steht. Das Gespräch stockt aufgrund des Vergleichs von Äpfeln mit Birnen.

  • Solch ein Gesprächsverhalten umfasst der Begriff Whataboutism. Es handelt sich um ein Ablenkungsmanöver im Dialog.

  • Beispiele hierfür finden sich nicht nur in Politik-Talkshows, sondern auch in sozialen Medien oder in Alltagsgesprächen.

  • Häufig wollen Whataboutisten nicht diskutieren, sondern bewusst auf anderes Fehlverhalten ablenken. Nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung!

  • Klar ist aber auch: Viele Äußerungen brauchen die **Einordnung in einen *größeren Kontext*. Nicht bei *jeder Rückfrage* zu einem anderen Thema handelt es sich um Whataboutism.

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Was ist mit Whataboutism gemeint?

Der Begriff bezeichnet ein dialogisches Ausweichmanöver. Es zielt darauf ab, durch eine mehr oder weniger zusammenhanglose Gegenfrage "Und was ist mit …?" von einem Streitthema abzulenken.

Fehlen Whataboutisten etwa wichtige Daten oder Hintergrundwissen, umschiffen sie Kritik oder unangenehme Fragen mit einem Verweis auf ein anderes Problem. Die Ablenkungstaktik ändert aber an keinem der Missstände etwas. Sie verhindert eine Debatte.

Das Gegenüber ist überrumpelt: Statt Argumente zum eigentlichen Thema auszutauschen, dreht sich das Gespräch plötzlich um etwas völlig anderes. Whataboutism wirkt wie ein Totschlag-Argument.

Neben der expliziten Gegenfrage gelten auch Gegen-Behauptungen, die von der Diskussion ablenken, als Whataboutism.

"Und was ist mit …?" Beispiele von Whataboutism

In der Öffentlichkeit werfen Kritiker vor allem Politikern Whataboutism vor. In einem Politik-Talk Mitte November 2020 antwortete Friedrich Merz (CDU) etwa auf die Frage nach seiner Meinung zu gendergerechter Sprache, man habe wichtigere Themen wie das zu der Zeit bekanntgemachte asiatische Freihandelsabkommen zu klären.
In der Öffentlichkeit werfen Kritiker vor allem Politikern Whataboutism vor. In einem Politik-Talk Mitte November 2020 antwortete Friedrich Merz (CDU) etwa auf die Frage nach seiner Meinung zu gendergerechter Sprache, man habe wichtigere Themen wie das zu der Zeit bekanntgemachte asiatische Freihandelsabkommen zu klären.© picture alliance/Eventpress
Donald Trump wurde 2019 vorgeworfen, er habe den ukrainischen Präsidenten in einem Telefonat dazu aufgefordert, Ermittlungen gegen den Sohn von Joe Biden einzuleiten. Darauf twitterte der damalige US-Präsident: Es sei eine Hexenjagd, dass er keinen angemessenen Anruf beim ukrainischen Präsidenten tätigen könne, während Hillary Clinton nach einer  Vorladung vom US-Kongress 33.000 Mails gelöscht hätte.
Donald Trump wurde 2019 vorgeworfen, er habe den ukrainischen Präsidenten in einem Telefonat dazu aufgefordert, Ermittlungen gegen den Sohn von Joe Biden einzuleiten. Darauf twitterte der damalige US-Präsident: Es sei eine Hexenjagd, dass er keinen angemessenen Anruf beim ukrainischen Präsidenten tätigen könne, während Hillary Clinton nach einer Vorladung vom US-Kongress 33.000 Mails gelöscht hätte.© picture alliance/Dennis van Tine/Star Max/IPX
Vor allem russischen und früher sowjetischen Politikern werfen Experten Whataboutism vor. So soll Russlands Präsident Wladimir Putin etwa auf den Vorwurf der Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim gefragt haben: "Und was ist mit Guantánamo?"
Vor allem russischen und früher sowjetischen Politikern werfen Experten Whataboutism vor. So soll Russlands Präsident Wladimir Putin etwa auf den Vorwurf der Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim gefragt haben: "Und was ist mit Guantánamo?"© picture alliance/Georg Hochmuth/dpa
Whataboutism kann dir auch ganz alltäglich begegnen. Im Streit mit der Freundin oder dem Freund über deine Sportsachen, die überall in der Wohnung verteilt sind, rutscht dir vielleicht raus: "Und was ist mit der Zahnpasta, die du immer offen liegen lässt?" Offenbar stören euch beide Umstände, sie hängen aber nicht direkt zusammen.
Whataboutism kann dir auch ganz alltäglich begegnen. Im Streit mit der Freundin oder dem Freund über deine Sportsachen, die überall in der Wohnung verteilt sind, rutscht dir vielleicht raus: "Und was ist mit der Zahnpasta, die du immer offen liegen lässt?" Offenbar stören euch beide Umstände, sie hängen aber nicht direkt zusammen.© picture alliance/imageBROKER/janus
In der Öffentlichkeit werfen Kritiker vor allem Politikern Whataboutism vor. In einem Politik-Talk Mitte November 2020 antwortete Friedrich Merz (CDU) etwa auf die Frage nach seiner Meinung zu gendergerechter Sprache, man habe wichtigere Themen wie das zu der Zeit bekanntgemachte asiatische Freihandelsabkommen zu klären.
Donald Trump wurde 2019 vorgeworfen, er habe den ukrainischen Präsidenten in einem Telefonat dazu aufgefordert, Ermittlungen gegen den Sohn von Joe Biden einzuleiten. Darauf twitterte der damalige US-Präsident: Es sei eine Hexenjagd, dass er keinen angemessenen Anruf beim ukrainischen Präsidenten tätigen könne, während Hillary Clinton nach einer  Vorladung vom US-Kongress 33.000 Mails gelöscht hätte.
Vor allem russischen und früher sowjetischen Politikern werfen Experten Whataboutism vor. So soll Russlands Präsident Wladimir Putin etwa auf den Vorwurf der Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim gefragt haben: "Und was ist mit Guantánamo?"
Whataboutism kann dir auch ganz alltäglich begegnen. Im Streit mit der Freundin oder dem Freund über deine Sportsachen, die überall in der Wohnung verteilt sind, rutscht dir vielleicht raus: "Und was ist mit der Zahnpasta, die du immer offen liegen lässt?" Offenbar stören euch beide Umstände, sie hängen aber nicht direkt zusammen.
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Woher stammt der Ausdruck?

Die Bezeichnung setzt sich aus den englischen Wörtern "What about?" (Was ist mit?) und der Endung "-ism" (-ismus) zusammen, die häufig zur Bildung abstrakter Wörter wie "Organismus" oder "Mechanismus" genutzt wird.

In dieser Form geht der Begriff auf Edward Lucas zurück, der ihn Ende der 2000er-Jahre in Artikeln der Londoner Wochenzeitung "The Economist" bekannt machte. In den 1970er-Jahren war bereits der ähnliche Begriff "Whataboutery" gebräuchlich.

Das damit gekennzeichnete Gesprächsverhalten ist also nichts Neues. Aktuelle Forschung sieht vor allem in politischem Whataboutism dennoch eine Gefahr, die gesellschaftliche Spaltung zu verstärken.

Wie du am besten auf Whataboutism reagierst

📊 Ganz wichtig: Verzettele dich nicht in dem Störfeuer, sondern bleib beim eigentlichen Thema. Halte dich dabei an sachliche Fakten und Belege, die deine Argumentation überzeugend unterstützen.

💪 Teils beinhaltet Whataboutism auch persönliche Attacken. Lass dich auf Beleidigungen nicht ein und zeig dich lieber abgeklärt: Steh zu deinen Fehlern und verweise gleichzeitig auf deine Stärken. Niemand ist perfekt!

🧐 Am besten machst du klar, dass du das Spielchen durchschaust. Sag deinem Gegenüber, was sein Gesprächsverhalten ist: ein Ablenkungsversuch.

🤔 Manchmal kannst du den Whataboutisten mit den eigenen Waffen schlagen: Bringe ihn selbst mit Gegenfragen zum Nachdenken: "Inwiefern bezieht sich dein Gesprächsbeitrag auf das aktuelle Thema?"

😜 Sicherlich ist das Ausweich-Thema auch wichtig. In dem Moment geht es aber um etwas anderes. Im besten Fall kannst du den Ablenkungsversuch ummünzen: Steckt in dem anderen Thema ein weiteres Argument, das deinen Standpunkt in der aktuellen Diskussion untermauert?

🛑 Erwischt dich die Irreführung auf dem falschen Fuß, lege eine kurze Gesprächspause ein. Bevor du in die Falle tappst, überlege dir deine nächste Äußerung.

😌 Das kann in hitzigen Diskussionen schwerfallen. Bewahre einen kühlen Kopf und atme lieber tief durch, als unbedacht draufloszureden.

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