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Blutgruppen: Wie werden sie vererbt?

  • Veröffentlicht: 13.06.2021
  • 18:00 Uhr
  • Galileo

Blutgruppen wurden erst Ende des 20. Jahrhunderts entdeckt. Zuvor ähnelte eine Bluttransfusion einem lebensgefährlichen Lotteriespiel. Wie viele Blutgruppen es gibt und wie man sie ermitteln kann, erfährst du hier.

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Blutgruppen: Die wichtigsten Fakten

  • Eine Blutgruppe bezeichnet die Einteilung des Blutes anhand verschiedener Merkmale beziehungsweise Oberflächenstrukturen auf den roten Blutkörperchen.

  • 1901 präsentierte der österreichische Mediziner Karl Landsteiner das ABO-System. Demnach gibt es 4 verschiedene Blutgruppen: A, B, AB und 0. Bei seiner Forschung hatte der Mediziner die 2 unterschiedlichen Antigene A und B auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen entdeckt.

  • Die roten Blutkörperchen der Blutgruppe A besitzen das Antigen A. Im Blut befinden sich Antikörper gegen das Antigen B. Bei Blutgruppe B ist es andersherum. Bei Blutgruppe AB sitzen beide Antigene auf den roten Blutkörperchen und bei Blutgruppe 0 keine.

  • Wird bei einer Bluttransfusion das falsche Blut verabreicht, treffen die passenden Antigene und Antikörper aufeinander und verklumpen das Blut. Das ist lebensgefährlich. Mehr dazu unten.

  • Ein zweites wichtiges Blutgruppensystem ist der Rhesusfaktor. Er wurde 1937 ebenfalls von Landsteiner gemeinsam mit dem US-Hämatologen Alexander S. Wiener entdeckt.

  • Die seltenste Blutgruppe ist Rh-Null. Weniger als 50 Menschen auf der Welt besitzen diese Blutgruppe. Sie wird auch "Goldenes Blut" genannt. Verwechslungsgefahr: Goldenes Blut hat nichts mit den sogenannten "Universalspendern" zu tun. Das sind Personen mit Blutgruppe 0 Rh negativ.

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Blutgruppensystem: Wie unterscheiden sich die Blutgruppen voneinander?

Laut der Internationalen Gesellschaft für Bluttransfusion (ISBT) sind heute etwa 35 verschiedene Blutgruppensysteme bekannt - am bedeutendsten sind das AB0-System und das Rhesussystem.

Wie sich die Blutgruppen A, B, AB und 0 voneinander unterscheiden, siehst du in der folgenden Bildergalerie.

Welche Blutgruppen gibt es? A, B, AB und 0 im Vergleich

Die roten Blutkörperchen der Blutgruppe A tragen das Antigen A auf ihrer Oberfläche. Im Blut schwimmen Antikörper gegen das Antigen B.
Die roten Blutkörperchen der Blutgruppe A tragen das Antigen A auf ihrer Oberfläche. Im Blut schwimmen Antikörper gegen das Antigen B.© Galileo
Bei der Blutgruppe B ist das genau umgekehrt. Hier sitzen auf der Oberfläche deiner roten Blutkörperchen die Antigene B und um sie herum tummeln sich Antikörper gegen das Antigen A.
Bei der Blutgruppe B ist das genau umgekehrt. Hier sitzen auf der Oberfläche deiner roten Blutkörperchen die Antigene B und um sie herum tummeln sich Antikörper gegen das Antigen A.© Galileo
Bei der Blutgruppe AB befinden sich auf den roten Blutkörperchen sowohl die Antigene A und B. Antikörper gibt es hingegen in diesem Blutplasma keine. Würde es nämlich welche geben, würde sich dein Blut selbst bekämpfen und verklumpen.
Bei der Blutgruppe AB befinden sich auf den roten Blutkörperchen sowohl die Antigene A und B. Antikörper gibt es hingegen in diesem Blutplasma keine. Würde es nämlich welche geben, würde sich dein Blut selbst bekämpfen und verklumpen.© Galileo
Die Blutkörperchen der Blutgruppe 0 besitzen keines der beiden Antigene. Dafür schwimmen aber im Blutplasma die Antikörper A und B herum.
Die Blutkörperchen der Blutgruppe 0 besitzen keines der beiden Antigene. Dafür schwimmen aber im Blutplasma die Antikörper A und B herum.© Galileo
Die roten Blutkörperchen der Blutgruppe A tragen das Antigen A auf ihrer Oberfläche. Im Blut schwimmen Antikörper gegen das Antigen B.
Bei der Blutgruppe B ist das genau umgekehrt. Hier sitzen auf der Oberfläche deiner roten Blutkörperchen die Antigene B und um sie herum tummeln sich Antikörper gegen das Antigen A.
Bei der Blutgruppe AB befinden sich auf den roten Blutkörperchen sowohl die Antigene A und B. Antikörper gibt es hingegen in diesem Blutplasma keine. Würde es nämlich welche geben, würde sich dein Blut selbst bekämpfen und verklumpen.
Die Blutkörperchen der Blutgruppe 0 besitzen keines der beiden Antigene. Dafür schwimmen aber im Blutplasma die Antikörper A und B herum.
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Blutgruppen Vererbung

Die Mendelschen Erbregeln legen fest, wie die Blutgruppen des Menschen vererbt werden. Danach hat jeder Mensch 2 Antigen-Varianten (Allele), von denen eine an die nächste Generation weitergegeben wird. Die Blutgruppe des Kindes besteht also aus je einem Allel der Mutter und des Vaters, wobei die Merkmale A und B gegenüber 0 dominant vererbt werden.

Die unten stehende Wahrscheinlichkeitstabelle für die Blutgruppen-Vererbung verschafft dir einen Überblick, welche Kombinationen aus den Blutgruppen deiner Eltern hervorgehen können. Falls du deine Blutgruppe also momentan nicht weißt, könntest du hiermit ermitteln, welche Gruppe du haben könntest.

Blutgruppen:Vater-Mutter-Kind-Tabelle

Die Vererbung der Blutgruppen erfolgt nach der Vererbungslehre von Gregor Mendel. Die Blutgruppen der Eltern bestimmen die des Kindes.
Die Vererbung der Blutgruppen erfolgt nach der Vererbungslehre von Gregor Mendel. Die Blutgruppen der Eltern bestimmen die des Kindes.© Galileo

Wusstest du, dass dein Herz täglich 10.000 Liter Blut durch deinen Körper pumpt? Was dein Herzschlag über dich aussagt, erfährst du hier.

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Vererbung Rhesusfaktor

Auch die Vererbung des Rhesusfaktors erfolgt nach den Mendelschen Gesetzen. Es wird zwischen Rhesus positiv und negativ unterschieden. Bei Rhesus positiven Menschen, ist das Rhesus-Antigen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen vorhanden. Sind sie Rhesus negativ, fehlt es.

Die Gene, die für die Bildung des Rhesus-Antigens verantwortlich sind, heißen D-Gene. Die Gene, die keines bilden können, werden als d-Gene bezeichnet.

Das Rhesus-Merkmal kommt bei jedem Menschen zweifach vor. Allerdings kann nur eines davon an die Nachkommen vererbt werden. Der Grund: Wie beim AB0-System wird auch bei der Vererbung des Rhesusfaktors zwischen dominanten und rezessiven Genen unterschieden: Das D-Gen dominiert gegenüber dem d-Gen.

Beispiele für die Vererbung des Rhesusfaktors

  •  Ist die Mutter Rhesus positiv (DD oder Dd) und der Vater Rhesus negativ (dd), wird das Kind in jedem Fall Rhesus positiv sein (Dd).
  • Bei Rhesus negativen Menschen müssen beide Elternteile negativ sein (dd), da sich das d-Gen andernfalls nicht durchsetzen kann.
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Welche Blutgruppen vertragen sich?

Gehen wir mal davon aus, du hast Blutgruppe A und bekommst Blut der Gruppe B verabreicht, dann gibt es in deinem Blut sozusagen Krieg: Deine Antikörper gegen das Antigen B beginnen die fremden Blutkörperchen zu bekämpfen. Infolgedessen kommt es zu einer Verklumpung deiner Blutkörperchen, was sogar tödlich enden kann.

Gut zu wissen: Vor einer Bluttransfusion werden die Antikörper im Spenderblut herausgefiltert. Bei den Antikörpern im Empfängerblut ist das nicht möglich.

Blutgruppe AB: Die Universalempfänger

Da sich im Blut der Blutgruppe AB keine Antikörper befinden, werden keine anderen Blutgruppen bekämpft. Somit kann jedes Blut dazu gegeben werden, ohne dass es zu einer Verklumpung kommt. Menschen mit der Blutgruppe AB werden deshalb auch Universalempfänger genannt.

Blutgruppe 0: Die Universalspender

Die Blutgruppe 0 trägt keine Antigene auf der Oberfläche ihrer roten Blutkörperchen. Deshalb wird diese Blutgruppe nicht von den Antikörpern anderer Blutgruppen bekämpft. Somit kann diese Blutgruppe allen anderen Blut spenden und trägt den Titel des Universalspenders.

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© Galileo

Rhesusfaktor und Schwangerschaft

Der Rhesusfaktor spielt in der Schwangerschaft eine große Rolle: Bei der Geburt gelangen rote Blutkörperchen des Babys ins Blut der Mutter. Ist diese Rh-negativ und das Kind Rh-positiv, bildet die Mutter Antikörper gegen den Rhesusfaktor.

Wenn nun die Mutter später wieder schwanger wird mit einem ebenfalls Rh-positiven Kind, zerstören die Antikörper der Mutter die roten Blutkörperchen des ungeborenen Kindes.

Um das zu verhindern, spritzt die Ärztin oder der Arzt in solch einem Fall kurz nach der Geburt des ersten Kindes eine Rhesusfaktor-Prophylaxe. Die verhindert, dass die Mutter Antikörper bildet.

Blutige Mythen und kuriose Fakten

🧛 Menschen mit Blutgruppe 0 werden öfter von Mücken gestochen.

🌍 Die häufigste Blutgruppe weltweit ist die Blutgruppe 0+. In Deutschland haben die meisten (36 Prozent) Blutgruppe A+. Seltene Blutgruppen sind hierzulande AB+ mit 4 Prozent, B- mit 2 Prozent und AB- mit 1 Prozent.

💰 Menschen mit goldenem Blut haben die Blutgruppe 0 Rhesus negativ (nach dem Rhesussystem) und gelten als perfekte Spender. Weltweit sind nur rund 40 Menschen mit dieser Blutgruppe bekannt.

🤒 Forscher:innen haben herausgefunden, dass die Blutgruppe 0 ein Vorteil bei Malaria ist. Studien zeigen, dass Kinder mit der Blutgruppe 0 seltener schwere Verläufe haben.

🏥 Blut kann nicht künstlich hergestellt werden. Hat jemand zu viel verloren, braucht er eine Spende.

👶 Nach der Geburt können Eltern das Nabelschnurblut ihres Kindes spenden - und damit das Leben von Blutkrebs-Patient:innen retten. Im Nabelschnurblut befinden sich nämlich viele Blutstammzellen. Mehr über Stammzellen erfährst du hier.

👑 Die Redewendung vom "blauen Blut" stammt aus dem Mittelalter. Aufgrund der noblen Blässe der Adeligen, schimmerten die Adern bläulich durch ihre blasse Haut.

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