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Am häufigsten in Orthopädie und Unfallchirurgie

"100.000 Behandlungsfehler jedes Jahr": Sozialverband warnt vor Ärzteversagen

  • Veröffentlicht: 16.02.2023
  • 13:42 Uhr
  • Lena Glöckner

Falsche OPs, vergessene Materialien im Körper, unzureichende Behandlung - in Deutschland kommt es im Jahr zu etwa 100.000 Behandlungsfehlern. Dabei ist die Dunkelziffer hoch.

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Schwere Behandlungsfehler und Ärzteversagen sind in Deutschland keine Seltenheit. "Etwa 100.000 Menschen sind jedes Jahr betroffen", wird Ursula Engelen-Kefer vom Sozialverband SoVD von "Bild" zitiert. "Patienten werden verwechselt, OP-Mittel im Körper vergessen, das falsche Knie wird operiert." Die Dunkelziffer sei extrem hoch, so die Vize-Präsidentin.

Am häufigsten kommt es dem Medizinischen Dienst nach zu Fehlern in den Bereichen Orthopädie und Unfallchirurgie (30 Prozent). Zwölf Prozent der Behandlungsfehler finden demnach in der Inneren- und Allgemeinmedizin statt, sowie jeweils neun Prozent in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe. In der Jahresstatistik werden nur Behandlungsfehlervorwürfe erfasst, die im Auftrag der Krankenkassen begutachtet wurden. Dem Bericht nach sind das etwa 13.000 bis 15.000 Fälle jährlich.

Personalmangel in der Pflege verschlimmert Situation

Auch der Medizinische Dienst glaubt an eine hohe Dunkelziffer. "Nur ein Bruchteil der tatsächlich auftretenden Behandlungsfehler wird nachverfolgt. Viele Patientinnen oder Patienten erfahren nicht, dass im Rahmen ihrer Behandlung ein Fehler aufgetreten ist oder sie wissen nicht, an wen sie sich mit einem Verdacht wenden sollen", zitiert das Blatt einen Verantwortlichen.

Der Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes (MD), Stefan Gronemeyer, sieht vor allem die 130 "Never Events" mit Sorge, sagte er im vergangenen Jahr. So werden besonders krasse Behandlungsfehler bezeichnet - etwa wenn versehentlich das gesunde Knie operiert oder OP-Besteck im Körper vergessen wurde.

Aufgrund des anhaltenden Personalmangels in der Pflege werden solche Fehler nur immer häufiger, warnt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerates gegenüber der "Bild". "Wir sichern nur die Minimalversorgung. Und selbst diese Untergrenze muss wegen Personalmangel oft unterlaufen werden. Dadurch werden Patienten gefährdet. Zum Beispiel durch Wundliegen, weil niemand sie bettet", so die Pflegerat-Chefin.

Patientenschützer forderten ein bundesweites Zentralregister, in dem schwere Behandlungsfehler gesammelt und analysiert werden. "Auf Basis der Ergebnisse können notwendige Präventionsmaßnahmen abgeleitet und zudem überprüft werden, ob diese in der Praxis wirken", sagte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze. Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz ergänzte: "Nur eine umfassende Statistik zeigt schnell und transparent, wo es schiefläuft und wo Gegenmaßnahmen wirken."

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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