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Im Video

Boris Becker erklärt, weshalb er Deutschland als künftigen Wohnort ausschließt

  • Aktualisiert: 21.12.2022
  • 10:48 Uhr
  • Simon Traub, Lena Glöckner
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Mehr als sieben Monate saß Boris Becker in Großbritannien in Haft. Exklusiv in SAT.1 erzählte er jetzt erstmals, wie es dazu kam, dass er dorthin musste - und was er dort erlebte.

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Ex-Tennis-Star Boris Becker hat gesprochen. Kurz nach seiner Rückkehr nach Deutschland hat sich die deutsche Tennis-Legende exklusiv in SAT.1 erstmals den Fragen gestellt, die aktuell wohl jeden interessieren. Wie war sein Leben im Knast? Wie konnte es dazu kommen, dass er überhaupt ins Gefängnis musste? Was hat er während seines Aufenthaltes gelernt?

Moderator Steven Gätjen sagte Becker, er habe in britischer Haft nach eigenen Worten zwei lebensgefährliche Situationen erlebt. Im Londoner Gefängnis Wandsworth, in dem Becker die ersten Wochen nach seiner Verurteilung verbrachte, habe ihn ein Mithäftling erpressen wollen. Der "wollte aber an meine Kohle", sagte der 55-Jährige in einem am Dienstagabend (20. Dezember) ausgestrahlten Interview. Andere Mitgefangene hätten ihn vor dem Mann beschützt, der wegen mehrfachen Mordes bereits 25 Jahre hinter Gittern gesessen habe.

"Der wollte mich umbringen"

Auch im Gefängnis Huntercombe westlich der britischen Hauptstadt, wo Becker den Großteil seiner rund siebeneinhalb Monate langen Haft verbrachte, habe ihn ein Mitinsasse bedroht. "Da hatte ich mal wirklich eine sogenannte Altercation (Anm. d. Red. heftige Auseinandersetzung) mit einem Häftling, der wollte mich umbringen." Kontrahent sei ein Mann gewesen, der als 18-Jähriger zwei Menschen umgebracht habe. "Der wollte mir an die Wäsche und hat mir auch verbal erklärt, was er mit mir machen will."

Er selbst sei aber so gut vernetzt gewesen, dass ihm zahlreiche andere Gefangene zur Hilfe geeilt seien. "Ich habe so gezittert", schilderte Becker diesen Moment. Am nächsten Tag habe sich dann der Mann vor ihm auf den Boden geworfen und entschuldigt. Becker habe ihn hochgezogen und umarmt, erzählte der einstige Ausnahmesportler unter Tränen.

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Im Video: Behind the Scenes

Boris Beckers "ehrlichstes" Interview: Behind the Scenes

Von einem der größten Sporthelden der Welt bis zum insolventen Gefängnisinsassen. Boris Becker gibt heute Abend nach acht Monaten Haft in England das erste und weltweit einzige Interview in Sat.1.

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In diesem ersten öffentlichen Auftritt seit Haftentlassung bekannte sich Becker zu seiner Schuld. "Natürlich war ich schuldig", sagte er und zeigte sich selbstkritisch. "Vielleicht habe ich nicht genügend Reue gezeigt im Zeugenstand", sagte er. Seine Anwälte hätten alles versucht, sein "Leben zu retten". Er sei beraten worden, was er auszusagen habe und was nicht. "Es hätte besser laufen können - aber es hätte auch viel schlechter laufen können."

Zu seiner Zukunft äußerte sich Becker zurückhaltend. In Deutschland leben wolle er eher nicht, weil seine Privatsphäre dort nicht gesichert sei. Er habe gerne in Miami gelebt. "Ich bin auch ein Fan von Dubai", sagte Becker. "Ich habe Ideen, aber ich bin vorsichtig geworden mit meinen Aussagen für die Zukunft." Becker betonte: "Ich freue mich, ich bin motiviert, ich muss arbeiten."

Immer wieder musste Becker das Gespräch unterbrechen

Während des gesamten Gespräches versuchte Becker sich demonstrativ gefasst zu geben, musste aber immer wieder unter Tränen innehalten. Auch als die Sprache auf seine Partnerin Lilian kam, die am Rande des Studios saß, wurden seine Augen feucht. Der Tag seiner Verurteilung am 29. April sei ihr Geburtstag gewesen. Seine Partnerin habe stets zu ihm gehalten. "Ich hatte nicht einen Moment, wo ich das Gefühl hatte, da bricht jetzt was auseinander oder sie verliert die Geduld oder die Lust oder die Liebe", sagte Becker.

Becker war Ende April von einem Gericht in London zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er Teile seines Vermögens in seinem Insolvenzverfahren nicht ordnungsgemäß angegeben hatte. Er war am Donnerstag - nach 231 Tagen hinter Gittern - freigekommen.

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"Ich habe eine harte Lektion gelernt"

Nach Aufzeichnung sagte Becker gegenüber SAT.1: "Ich glaube, ich habe den Menschen in mir wiederentdeckt, der ich einmal war. Ich habe eine harte Lektion gelernt. Eine sehr teure. Eine sehr schmerzhafte. Aber das Ganze hat mich etwas Wichtiges und Gutes gelehrt. Und manche Dinge passieren aus gutem Grund." 


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