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Nebenwirkungen und Strafverfolgung

Cannabis-Legalisierung in Deutschland: Alle wichtigen Fakten mit Experten-Einschätzung

  • Aktualisiert: 13.04.2023
  • 14:32 Uhr
  • Simon Traub

Cannabis hat sich etabliert, die Nachfrage ist groß. Trotz aller Gefahren, die sie mit sich bringt. Alle Fakten und Einschätzungen von Polizei, Medizinern und Drogenexperten.

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Konsumenten

Sie sind nicht nur mehr, sondern auch jünger geworden auch ohne Legalisierung. 8,8 Prozent der 18- bis 64-Jährigen haben im vergangenen Jahr mindestens einmal gekifft. Das entspricht rund 4,5 Millionen Menschen. Bei den 12-bis 17-Jährigen haben 7,6 Prozent es zumindest schon mal probiert. "Was uns besonders besorgt, ist, dass die Erstschwelle für Jugendliche zum Drogenkonsum sinkt, das besorgt uns, was legalisiert ist, lädt eher ein", sagt Sven Hüber von der Gewerkschaft der Polizei gegenüber ProSieben Newstime.

Nebenwirkungen

Gerade für Heranwachsende ist es gefährlich. Schuld daran: Der Anstieg des THC-Gehalts im Cannabis - mittlerweile liegt er bei 15 Prozent. Dadurch nimmt die Wirkung zu, genauso wie das Risiko von psychischen Erkrankungen. Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie - ProSieben Newstime erklärt sie: "Bei Erwachsenen weniger dramatisch, ein Zeichen einer Intoxikation, bei Kindern und Jugendlichen, die große Mengen einnehmen, kann Schizophrenie auftreten."

Strafverfolgung

Diese richtet sich momentan deutlich häufiger gegen Konsumenten. Angeklagt werden fast nie die großen Fische. Das zeigt die Kriminalstatistik. 81 Prozent, also knapp 175.000 Strafverfahren laufen gegen einfache Konsumenten. Nur in 19 Prozent geht es um Handel sowie Einfuhr und Produktion von Cannabis in großen Mengen. ProSieben Newstime sprach mit Burkhard Blienert, Drogenbeauftragter der Bundesregierung. "Wir kriminalisieren nicht mehr die Konsumierenden. Denn wenn Cannabis konsumiert wird, geht es für die meisten noch mit sehr vielen Sanktionen einher", sagte der Experte.

Der Schwarzmarkt in Europa wird von Cannabis dominiert. Der Wunsch, dass sich das durch den kontrollierten Verkauf ändert, erfüllt sich bei unserem Nachbarn Niederlande nicht. Seit 1970 bieten dort Coffeeshops Gras für den Eigenbedarf an. Doch der Staat kann die hohe Nachfrage legal nicht bedienen, es wird also zusätzlich vom Schwarzmarkt gekauft. Die Folge: Weiterhin organisierte Kriminalität und Drogenmafia.

  • Weitere Infos zu den Expert:innen
  • Sven Hüber, Stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei
  • Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, Medizinische Hochschule Hannover
  • Burkhard Blienert, Drogenbeauftragter der Bundesregierung
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