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Forderungen nach mehr Geld

Geschlossene Praxen wegen Streik - wie viel Hausärzte verdienen

  • Veröffentlicht: 28.12.2023
  • 15:38 Uhr
  • Lena Glöckner
Ärzteverbände haben dazu aufgerufen, Hausarzt- und Facharztpraxen zwischen den Jahren geschlossen zu halten.
Ärzteverbände haben dazu aufgerufen, Hausarzt- und Facharztpraxen zwischen den Jahren geschlossen zu halten. © Peter Kneffel/dpa

Viele Ärzt:innen sind unzufrieden mit dem Bürokratie-Aufwand und der Finanzsituation und lassen vor dem Jahreswechsel ihre Praxen zu. Lauterbach weist Forderungen nach mehr Geld ab. Wie viel verdient eine Hausarztpraxis im Schnitt?

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Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat angesichts von Ärzteprotesten mit geschlossenen Praxen bessere Arbeitsbedingungen in Aussicht gestellt, weist Forderungen nach mehr Geld aber weiter ab. "Die Spielräume für Honorarzuwächse, die sehe ich nicht", sagte der SPD-Politiker im ZDF. Praxen bräuchten weniger Bürokratie, und Geld müsse gerechter verteilt werden. Der Minister hat für Januar ein Treffen zu Verbesserungen, vor allem bei Hausärzt:innen angekündigt. Kritik an Praxisschließungen kam auch aus der Ampel-Koalition und von den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV).

Im Video: Lauterbach - Forderung von Ärzten nach mehr Geld ist nicht begründet

Einnahmen und Ausgaben der Praxen

Ihre Einnahmen erzielen Arztpraxen zu mehr als 70 Prozent aus der Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen. Nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamts für 2021 lagen die durchschnittlichen Einnahmen bei 756.000 Euro. Dem standen Aufwendungen von 420.000 Euro gegenüber. Daraus ergab sich ein durchschnittlicher Reinertrag von 336.000 Euro je Praxis. Beeinflusst werde dieser Wert aber durch Praxen mit sehr hohen Einnahmen und Ausgaben, hieß es. Etwa die Hälfte hatte Einnahmen von bis zu 464.000 Euro und einen Reinertrag von bis zu 233.000 Euro. Die Angaben beziehen sich auch auf Gemeinschaftspraxen und Versorgungszentren mit mehreren Ärzten.

Der Reinertrag sei nicht mit dem Gewinn beziehungsweise dem Einkommen der Ärzte gleichzusetzen, erläuterten die Statistiker. Er stelle das Ergebnis des Geschäftsjahres der gesamten Praxis dar, berücksichtige aber zum Beispiel nicht Aufwendungen für Alters-, Invaliditäts-, Hinterbliebenen- und Krankenversicherung der Praxisinhaber. Kosten für Personal seien in den Aufwendungen enthalten. Nach Angaben des Verbands der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e. V. (Virchowbund) sind auch Einkommenssteuer und Investitionen in medizinische Geräte daraus zu bezahlen. Im Durchschnitt bleibe am Ende weniger als ein Viertel des Gesamthonorarumsatzes übrig.

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Virchowbund-Vorsitzender: "Geht uns nicht um Steigerung von Arzteinkommen"

Ärzteverbände hatten dazu aufgerufen, Praxen bundesweit zwischen den Jahren geschlossen zu halten. Die noch bis diesen Freitag geplante Aktion ist Teil der Kampagne "Praxis in Not". Der Vorsitzende des Virchowbunds Dirk Heinrich, sagte am Donnerstag, Lauterbachs Reaktion zeige, dass die Proteste richtig und wichtig seien und man wohl einen längeren Atem brauche. "Wir haben diesen langen Atem." Es gehe nicht um die Steigerung von Arzteinkommen, sondern um eine ausreichende und nachhaltige Finanzierung der bestehenden ambulanten Strukturen.

Zu den Forderungen gehört, für alle Fachgruppen Schluss mit "Budgets" mit Höchstsummen bei den Honoraren zu machen. Außerdem solle eine aufgehobene Regelung mit Extra-Honorierungen für neue Patient:innen in Praxen wieder eingeführt werden. Beklagt werden auch Überlastung und zu viel Bürokratie, zum Beispiel für Abrechnungen und Abklärungen mit den Krankenkassen. Der Virchowbund konnte zunächst keine Angaben zur Zahl der beteiligten Praxen machen, weil der Streik dezentral organisiert werde. Gerechnet wurde mit mehreren zehntausend geschlossenen Praxen. Sie waren dazu aufgerufen, für Vertretung für Notfälle zu sorgen.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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