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Abschaltung steht kurz bevor

Ringen um AKW-Abschaltung: FDP fordert Rückbau-Verzicht und Reserve

  • Aktualisiert: 12.04.2023
  • 17:29 Uhr
  • Anne Funk
Am 15. April sollen die letzten AKW in Deutschland abgeschaltet werden.
Am 15. April sollen die letzten AKW in Deutschland abgeschaltet werden.© Sina Schuldt/dpa

In wenigen Tagen ist Schluss mit Atomkraft in Deutschland. Ein Fehler, wie die FDP betont - sie fordert, noch nicht mit dem Rückbau zu beginnen. Dabei wird auch nicht mit Kritik an Robert Habeck und den Grünen gespart.

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Auch wenn es nur noch wenige Tage sind, bis die letzten Atomkraftwerke in Deutschland am 15. April vom Netz gehen, reißt der Streit über die beschlossene Maßnahme nicht ab. Kritik kommt auch aus den Reihen der FDP

"Die Abschaltung der weltweit modernsten und sichersten Atomkraftwerke in Deutschland ist ein dramatischer Irrtum, der für uns noch schmerzhafte ökonomische und ökologische Konsequenzen haben wird", sagte FDP-Vize Wolfgang Kubicki den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Im Video: Mehrheit der Deutschen gegen AKW-Abschaltung

Seine Partei wirbt außerdem dafür, die drei Kernkraftwerke - Isar 2 in Bayern, Emsland in Niedersachsen und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg - weiter in Reserve zu halten und nicht umgehend mit dem Rückbau zu beginnen. "Lasst uns doch mindestens nicht sofort mit dem Rückbau beginnen, sondern diese Reserve zumindest erhalten", so Fraktionschef Christian Dürr am Dienstag (11. April) in den ARD-"Tagesthemen".

Man könne sie wieder anwerfen, wenn es zu einer schwierigen Situation komme. "Lasst uns lieber die Option aufrechterhalten, damit wir nicht erneut unter Umständen vor einer Wand stehen, wenn wir dann keine Option mehr zur Verfügung haben", appellierte Dürr. Ex-Umweltminister Jürgen Trittin bezeichnete das als "kompletten Unsinn". Die Rechtslage würde dies nicht ermöglichen, so der Grünen-Politiker.

"Grünen verspielen ihre Glaubwürdigkeit"

Gegenüber dem "Tagesspiegel" hatte Trittin bereits betont, dass Atomkraft keine Zukunft habe. AKW-Strom sei schon heute vier- bis fünffach so teuer wie Strom aus Solar- und Windkraftanlagen. Nicht einmal fünf Prozent der Energie würden weltweit durch Atomkraft produziert. "Atomkraft ist eine Nischentechnologie", so der Umweltminister der Jahre 1998 bis 2005.

Bayerns FDP-Chef Martin Hagen bezeichnete die Abschaltung der Kernkraftwerke als Fehler. "Wir wollen die Möglichkeit einer Wiederinbetriebnahme von Isar 2 offenhalten. Dafür muss vorerst auf einen Rückbau verzichtet werden", sagte er laut einer Mitteilung am Mittwoch. "Zwar gehört die Zukunft den erneuerbaren Energien, aber aktuell sind wir noch auf konventionelle Kraftwerke angewiesen." Richtung der Grünen richtete er den Vorwurf der "irrationalen Blockadehaltung". 

Wer lieber auf "schmutzige Kohle" setze statt auf "saubere Kernkraft", der meine es mit dem Klimaschutz nicht ernst, kritisierte Hagen. "Die Grünen verspielen ihre Glaubwürdigkeit als Klimaschutzpartei." Robert Habeck sei der erste Energieminister seit zehn Jahren, unter dem der CO2-Ausstoß nicht sinke, sondern steige, so Hagen. 

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Weitere Infos:

Was genau passiert bei der Abschaltung eines Kernkraftwerks?

Am 15. April soll nach einigem Hin und Her der Atomausstieg in Deutschland kommen. Die letzten drei aktiven Meiler Neckarwestheim 2, Isar 2 und Emsland gehen dann vom Netz. Aber was passiert bei der Abschaltung eines Meilers?

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  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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