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Russischer Verteidigungsminister telefoniert mit westlichen Amtskollegen

"Schmutzige Bombe": Kiew und Nato-Staaten weisen Kreml-Behauptung zurück

  • Veröffentlicht: 24.10.2022
  • 10:04 Uhr
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© Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Russland droht seit dem Angriff auf die Ukraine immer wieder mit seinen Atomwaffen. Doch nun behauptet Moskau, Kiew selbst plane den Einsatz einer "schmutzigen Bombe". Die Ukraine und mehrere Nato-Staaten weisen die Behauptung als Lüge zurück.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Russland behauptet, die Ukraine plane den Einsatz einer schmutzigen, nuklear versuchten Bombe
  • Kiew und mehrere Nato-Staaten weisen dies als Lüge zurück
  • Experten schließen eine weitere Eskalation durch Putin nicht aus

Die Ukraine und westliche Staaten haben empört auf jüngste russische Behauptungen zum Einsatz eine "schmutzigen Bombe" durch Kiew reagiert. Die russischen Aussagen legten den Verdacht nahe, dass Moskau selber etwas Schmutziges vorhabe, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntag (23. Oktober). 

Selenskyj: Moskau plant selbst etwas "Schmutziges"

"Wenn jemand in unserem Teil Europas Atomwaffen einsetzen kann, dann ist das nur einer - und dieser eine hat dem Genossen Schoigu befohlen, dort anzurufen", sagte Selenskyj mit Blick auf Russlands Staatschef Wladimir Putin. Die Welt müsse klarstellen, dass sie nicht bereit sei, diesen "Schmutz" zu schlucken. Der ukrainische Präsident betonte weiter: "Wohin Russland auch geht, es hinterlässt Massengräber, Folterlager, zerstörte Städte und Dörfer, vermintes Land, zerstörte Infrastruktur und Naturkatastrophen", sagte der Präsident. Die Ukraine versuche dagegen, ihren Menschen wieder ein normales Leben zu ermöglichen. "Wo die Ukraine ist, wird kein Leben zerstört."

Auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba verurteilte die Aussagen aus Moskau. "Die russischen Lügen über angebliche Pläne der Ukraine, eine "schmutzige Bombe" zu nutzen, sind so absurd, wie sie gefährlich sind", schrieb er auf Twitter. Die Ukraine stehe treu zum Atomwaffensperrvertrag. "Die Russen beschuldigen andere oft dessen, was sie selber planen."

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Moskau: Ukraine will nuklear verseuchte Bombe einsetzen

Der russische Verteidigungsministers Sergej Schoigu hatte zuvor mit den Ministern der Nato-Staaten Großbritannien, Frankreich und der Türkei telefoniert. Darin hatte er am Sonntag behauptet, die Ukraine wolle eine mit Atommaterial verseuchte konventionelle Bombe werfen, um dies Russland in die Schuhe zu schieben. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace und US-Außenminister Antony Blinken erklärten dies für unglaubwürdig.

Ungewöhnlich war, dass Schoigu und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin am Sonntag zum zweiten Mal in drei Tagen miteinander telefonierten. Nach Pentagon-Angaben nahmen Austin und Wallace nach den Anrufen Schoigus auch untereinander Kontakt auf. Experten schlossen nicht aus, dass Moskau wegen militärischer Misserfolge selbst den Einsatz eines solchen Sprengsatzes erwägen könnte.

Experten sehen Kreml-Vorgehen mit Besorgnis

Strategische Stabilität brauche ein Minimum an Vertrauen und verlässlicher Kommunikation, schrieb der Abrüstungsexperte Jean-Marie Guéhenno auf Twitter. "Wenn der russische Verteidigungsminister seine Kollegen glatt anlügt, ist das unverantwortlich und gefährlich."

Russland könne das ukrainische Militär nicht stoppen und wende sich deshalb an die Staaten, die Einfluss auf die Ukraine hätten, twitterte der Moskauer Politologe Wladimir Frolow. Angesichts der ukrainischen Erfolge in Cherson und der westlichen Unterstützung für Kiew könnte Moskau versucht sein, "etwas zu tun", so der Experte Alexander Gabuev von der US-Denkfabrik Carnegie. Putin werde eine Niederlage nicht hinnehmen. Die eng getakteten Gespräche zwischen Austin und Schoigu nach fünf Monaten Funkstille erregten Besorgnis.

Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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urn:newsml:dpa.com:20090101:240420-935-75494
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