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Bildungsverbände kritisieren Populismus

Schulen lehnen Söders Genderverbot ab: "Gefahr einer weiteren Spaltung"

  • Aktualisiert: 07.12.2023
  • 14:30 Uhr
  • Lena Glöckner

An Bayerns Schulen soll das Gendern künftig verboten sein. So will es der Ministerpräsident. In der gern zitierten Schulfamilie kommt der Vorstoß von Markus Söder jedoch alles andere als gut an.

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Das angekündigte Gender-Verbot an Bayerns Schulen stößt bei Bildungsverbänden auf viel Kritik und Ablehnung. "Ein hartes Verbot neuer Schreibweisen halte ich (...) nicht für notwendig und zielführend. Es bestünde damit eher die Gefahr einer weiteren Spaltung und Polarisierung in der Schulgemeinschaft", sagte etwa der Vorsitzende des Philologenverbandes (bpv), Michael Schwägerl, am Mittwoch (6. Dezember) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in München. Der Vorsitzende des Realschullehrerverbandes (brlv), Ulrich Babl, erklärte: "An den bayerischen Realschulen ist Gendern kein nennenswertes Thema, eine Genderpflicht lehnen wir jedoch klar ab."

Der bayerische Elternverband betonte, ihn lasse "diese Stichelei gegen die Ampelregierung unbeeindruckt". Söder stelle nur "in populistischer Art die geltende Rechtslage dar, wonach Deutsch die Amtssprache in bayerischen Schulen und Behörden ist".

Im Video: Bayerischer Bürgermeister entscheidet - in dieser Gemeinde ist Gendern verboten

Söder hatte am Dienstag (5. Dezember) in seiner ersten Regierungserklärung der neuen Wahlperiode zur Überraschung vieler erklärt, in Bayern solle das Gendern in Schulen und in der Verwaltung verboten werden. Der Freistaat würde damit den gleichen Weg gehen wie einige andere Bundesländer. So werden etwa an Schulen in Sachsen und Sachsen-Anhalt Sonderzeichen für eine geschlechtsneutrale Sprache abgelehnt.

Söder hat seine Kultusministerin nicht informiert

Selbst Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) war nicht vorher von Söder informiert worden. Entsprechend zurückhaltend äußerte sie sich zu dem Vorstoß des Regierungschefs: "Wir haben an den Schulen bereits einen klaren Leitfaden zur sprachlichen Repräsentanz der Geschlechter. Wir werden jetzt prüfen, ob es Änderungsbedarf gibt. Eines ist mir ganz wichtig: Wir wollen und werden gute und verlässliche Regelungen für alle Beteiligten finden."

Der bpv setze sich dafür ein, dass in bayerischen Schulen sorgfältig mit der deutschen Sprache umgegangen werde, so Schwägerl. "Das bedeutet, dass man offen für neue Formen ist, die zum Beispiel Frauen und Männer gleich behandeln, aber diese nicht vorschnell einführt, bevor sich die Sprechergemeinschaft dahinter stellt und ein klares Regelwerk entstanden ist." Wegen der wachsenden Zahl an Schüler:innen mit Migrationshintergrund sei für den Spracherwerb eine klare Orientierung notwendig. "Wer noch mit den drei grammatischen Geschlechtern und den richtigen Artikeln der deutschen Sprache kämpft, braucht keine zusätzlichen Schwierigkeiten."

Es sollte selbstverständlich sein, Schüler:innen sprachsensibel und gleichberechtigt zu unterrichten, sagte Babl. Ein einfaches Beispiel hierfür sei die Berücksichtigung unterschiedlicher Berufsbezeichnungen wie Feuerwehrmann und Feuerwehrfrau. "Bei der Überwindung tradierter Rollenbilder setzen wir uns jedoch in erster Linie für eine Erweiterung der Entwicklungschancen und beruflichen Perspektiven aller Kinder und Jugendlichen ein."

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"Ein Verbot ohne Sanktionen hat allenfalls symbolischen Charakter"

"Was Deutsch ist, wird vom Rat für deutsche Rechtschreibung definiert", betonte auch Martin Löwe, Landesvorsitzender des Elternverbands. Dieser habe unlängst klargestellt, dass die Aufnahme von Asterisk (Gender-Stern), Unterstrich (Gender-Gap), Doppelpunkt oder anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinnern in das amtliche Regelwerk nicht beabsichtigt sei. "Ministerpräsident Söder verrät uns nicht, welche Sanktionen von ihm bei Zuwiderhandlung intendiert sind. Ein Verbot ohne Sanktionen hat allenfalls symbolischen Charakter."

Rückendeckung erhielt Söder von seinem Parteifreund, CSU-Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek: Es sei gerade in diesen Zeiten wichtig, "auch mal eine klare Kante zu zeigen und die Lebensrealität der Menschen auch abzubilden".

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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