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Psychologie & Liebe

Psychologie: Das versteht man unter Erotomanie – und was Liebeswahn wirklich bedeutet

  • Aktualisiert: 13.09.2023
  • 18:38 Uhr
  • Elisa Ascher
Liebe oder Wahn? Erfahre mehr über Erotomanie und ob du möglicherweise betroffen sein könntest
Liebe oder Wahn? Erfahre mehr über Erotomanie und ob du möglicherweise betroffen sein könntest© picture alliance / Loop Images

Das Wichtigste in Kürze

  • Erotomanie, auch Liebeswahn genannt, ist eine psychische Störung.

  • Betroffene sind davon überzeugt, von jemanden geliebt zu werden und fehlinterpretierten Gesten und Handlungen falsch.

  • In der Regel kann es nur durch professionelle Hilfe zur vollständigen Heilung kommen.

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Bist du wahnhaft in jemanden verliebt? Wir erklären dir, was genau Erotomanie ist und was du gegen die psychische Krankheit tun kannst.

Erotomanie: Was ist ein Liebeswahn?

Warst du schon mal so richtig verliebt? Sodass du fast alles um dich herum vergessen hast und du an gar nichts anderes mehr denken konntest, als an diese eine Person? Das Gefühl von Liebe lässt sich nur schwer in Worte fassen und geht meist über die Schmetterlinge im Bauch hinaus. Gerade deswegen kann sie auch so gefährlich werden. Jeder Mensch trägt seine eigenen Gefühle, Vorstellungen und Interpretationen von Liebe in sich, beeinflusst von vielen unterschiedlichen Faktoren. Doch was passiert, wenn aus Liebe plötzlich Wahn wird und wo ziehen wir da die Grenze? 

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So romantisch die Vorstellung von der echten, intensiven Liebe auch sein mag – es gibt Grenzen. Werden die erstmal überschritten, kann die Zuneigung zur anderen Person gefährlich werden. Das ist zum Beispiel bei Erotomanie der Fall. Erotomanie, umgangssprachlich auch Liebeswahn genannt, ist eine psychische Störung bei der die Betroffenen fest davon überzeugt sind, dass sich jemand in sie verliebt hat. Das ist häufig im Bezug auf eine Person, die unerreichbar ist der Fall, beispielsweise weil sie sie gar nicht persönlich kennen oder die Liebe nicht erwidert wird. 

Mit unzähligen Anrufe, Nachrichten und Briefen oder auch dem persönlichen Erscheinen vor der Haustür versuchen die Betroffenen, ihr Gegenüber "für sich zu gewinnen". Nicht selten führt das sogar zum Stalking. 

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Die Formen von Erotomanie

Es existieren zwei verschiedene Formen der Erotomanie:

  • Reinform oder Monomanie, primäre Erotomanie: Hierbei tritt die psychische Störung in der Regel unabhängig von anderen psychopathologischen Auffälligkeiten auf, meist plötzlich.
  • Sekundäre Erotomanie: Hierbei zeigt sich der Liebeswahn als Teil einer weiteren psychotischen Störung und gilt als schwieriger heilbar.
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Diese Ursachen führen zum Liebeswahn

Die Ursachen, wieso es zu diesem psychischen Wahn kommt, können unterschiedlichen Ursprungs sein. So entsteht die zwanghafte Überzeugung der Betroffenen zum Beispiel durch andere psychische Krankheiten. Aber es gibt noch weitere Auslöser:

  • psychische Krankheiten
  • einschneidende Erlebnisse in der Kindheit
  • eine gestörte Eltern-Kind-Beziehung
  • genetische Faktoren
  • Persönlichkeit
  • weitere Umwelteinflüsse

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Symptome: Daran lässt sich Erotomanie erkennen

Bei Erotomanie sprechen die Betroffenen von einer Liebesbeziehung, die gar nicht existiert. Sie verhalten sich so, als wäre das Ganze real oder als würde es real werden, wenn erstmal bestimmte Hindernisse aus dem Weg geräumt sind. Dieses Phänomen wurde nach dem französischen Gefängnispsychiater und Fotografen Gaëtan Gatian de Clérambault (1872–1934) auch als Clérambault-Syndrom bezeichnet. Er unterschied den Verlauf von Erotomanie in drei Formen:

  1. Die Betroffenen hegen einen großen Optimismus, der die eingebildete Beziehung wahr werden lässt.
  2. Als nächstes tritt der Frust ein, wenn die Geduld fast vollkommen ausgeschöpft ist und in Ungeduld oder Enttäuschung mündet.
  3. Bei der dritten Phase kann es dann zu einem aggressiven und gleichermaßen gefährlichen Verhalten kommen. Mitunter können sogar Gewaltfantasien entwickeln und verwirklicht werden. 

Die Symptome von Erotomanie zeigen sich darin, dass Handlungen und Gesten der vermeintlich geliebten Person fehlinterpretiert und überbewertet werden. Daran lässt sich zudem ganz klar erkennen, worin der Unterschied zwischen Liebe und Wahn liegt. Sollten dir diese Symptome bekannt vorkommen, ist größte Vorsicht geboten:

  • die eigenen Bedürfnisse der Person mit dem Liebeswahn sind nicht mehr zentral
  • es werden zufällige Begegnungen arrangiert
  • es kommt zu ungefragten Besuchen
  • permanenter Kontakt über das Telefon (Nachrichten und Anrufe)
  • es werden Geschenke gemacht
  • Personen im nahestehenden Umfeld werden angelogen
  • es kommt zu Straftaten wie Einbruch, Diebstahl, Stalking und Gewalt
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Lässt sich der Liebeswahn heilen?

Sexuelle Aspekte spielen bei der Erotomanie übrigens häufig eine untergeordnete Rolle. So oder so ist es wichtig, dass sich die Betroffenen schnellstmöglich professionelle Hilfe suchen. Da es sich dabei um eine psychische Störung handelt und der Liebeswahn subjektiv unerschütterlich ist, das heißt, dass diese Menschen weder durch Argumente, noch durch Beweise vom Gegenteil überzeugt werden können, ist eine plötzliche Heilung zum Beispiel durch Selbsttherapie nahezu ausgeschlossen. 

Je früher es zur Diagnose und Behandlung kommt, desto besser und zwar für alle Beteiligten. Sobald jemand durch die vorangegangenen Symptome auffällig wird und der Leidensdruck immer größer wird, ist es unabdingbar, Ärzt:innen oder Therapeut:innen zu konsultieren. Ohne medizinische Unterstützung ist es nicht möglich, die krankhaften Verhaltensmuster zu durchbrechen und langfristig wieder zu einem gesunden mentalen Zustand zurückzufinden. 

Geeignete Therapieformen sind:

  • verhaltenstherapeutische Maßnahmen
  • Psychoanalyse
  • Antipsychotika

Je nach Ausprägung und Schweregrad muss ärztlich abgewogen werden, welches die beste Therapieform ist. Es gibt durchaus Fälle von spontaner Selbstheilung durch einen plötzlichen Wandel sowie einer generellen Verbesserung der Gesundheit. Darauf ist jedoch kein Verlass und das geschieht nur in den seltensten Fällen. Des Weiteren ist das Risiko für einen Rückfall groß, da die Ursachen nicht nachhaltig beseitigt werden. Je länger die Erotomanie besteht und je öfter sie im Laufe des Lebens auftritt, desto wahrscheinlicher ist ein chronischer Krankheitsverlauf. 

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