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Was ist eine offene Beziehung?

Damit eine Partnerschaft als eine offene Beziehung gilt, müssen zwei Kriterien erfüllt sein: Beide Beteiligten sind damit einverstanden, dass das Gegenüber auch mit Menschen außerhalb der Partnerschaft Sex hat. Und beide Partner haben dieses Einverständnis explizit ausgesprochen. Schätzungen zufolge kommt das in rund 1 Prozent der Partnerschaften vor. Von Wissenschaftlern als "pseudo-offen" bezeichnete Verbindungen sind häufiger. Sie kommen in rund 3 Prozent der Fälle vor. Dabei handelt es sich um Beziehungen, in denen ein Teil für sich sexuelle Freiheiten beansprucht, ohne dass das Gegenüber damit einverstanden ist. Bei offenen Beziehungen geht es vor allem um Sex mit einer Person außerhalb der Partnerschaft. Liebe spielt in dieser Hinsicht keine Rolle.

Frau steht am Tresen einer Bar und beobachtet Paar.
Bei offenen Beziehungen geht es den Beteiligten meist nicht um Liebe. Sex, Flirts sowie "das Neue und Unbekannte" machen den Reiz aus. © picture alliance / Zoonar | Channel Partners

Ist Liebe involviert und führt ein Mensch zwei eheähnliche Beziehungen oder Ehen, spricht man von Bigamie, abgeleitet vom griechischen "bi" für "zwei". Sind mehrere Personen involviert, handelt es sich um Polygamie. Die Bezeichnung kommt vom griechischen Wort "poly" für "viele". Sie unterteilt sich in zwei Unterarten. So nennt man einen Mann, der mehrere Ehen oder eheähnliche Beziehungen hat, polygyn. In vielen Kulturkreisen, etwa bei den Mormonen, ist das durchaus üblich. Bei der Polyandrie hingegen führt eine Frau mehrere Ehen oder eheähnliche Partnerschaften.

Bei der Polyamorie laufen mehrere freie Liebesbeziehungen parallel zueinander. Zwar müssen sich nicht alle Beteiligten lieben, allerdings kommt diese Form am häufigsten vor. Dabei begegnen sich alle auf Augenhöhe und führen miteinander eine Liebesbeziehung. Wichtig ist, dass alle Beteiligten wissen, in welcher Art Beziehung sie stecken.

Für wen ist eine offene Beziehung geeignet?

Beziehungsmodelle gibt es viele - wer wen wie liebt, geht im Prinzip nur die Beteiligten etwas an. So unterschiedlich die Beziehungsformen sind, so verschieden sind auch Menschen und ihre Bedürfnisse in einer Partnerschaft. Oder deren Anspruch an selbige. Die "perfekte Beziehungsform" per se gibt es also nicht. Wer jedoch Sehnsucht nach Zweisamkeit und Geborgenheit hat, aber weiß, dass er auf Dauer sexuelle Abenteuer braucht, könnte mit einer offenen Beziehung glücklicher werden als mit einer monogamen. Immer vorausgesetzt, der Partner ist damit einverstanden.

Auch, wenn sich der „Sexdrive“ deutlich voneinander unterscheidet, kann diese Art der Beziehung für beide Seiten eine sinnvolle Lösung darstellen. Immerhin fällt dann einer der häufigsten Trennungsgründe überhaupt – der Seitensprung – als Konfliktpotential weg. Mit Sicherheit keine gute Idee ist eine offene Beziehung für eifersüchtige Menschen. Dann sind Konflikte vorprogrammiert.

Junge Frau schaut mit ernstem Blick auf ihr Handy.
Eifersucht und Misstrauen können in einer offenen Beziehung zum Problem werden. © picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose

Diese 9 Regeln solltest du in einer offenen Beziehung beachten

  1. Ihr müsst sie beide wollen. Nämlich aus ehrlicher Motivation, nicht nur, um das Gegenüber nicht zu verlieren.
  2. Sprecht euer Einverständnis aus; eine stillschweigende Übereinkunft reicht nicht.
  3. Klärt, unter welchen Umständen Sex außerhalb der Beziehung okay ist.
  4. Legt etwaige "no gos" fest. Also zum Beispiel: keine gemeinsamen Freunde, es findet kein Sex mit einer außenstehenden Person in der gemeinsamen Wohnung statt.
  5. Überlegt, ob mehrmalige Kontakte in Ordnung sind oder es bei einmaligem Sex bleiben sollte; auch, um die Gefahr des Fremd-Verliebens zu minimieren.
  6. Vereinbart, wer wie genau über die anderen Sexualkontakte und -partner Bescheid wissen möchte.
  7. Vergesst nicht eure Pärchenzeit. Lege Tage fest, an denen nur ihr beide als Paar existiert und euch Zeit füreinander nehmt.
  8. Sprecht immer wieder über eure Gefühle. Oft ändert sich im Laufe der Zeit das Verhältnis zur offenen Beziehung; dann ist eine Anpassung des Modells notwendig.
  9. Vertraut eurem Gegenüber.

Eifersucht in einer offenen Beziehung

Vertrauen ist ein wesentlicher Part jeder Beziehung. Und dennoch kennt fast jeder Mensch das Gefühl von Eifersucht. Man kann sie nicht einfach so abstellen, weshalb offene Beziehungen nicht frei davon sind. Tritt Eifersucht auf, sollte man sie nicht ignorieren, sondern als Warnsignal verstehen. Hinterfrage, weshalb du eifersüchtig bist. Der Eifersucht liegt die eigene Wahrnehmung zugrunde. Nicht das, was der Partner tut.

Suche die offene Kommunikation mit deinem Gegenüber, aber vermeide Anschuldigungen. Erkläre, was in dir vorgeht. Vielleicht wünschst du dir auch einfach mehr Zeit zu zweit? Was sind deine Ängste? Fühlst du dich vom Partner zu wenig geliebt? Sind es Verlustängste, die das Gefühl verursachen? Findet gemeinsam eine Lösung. Hinterfrage auch, ob eine offene Beziehung für dich tatsächlich das richtige Beziehungsmodell ist.

Was spricht für und gegen eine offene Beziehung?

Befürworter einer offenen Beziehung führen ins Feld, dass es bei dieser Art der Partnerschaft in der Regel ehrlicher zugeht: Es gibt kein Fremdgehen. Heimlichtuereien sind auch seltener. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass sich beide Beteiligten an die zuvor getroffenen Absprachen halten. Ein weiteres Pro-Argument ist, dass dadurch die emotionale Seite einer Liebesbeziehung aufgewertet wird. So bleibt man nämlich mit dem geliebten Partner zusammen, auch wenn sich beispielsweise sexuelle Vorlieben unterscheiden. Offene Beziehungen können aufregend sein; viele Menschen empfinden Lust an der "Jagd" nach einem Sexualpartner. Gleichzeitig haben sie die Geborgenheit der Zweierbeziehung.

Selbstverständlich hat die offene Beziehung Nachteile, über die man ebenfalls nachdenken muss. So ist sie sehr kommunikationsintensiv, sonst funktioniert sie nicht. Die Regeln müssen solange adaptiert werden, bis beide Beteiligten damit glücklich sind. Offene Beziehungen sind nicht frei von Eifersucht; im Gegenteil. Die Liebe ohne Treue ist sogar anfälliger dafür, wie Paarcoaches berichten. Was man nicht vergessen darf: Schon eine monogame Beziehung ist zeitaufwendig.

Junger Mann blickt einer Frau auf einer Brücke ins Gesicht.
Gerade in einer offenen Beziehung sind Ehrlichkeit und Kommunikation wichtig. © picture alliance / Zoonar | Nick Filippov

Psychologie - Offene Beziehung aus psychologischer Sicht

Was sagt die Psychologie zur offenen Beziehung? Aus psychologischer Sicht sind offene Beziehungen ein genauso legitimes Partnerschaftsmodell wie alle anderen Formen des menschlichen Zusammenlebens. Immer vorausgesetzt natürlich, alle Beteiligten sind damit einverstanden und auch zufrieden. Und es handelt sich nicht um eine toxische Beziehung.

Offene Partnerschaften sind weder das neue Erfolgsmodell noch etwas, das von Vornherein zum Scheitern verurteilt ist. "Offenheit" bedeutet vor allem "Offenheit" hinsichtlich der eigenen Gefühlswelt. Und damit haben viele Menschen nach wie vor ein Problem.

Offene Beziehung oder Trennung?

Im Idealfall werden schon am Beginn einer Beziehung die Rahmenbedingungen festgelegt. Schlägt jedoch in einer bestehenden Partnerschaft das Gegenüber plötzlich eine offene Beziehung vor, ist die Zeit gekommen, genau hinzuschauen und zu hinterfragen. Womit ist der Partner in der aktuellen Zweierbeziehung unglücklich? Kann man an diesen Aspekten arbeiten? Was sind die Motive für diesen Vorschlag? Könnte ich damit leben? Ist es echte Liebe, die uns verbindet oder sind wir aus Gewohnheit noch zusammen?

Ist die Beziehung bereits am Ende, wird in der Regel auch die Öffnung nach außen nicht mehr viel ändern und die Partnerschaft auf magische Weise retten. Höre auf jeden Fall auf dein Bauchgefühl. Stimme nichts zu, von dem du weißt, dass es dich unglücklich macht. Dann ist es am besten, künftig getrennte Wege zu gehen. Genauso verhält es sich, wenn du die Person bist, die mit einer monogamen Zweierbeziehung nicht mehr happy ist.