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Das passiert in deinem Körper, wenn du zum Kannibalen wirst

Dass der Verzehr von menschlichem Fleisch nach unserem ethischen Verständnis verwerflich ist, ist klar. Welche schlimmen Folgen der Kannibalismus aber auch auf den Körper des Kannibalen hat und welche bekannten Fälle es gibt, erfährst du im Clip.

23.05.2017 09:34 | 1:28 Min | © Wochit

Kannibalismus in Europa? Das war zumindest in der Vergangenheit mal recht en Vogue. Neandertaler und Steinzeitmenschen vernaschten sich schon mal gegenseitig mit Haut und Haaren – also im wahrsten Sinne des Wortes. In der Antike wie im alten Rom oder auch im Mittelalter versprach man sich von frisch verstorbenen Körperteilen oder Organen medizinische Vorteile. Frisches Gladiatorenblut etwa sollte gegen Epilepsie helfen und im Mittelalter verteilte der Henker schon mal Frischfleisch und warmes Blut an die Bedürftigen unter den Zuschauern. Was übrig blieb, verarbeiteten Apotheker zu teuren Salben. Das ging teils bis ins 19. Jahrhundert, ist also noch nicht so lange her.

Menschenfleisch – der Hunger treibt’s rein

Manchmal wurden Menschen aber auch durch schlichte Hungersnot zu Kannibalen. Anno 1098 vergingen sich christliche Kreuzritter in ihrer Hungersnot an der muslimischen Bevölkerung. Auch Hungersnöte im Mittelalter ließen Menschenfleisch vereinzelt auf dem Speiseplan erscheinen und unter Schiffbrüchigen soll es immer wieder mal zu Kannibalismus gekommen sein, um das eigene Leben zu retten.

Selbst im 20. Jahrhundert gab es mancherorts Extremsituationen, in denen Menschen die ethisch akzeptierte Nahrungskette unterwanderten und Ihresgleichen verspeisten, so etwa bei großen Hungersnöten in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg unter Stalin – und zwar sowohl innerhalb der Bevölkerung als auch unter den Gefangenen in Kriegsgefangenenlagern. 1942 fraßen eingekesselte japanische Soldaten auf Papua-Neuguinea aufgrund des fehlenden Nachschubs australische Soldaten – erst die Gefallenen, später auch die Gefangenen. Aufsehen erregte zudem ein Flugzeugunglück in Chile, wo eine Maschine mit 45 Passagieren in das eisige Schneegestöber in den Anden auf 4.000 Metern Höhe abstürzte. Erst nach vielen Wochen konnten noch 16 Menschen gerettet werden – diese hatten ohne Nahrungsvorräte überlebt, nachdem sie die meisten ihrer toten Mitpassagiere als Nahrungsquelle nutzten.

Derlei Beispiele gäbe es noch viele und reichen bis in die heutige Zeit, wo etwa in Nordkorea in Hungerperioden Menschenfleisch als Schweinefleisch am Schwarzmarkt verkauft werden soll.

Kannibalismus heute: geächtet, aber mitunter noch auf der Speisekarte

Zum Glück gilt Kannibalismus in unseren Kulturkreisen schon lange nicht mehr als gesellschaftsfähig – ganz im Gegenteil. So genannte Menschenfresser zählen zu Recht zu den verabscheuungswürdigen Verbrechern in unseren Breitengraden. Entsprechend werden praktizierende Kannibalen von der Gesellschaft als wahre Monster betrachtet. Dies gilt mitunter für fiktive Menschenfresser wie die böse Hexe aus dem Grimm-Märchen Hänsel und Gretel oder Dr. Hannibal Lecter aus Das Schweigen der Lämmer und dessen Fortsetzungen.

Die Wahrheit ist wie so oft aber viel grausamer als die Fiktion, wie diverse Kriminalfälle belegen. So verspeiste der US-amerikanische Serienmörder Jeffrey Dahmer, der als Kannibale von Milwaukee Bekanntheit erlangte, 17 Opfer. Der ukrainisch-russische Serienkiller Andrei Tschikatilo brachte es sogar auf 53 verzehrte Opfer, darunter überwiegend Frauen und Kinder. Seine Karriere endete 1994 mit seiner Hinrichtung. Über seine Henkersmahlzeit ist jedoch nichts bekannt. Auch hierzulande sorgte Kannibalismus schon für Schlagzeilen. Armin Meiwes etwa, der "Kannibale von Rothenburg", verspeiste 2003 Körperteile seines Opfers vor laufender Kamera. Das Besondere an diesem Fall: der Ermordete war angeblich mit diesem Akt einverstanden…

Kannibalismus kann tödlich sein – für Opfer und den ungewöhnlichen Gourmet

So ganz ungefährlich ist Kannibalismus allerdings nicht – wohlgemerkt für den Täter. Das Opfer hat hierbei ohnehin stets schlechte Karten. Doch so manch Verspeister kann sich umgehend rächen, in dem er giftige Proteine wie die so genannten Prionen in sich trägt. Jene Prionen lösen beim Menschen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aus und sind zudem verantwortlich für BSE (Rinderwahn) beim Rind oder Scrapie (Traberkrankheit) bei Schafen. Eine weitere mögliche Krankheit heißt Kuru, eine Lachkrankheit, die beim Infizierten unnatürliches Lachen auslöst, bis er sich schließlich innerhalb eines Jahres im wahrsten Sinne des Wortes totlacht. Tja, wer zuletzt lacht, ist am Ende dann trotzdem tot. 

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