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Wenn Händewaschen und Duschen zur Tortur wird

Zwangsstörung: Waschzwang

Zwangsstörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und mindestens zwei Prozent aller Menschen leiden im Laufe ihres Lebens unter Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen. 

eingeschäumte Hände unter einem fließenden Wasserhahn
Bei einem Waschzwang steigt die Angst vor Bakterien ins Unermessliche © iStock / Getty Images Plus

Der sogenannte Waschzwang ist dabei eine der extremsten Formen und kann für Betroffene starke gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringen. Wir klären über mögliche Ursachen, Symptome sowie potentielle Behandlungsmöglichkeiten auf.

Reinheit oder Zwang: Wann spricht man von einem Waschzwang?

Dass wir uns an einem durchschnittlichen Tag mehrmals die Hände waschen und morgens oder abends gern auch noch einmal unter die Dusche springen, gehört für die meisten Menschen einfach dazu und wird auch als vollkommen normal empfunden. Tatsächlich fühlen wir uns nach einer Dusche oftmals herrlich erfrischt und rundum wohl. Bei Menschen mit einem Waschzwang verhält sich dies etwas anders: Personen, die unter einem Waschzwang leiden, werden häufig von Ängsten und Ekelgefühlen kontrolliert. Die Betroffenen haben Angst, dass bei jeder Berührung eines anderen Menschen oder eines Objekts Bakterien, Keime oder Schmutz übertragen werden. Die Folge: ein vermehrtes Reinigen von Händen, Gesicht und Körper. Häufig werden hierfür zusätzlich besonders aggressive Hilfsmittel verwendet, um sicherzustellen, dass auch wirklich alle Bakterien oder Keime entfernt werden. Betroffene sind sich in den meisten Fällen bewusst, dass das häufige Waschen übertrieben ist, können sich der Zwangshandlung aber trotzdem nicht entziehen. Das ist es auch, was das Verhalten zu einem Zwang oder einer Zwangsstörung macht.

Mögliche Ursachen: Wie entsteht ein Waschzwang?

Woher der Waschzwang kommt? Da ist man sich nicht so einig. Genetische Faktoren sind genauso im Gespräch wie hirnorganische Ursachen oder auch klassische psychologische Faktoren. Oftmals wird von einem Zusammenspiel dieser drei Bereiche ausgegangen, wobei durchaus eine der drei Komponenten überwiegen kann. So kann es zum Beispiel sein, dass Menschen, die unter einem Waschzwang leiden, in der Kindheit mit sehr umfassenden Reinlichkeitsvorstellungen konfrontiert wurden. Auch ein auslösendes Schlüsselerlebnis, wie etwa eine schlimme durch Bakterien hervorgerufene Krankheit, kann auslösendes Element für einen Waschzwang werden. Gerade, weil die möglichen Ursachen so vielseitig sind, ist die umfassende Anamnese mit anschließender Diagnose durch einen Arzt unumgänglich. Wer unter einer Zwangsstörung wie etwa einem Waschzwang oder auch einem Kontrollzwang leidet, wird den zugehörigen Teufelskreis aus eigener Macht mit großer Wahrscheinlichkeit nicht durchbrechen können.

Denkbare Folgen: Was kann bei einem Waschzwang passieren?

Im ersten Moment fällt ein vermehrtes Händewaschen vielleicht nicht auf und auch ein gesteigertes Reinlichkeitsbedürfnis wird in den meisten Fällen als ganz normal bezeichnet. Wer unter einem Waschzwang leidet, ist jedoch enorm belastet. Je nach Schweregrad können selbst alltägliche Situationen zu einer echten Qual werden, insbesondere wenn keine Möglichkeit besteht sich sofort die Hände oder andere Körperteile zu waschen. Darüber hinaus leidet aber auch die Haut unter dem vermehrten Waschen und Desinfizieren. Sie wird gereizt, beginnt zu jucken, wird spröde und es können sich verschiedene Hautekzeme bilden. Um diese negativen Folgen von vornherein zu unterbinden, ist es entsprechend wichtig, früh genug einen Arzt aufzusuchen.

Krankheitsverlauf und Heilung: Wie wird ein Waschzwang behandelt?

Genauso wie bei einer Angststörung, einer Depression oder einer Alkoholsucht gibt es auch bei einem Waschzwang gute Aussichten auf Heilung. Bei der Behandlungsmethode wird häufig auf eine Kombination aus psychotherapeutischer oder psychologischer Behandlung plus auf die Einnahme von Medikamenten gesetzt. Der genaue Behandlungsverlauf ist allerdings abhängig von dem Schweregrad sowie der individuellen Geschichte des Patienten. Vor allem verhaltenstherapeutische Ansätze, bei denen Patienten neue Reiz-Reaktionsmuster erlernen, haben sich als besonders effektiv erwiesen. Die Chancen auf vollständige Heilung stehen dementsprechend gut.

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