- Bildquelle: ProSieben / Willi Weber © ProSieben / Willi Weber

ProSieben: Marianne, die Designvorlage bekommt ihr von US-Designerin Marina Toybina. Wie geht ihr die Umsetzung an?

Marianne Meinl: Zuerst überlegen Alexandra Brandner und ich, wie die Figur genau aussehen soll. Dabei geht es um technische Komponenten wie Größe, Materialien, Bespielbarkeit und Tragbarkeit von Kostüm und Maske. Aber auch der Charakter der Figur spielt eine große Rolle: Welche Wirkung soll die Figur aufs Publikum haben, wie soll sie sich bewegen, was muss die Maske können? Dann geht es an die Anfertigung, bei der wir sehr erfinderisch sein müssen, viel recherchieren und ausprobieren.

Mit welchen Materialien arbeitet ihr überwiegend?

Unsere Masken erstehen in Handarbeit, was mir sehr wichtig ist, da ich glaube, dass das modellieren von Hand einen sehr lebendigen Ausdruck in die Gesichter formt. Je nach Charakter der Figur wähle ich für den Bau harte oder weiche Materialien. Ich verwende verschiedenste Thermoplasten, Harze, Silikone, Polyurethanschäume, Kautschuk, Stoffe, Glas, Metall … Auch zweckentfremde ich sehr viele Gegenstände aus meiner Umgebung. Schwierig sind nicht die Materialien an sich, sondern dass man sie richtig einsetzt.

Wie ist es, eine Maske zu kreieren und nicht zu wissen, wer sich darunter befindet?

Die große Herausforderung ist, völlig ohne Anprobe und Kommunikation mit dem zukünftigen Träger der Maske arbeiten zu müssen. Normalerweise habe ich die Möglichkeit einen Kopfabdruck zu nehmen und auf Maß arbeiten zu können, was hier nicht gegeben ist. Auch kann ich im Bauprozess nicht auf die Bedürfnisse des Trägers eingehen, da es keine Besprechungen gibt. Das heißt für mich, die Masken müssen so gefertigt werden, dass sie jedem passen.

Wie lange dauert die Umsetzung einer solchen Maske und was nimmt die meiste Zeit beim Maskenbau in Anspruch?

Der Zeitaufwand richtet sich nach der Komplexität der Maske und liegt bei bis zu 300 Arbeitsstunden. Mein Team und ich arbeiten an mehreren Masken parallel, da wir auch Trocknungszeiten beachten müssen. Man darf auch nicht vergessen, dass es beim Maskenbau kein Patentrezept gibt, wir müssen viel ausprobieren und neu erfinden. Bei manchen Masken benötigt dieser Entwicklungsprozess die meiste Zeit, bei einigen die Modellation, bei anderen die Fertigstellung, Bemalung, Schmückung.

Auf was achtest du beim Maskenbau besonders?

Gewicht, Sicht, Sound und Luftzufuhr sind die Komponenten, die man während der Anfertigung nie außer Acht lassen darf. Die schönste Maske verliert ihren Zweck, wenn sie diesen Anforderungen nicht gerecht wird, ein Sänger darin nicht sehen, singen, atmen oder sich bewegen kann. Und speziell bei „The Masked Singer“ achte ich sehr darauf, dass die Person darunter auf gar keinen Fall zu sehen ist.

Wie schaffst du es, die Masken so zu bauen, dass der Sound trotzdem noch gut klingt?

Ich überlege noch vor Baubeginn, wie sitzt die Maske auf dem Kopf des Sängers, wo ist sein Mund, heißt wo müssen die Öffnungen sein, die den Schall nach außen dringen lassen? In diesem Bereich müssen immer Aussparungen sein, durch die der Sound einen möglichst direkten Weg zum Handmikro hat. Dann liegt die Kunst darin, dass diese Aussparungen nicht die Optik der Maske stören und möglichst unauffällig sind. Bei „The Masked Singer“ ist es noch eine weitere Herausforderung, die Öffnungen so zu verkleiden, dass der Promi darunter nicht zu sehen ist, aber die Stimme trotzdem klar durchkommt.

Was ist das aufregendste an der Arbeit als Maskenbauer?

Mir macht es große Freude, mit meiner Kreativität eine neue Figur zu erschaffen. Der Moment, wenn man bei der Anfertigung zum ersten Mal das Wesen, das man vor Augen hat, erkennen kann. Dazu kommen der Stolz und die Zufriedenheit, wenn die Maske endlich fertig ist. Und das Allerbeste: der erste Bühnenauftritt, mit Kostüm, Licht, Musik. Da steht dann ein ganz neues Geschöpf, das anfängt zu leben und einen Charakter zu entwickeln. Da geht mir jedes Mal das Herz auf!

Wie wird man zur Maskenbauerin?

Ich habe Maskenbild an der Bayrischen Theaterakademie August Everding in München studiert und in verschiedenen Theatern als Maskenbildnerin gearbeitet. Der Part, der mir daran am meisten Spaß gemacht hat, war der Bau von Masken, Maskenteilen, Körperteilen und allen außergewöhnlichen Anfertigungen, die gebraucht wurden. So habe ich mich auf Masken- und Puppenbau spezialisiert.

Welche Maske für „The Masked Singer“ war am aufwändigsten?

Auf aufwändigsten war der Roboter. Diese Maske macht es durch ihre klare Form, die ganz nah am menschlichen Körper ist, sehr schwer, einen Kopf darunter zu bekommen. Sie bietet kaum Möglichkeit für Sichtfelder, Atemlöcher, Kieferbewegungen. Zusätzlich ist noch einiges an Elektrotechnik in der Maske verbaut. So musste ich wirklich lange tüfteln, wie ich diese Maske tragbar mache.

Welche ist in diesem Jahr die schwerste Maske und wie schwer ist sie?

Am schwersten hat es unser Drache: Die Maske allein wiegt ca. drei Kilogramm.

Welche ist deine persönliche Lieblingsmaske?

Ich bin großer Hasen-Fan! Er ist einfach so wahnsinnig niedlich. Ich habe das Gefühl, wenn der Hase das Köpfchen hebt, lächelt er mich an und ich bin immer wieder neu verliebt.

Wen würdest du dir unter einer Maske wünschen?

Einen Till Lindemann im Häschen fände ich eine großartige Kombination!

„The Masked Singer“ – Fortsetzung der zweiten Staffel ab Dienstag, 14. April 2020, 20:15 Uhr, LIVE auf ProSieben und auf Joyn.