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US-Konzern in der Kritik

Amazon in Leipzig: Mitarbeiter stirbt - der Betrieb geht weiter

  • Veröffentlicht: 24.11.2022
  • 17:37
  • Simon Traub
Warum der Betrieb nicht gestoppt wurde? Dazu schweigt das Unternehmen.
Warum der Betrieb nicht gestoppt wurde? Dazu schweigt das Unternehmen.AP/dpa

Amazon ist einer der größten Onlinehändler der Welt. Ein Fall aus dem August beim US-Unternehmen in Leipzig sorgt jetzt für Schlagzeilen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • In einem Amazon-Logistikzentrum soll der Betrieb trotz eines Todesfalls nicht unterbrochen worden sein.

  • Pappen wurden laut Aussagen der Beschäftigten als Sichtschutz um die Leiche aufgebaut.

  • Das Unternehmen räumte eigene Fehler ein, widersprach den Aussagen der Angestellten aber.

Nach eigenen Angaben ist Amazon Marktführer des Onlinehandels. Regelmäßig gibt es Berichte über die "miesen Arbeitsbedingungen" beim Milliarden-Konzern. In Leipzig wurde der Betrieb in einem Amazon-Logistikzentrum trotz eines Todesfalls nicht unterbrochen, berichtet die "Leipziger Volkszeitung".

Am 15. August soll dort ein Mitarbeiter gestorben sein. Das Recherchekollektiv "Correctiv Lokal" hat wohl mit mehreren Mitarbeitern vor Ort gesprochen, um die damalige Lage rekonstruieren zu können.

Mitarbeiter: Es geht nicht um Menschen, sondern um Profit

Der Mitarbeiter soll kurz vor Schichtende im Leipziger Logistikzentrum zusammengebrochen sein. Während des mehrstündigen Einsatzes von Rettungskräften und der Polizei sei der Betrieb einfach weitergelaufen, heißt es in dem Bericht. Er starb in der Halle, wie Mitarbeitende des Unternehmens berichteten. Pappen wurden demnach als Sichtschutz um die Leiche des Mannes aufgebaut.

Anonyme Amazon-Angestellte kritisierten das Vorgehen ihres Arbeitgebers. Sie sind der Meinung: Der Schichtbetrieb hätte eingestellt werden müssen. "Da hat man gemerkt, dass es bei der Firma nicht um Menschen geht, sondern nur um den Profit", sagte eine befragte Person.

Amazon rechtfertigt sich

Das Unternehmen räumte eigene Fehler ein, widersprach den Aussagen der Angestellten aber auch – zumindest teilweise. Nach dem Todesfall sei es "leider nicht optimal gelungen", Mitarbeiter aus der Halle zu verlegen. "Das hätten wir im Nachhinein anders gemacht", so der Onlinehändler. Man habe aber "in Windeseile" Sichtbarrieren herbeigeschafft. Zudem habe man einzelne Arbeitsstationen gesperrt und Förderbänder abgestellt.

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Warum der Betrieb nicht komplett unterbrochen wurde? Dazu gab Amazon keine Stellungnahme ab. Man habe den Beschäftigten der betroffenen Schichten aber freigestellt, bezahlt nach Hause zu gehen. Diverse betroffene Mitarbeiter:innen hätten dieses "Angebot" aber nicht erhalten.

Verwendete Quellen:

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