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Schockierende Studie

Ein Viertel der jungen Niederländer hält Holocaust für einen Mythos 

  • Veröffentlicht: 26.01.2023
  • 15:54 Uhr
  • Anne Funk

Eine neue Studie sorgt in den Niederlanden für geschockte Reaktionen: Laut der Umfrage glaubt fast ein Viertel der jungen Erwachsenen nicht daran, dass der Holocaust tatsächlich geschehen ist.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Während des Holocaust wurden sechs Millionen Juden durch das NS-Regime umgebracht.

  • Laut einer Studie glauben 23 Prozent der jungen Niederländer nicht an diese Zahl.

  • In den Niederlanden wurden die Studienergebnisse geschockt aufgenommen.

Anlässlich der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau 1945 wurde der 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Während die Gräueltaten des NS-Regimes auch heute noch unbegreiflich sind, gibt es offenbar Menschen, die den Holocaust für erfunden halten. Das hat eine Studie der Jewish Claims Conference ergeben, die am Mittwoch (25. Januar) veröffentlicht wurde.

Demnach hält ein Viertel der jungen Niederländer den Holocaust für einen Mythos oder für übertrieben - diese Zahl sei höher, als in jedem anderen zuvor untersuchten Land. Das berichte die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Befragt wurden 2.000 Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren. Gegründet wurde die Jewish Claims Conference nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, um Ansprüche jüdischer Überlebender gegen Deutschland durchzusetzen. Heute kümmert sie sich auch um Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen.

Befragte bezweifeln die Zahl der Opfer

Vielen der Befragten war auch das Ausmaß des Holocaust unbekannt. 54 Prozent der Befragten wussten nicht, dass sechs Millionen Juden ermordet wurden. 29 Prozent waren der Meinung, dass zwei Millionen oder weniger Juden den Tod während des Holocaust fanden. 

Die Ergebnisse dieser Studie nahm man in den Niederlanden geschockt auf. "Das ist nicht nur sehr schockierend, es ist auch sehr ernsthaft", schrieb Justizministerin Dilan Yeşilgöz am Mittwoch in einem Tweet. Für die Gesellschaft gebe es viel zu tun. Der Regierungsbeauftragte für die Bekämpfung des Antisemitismus, Eddo Verdoner, beklagte zunehmende Lücken im Wissen über die Geschichte und bezeichnete die Studienergebnisse als entsetzlich. "Wir müssen dagegen steuern in den Schulen, beim Sport und auf den sozialen Medien."

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Politiker warnen vor Gefahren durch Verharmlosung

Abgeordnete zeigten sich alarmiert und warnten vor Gefahren. Die Verharmlosung des Holocausts oder das Schüren von Zweifeln - auch durch Politiker - sei gefährlich, so der Fraktionsvorsitzende der linksliberalen Regierungspartei D66, Jan Paternotte, gegenüber der Nachrichtenagentur ANP.

Rüdiger Mahlo, der Repräsentant der Claims Conference in Deutschland, erklärte, die Niederlande-Studie führe "eindrücklich vor Augen, dass historische Fakten vor allem unter jungen Erwachsenen keine verbindliche Größe mehr sind". Das Wissen über den Holocaust und das Bewusstsein für den Holocaust würden in einer Rasanz erodieren, die aufrüttelt. "Unsere schlimmsten Befürchtungen erweisen sich als begründet."

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