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Alabama

Erstmals umstrittene Stickstoff-Hinrichtung in den USA vollzogen

  • Veröffentlicht: 26.01.2024
  • 08:47 Uhr
  • Nelly Grassinger

Trotz Warnungen von Menschenrechts-Expert:innen ist in Alabama eine neue Exekutions-Methode angewendet worden. Eine Augenzeugin berichtet vom Todeskampf des Verurteilten.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Über Wochen erregte der Fall über die Grenzen der USA hinweg Aufmerksamkeit.

  • Nun ist erstmals ein zum Tode verurteilter Mensch mit einer neuen Stickstoff-Methode hingerichtet worden.

  • Mit diesen letzten Worten verabschiedete sich Kenneth Eugene Smith.

Seine Anwälte zogen bis vor den Supreme Court, um seine Hinrichtung zu stoppen. Vergebens. Der wegen Mordes verurteilte Kenneth Eugene Smith ist am Donnerstagabend (25. Januar) in einem Gefängnis im US-Bundesstaat Alabama mittels sogenannter Stickstoffhypoxie exekutiert worden. Das teilte Alabamas Justizminister Steve Marshall im Anschluss mit. In den USA wurde damit zum ersten Mal ein Mensch auf diese Weise hingerichtet.

USA wenden erstmals Stickstoff für Exekution an

Die Hinrichtungsmethode sei nicht nur in den USA, sondern weltweit erstmals zum Einsatz gekommen, erklärte Marshall. Die Prozedur habe weniger als 30 Minuten gedauert.

Bei der Exekution waren nur wenige Medienvertreter als Beobachter zugelassen, darunter eine Reporterin des regionalen Fernsehsenders WHNT. Ihr zufolge sagte Smith kurz vor seinem Tod: "Heute Abend hat Alabama die Menschheit dazu gebracht, einen Schritt zurück zu machen." Und weiter: "Ich gehe mit Liebe, Frieden und Licht."

Die Reporterin berichtete weiter, mit dem Start der Stickstoffzufuhr habe Smith begonnen, sich zu winden und zu zittern. Mehrere Minuten lang habe er schwer geatmet, bevor schließlich keine Atemzüge mehr zu beobachten gewesen seien. Ein Vertreter der zuständigen Strafvollzugsbehörde sagte, Smith habe zum Teil gezuckt und abnormal geatmet. Aber das sei erwartet worden und entspreche dem Forschungsstand zu Stickstoffhypoxie.

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Weltweiter Zweifel an Todesstrafe durch Stickstoff

Dass die Inhalation von reinem Stickstoff keine schwerwiegenden Leiden verursacht, halten Expert:innen der Vereinten Nationen allerdings für nicht wissenschaftlich bewiesen. Sie hatten gravierende Bedenken angemeldet, ebenso wie verschiedene Menschenrechtsorganisationen. Smiths Anwälte hatten bis zuletzt versucht, die Hinrichtung zu stoppen. Doch weder die zuständigen Gerichte in Alabama noch der Oberste US-Gerichtshof waren ihren Gesuchen gefolgt. Demonstranten hatten in den vergangenen Tagen auch die Gouverneurin von Alabama, Kay Ivey, aufgefordert, noch zu intervenieren - auch das vergeblich.

Im Video: Zahl der Hinrichtungen auf höchstem Stand seit fünf Jahren

Alabamas Justizminister Marshall tat all das als Druckkampagnen von Aktivist:innen ab, die die Todesstrafe ablehnten und ignorierten, dass die neue Methode "human und effektiv" sei. "Alabama hat etwas Historisches erreicht", verkündete er. Trotz der internationalen Bemühungen von Aktivist:innen, das Justizsystem zu untergraben und Opfern abscheulicher Morde die ihnen zustehende Gerechtigkeit zu verweigern, biete Alabamas "bewährte Methode" nun eine Blaupause für andere Staaten.

Smith war an Auftragsmord beteiligt

Die Geschichte des Falls Smith reicht weit zurück: 1988 hatte sich der damals 22-Jährige im Gegenzug für die Zahlung von 1.000 US-Dollar auf einen Auftragsmord eingelassen. Opfer war die Ehefrau des Auftraggebers, der sich eine Woche nach der Tat selbst das Leben nahm. Smith und zwei Mittäter wurden gefasst - einer bekam eine lebenslange Haftstrafe, der andere wurde 2010 mittels Giftspritze hingerichtet.

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Smith hatte im Prozess gegen ihn zwar zugegeben, er sei bei der Tat anwesend gewesen. Er beteuerte aber, sich an der tödlichen Attacke selbst nicht beteiligt zu haben. Nach einem Berufungsverfahren sahen die Geschworenen 1996 eigentlich eine lebenslange Haftstrafe für ihn vor, doch der zuständige Richter setzte sich damals darüber hinweg. Das Gesetz, das dies erlaubte, schaffte Alabama erst 2017 ab - als letzter US-Bundesstaat.

Eigentlich sollte Smith bereits 2022 hingerichtet werden - ebenfalls per Giftspritze. Dem Gefängnispersonal gelang es damals aber nicht, die dafür nötige Kanüle in seinen Arm zu legen. Nach mehreren Stunden, in denen er angeschnallt auf dem Exekutionstisch lag, wurde er wieder in seine Zelle gebracht. Nach jenem ersten Hinrichtungsversuch wurde Smith eine posttraumatische Belastungsstörung attestiert.

  • Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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