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Entführung einer Vierjährigen

Hamburg: Nach Geiselnahme am Flughafen beginnt jetzt der Prozess

  • Veröffentlicht: 29.04.2024
  • 12:06 Uhr
  • Stefan Kendzia
Nach der Geiselnahme eines vierjährigen Mädchens auf dem Flughafen Hamburg beginnt jetzt der Prozess gegen den Vater. (Symbolbild)
Nach der Geiselnahme eines vierjährigen Mädchens auf dem Flughafen Hamburg beginnt jetzt der Prozess gegen den Vater. (Symbolbild)© Adobe

Ein Mann entführt seine kleine Tochter, fährt mit ihr zum Hamburger Flughafen und behält sie dort als Geisel. Der Flugbetrieb liegt für mehr als 20 Stunden lahm. Jetzt beginnt der Prozess.

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Inhalt

Knapp ein halbes Jahr nach der 18-stündigen Geiselnahme am Hamburger Airport beginnt jetzt der Prozess gegen einen 35-jährigen Vater. Laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) muss er sich vor einer Großen Strafkammer am Landgericht Hamburg verantworten. Die Anklage wirft ihm Geiselnahme, die Entziehung Minderjähriger, vorsätzliche Körperverletzung und verschiedene Waffendelikte vor.

Im Video: Erschreckende Zahlen - jeden Tag verschwindet ein Kind ins Ausland

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Erst Entführung, dann Geiselnahme am Flughafen Hamburg

Der Mann soll am Abend des 4. November 2023 seine vierjährige Tochter aus der Wohnung der Mutter im niedersächsischen Stade entführt haben. Dann fuhr er laut Anklage mit dem Kind in einem Auto zum Hamburger Flughafen. Am Airport habe er mit dem Wagen drei Schranken durchbrochen und sei bis auf das Vorfeld gefahren. Von dort habe er über den Polizeinotruf gefordert, dass ihm ein Flugzeug zur Verfügung gestellt werde, das ihn und seine Tochter in die Türkei bringen sollte.

Vater des Kindes trug Sprengstoffgürtel-Attrappe

Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, habe er mit einer halb-automatischen Pistole mehrmals in die Luft geschossen und zwei brennende Molotowcocktails aus dem Fahrzeug geworfen. Zudem soll er die Attrappe eines Sprengstoffgürtels getragen und gedroht haben, bei einem Einschreiten der Polizei den Sprengstoff zu zünden. Mit Blick auf die Gefährdung des Kindes hatte die Polizei von einem Zugriff abgesehen.

Hintergrund der Tat war ein Sorgerechtsstreit mit der Mutter des Kindes. Schon bei der Entführung seiner Tochter aus der Stader Wohnung der Mutter, die das alleinige Sorgerecht für das Kind hat, hatte der Mann nach Polizeiangaben mit der Pistole in die Luft geschossen.

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Flughafen Hamburg und mehrere Flugzeuge waren evakuiert worden

Der Geiselnehmer hatte nach Angaben der Polizei in der Nähe eines abflugbereiten und mit Passagieren besetzten Flugzeugs gehalten. Die Sicherheitskräfte evakuierten diese und alle weiteren Maschinen. Dann brachten sie auch alle Passagiere vom Flughafengelände in Sicherheit.

Erst gut 18 Stunden nach dem Eindringen auf das Vorfeld des Flughafens hatte der 35-Jährige mit seiner Tochter auf dem Arm das Auto verlassen und sich widerstandslos festnehmen lassen. Bei der Festnahme trug er nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine mit einer Patrone durchgeladene und entsicherte Pistole bei sich, ferner 22 Schuss Munition, ein Messer und ein Reizstoffsprühgerät.

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Mehr als 20 Stunden Unterbrechung des Flugbetriebs

Der Flugbetrieb war mehr als 20 Stunden unterbrochen. Weit über Hamburg hinaus kam es zu Beeinträchtigungen im Luftverkehr. Erst drei Stunden nach Ende der Geiselnahme konnte der Betrieb in Hamburg wieder aufgenommen werden. Die Polizei war mit mehr als 900 Beamten im Einsatz. Unterstützung erhielt sie von Kollegen aus Bremen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und von der Bundespolizei.

Die Geschäftsführung des Flughafens kündigte an, dass sie von dem 35-Jährigen 500.000 Euro Schadenersatz fordern werde, sollte er im Strafprozess rechtskräftig verurteilt werden.

Mädchen wurde 2022 schon einmal vom Vater entführt

Bereits im März 2022 war in Stade gegen den Mann wegen des Verdachts der Entziehung Minderjähriger ermittelt worden, er wurde schließlich zu einer Geldstrafe verurteilt. Damals war er laut Polizei unberechtigt mit seiner Tochter in die Türkei gereist. Das Kind konnte jedoch von der Mutter wieder nach Deutschland geholt werden. Für den Prozess am Landgericht Hamburg hat die Strafkammer insgesamt zehn Verhandlungstermine bis zum 20. Juni angesetzt.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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