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Protest der Tierschützer

Paviane in Gefahr: Tiergarten Nürnberg will Tiere töten

  • Veröffentlicht: 09.02.2024
  • 14:25 Uhr
  • Stefan Kendzia

Die Empörung bei Tierschützer:innen und Tierfreund:innen ist groß: Der Tiergarten in Nürnberg will angeblich Paviane töten und an Löwen verfüttern lassen. Artenschutz wird als Begründung angeführt. 

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nürnberger Zoo hat ein Problem mit der Population seiner Paviane.

  • Um die Tierart zu schützen, wird nun die Tötung einzelner Paviane in Betracht gezogen.

  • Der Deutsche Tierschutzbund protestiert gegen dieses Vorhaben und kritisiert das Populationsmanagement des Zoos.

Dass die Tierwelt nicht nur aus kuscheligen Häschen und Hamstern besteht, sollte klar sein. Dass sich ein Zoo dazu entscheidet, seine Paviane an Löwen verfüttern zu wollen, ist eher ungewöhnlich. Der Nürnberger Tiergarten will das jetzt aus Artenschutzgründen einführen.

Tiere töten - zu ihrem eigenen Wohl

Laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) hat der Nürnberger Zoo ein Problem mit der Population seiner Paviane. Nicht zu wenige, sondern zu viele Exemplare von den kleinen Guinea-Pavianen sind im Zoo zu Hause. Genauer gesagt 45 Stück. Dabei können zu viele Exemplare eines Geschlechtes zu einem echten Problem werden. Zum Wohle der Tiere kann es daher sein, einzelne Exemplare zum Wohle der gesamten Art zu töten.

Ausgelegt ist der Nürnberger Zoo auf 25 Paviane - fast die doppelte Menge tummelt sich aber im Gehege. Nach Darstellung von Direktor Dag Encke habe man bereits einiges versucht, um die Überbevölkerung in den Griff zu bekommen: Fünf Exemplare wurden nach Paris abgegeben, elf weitere nach China. 15 Tiere, die ebenfalls nach China sollten, blieben in Nürnberg, weil die Haltungsbedingungen fragwürdig gewesen wären. Zusätzlich wurden mehrere Weibchen vorübergehend sterilisiert, was allerdings nicht mehr reversibel war. Dies brachte Folgen für die Sozialstruktur und auch für die genetische Diversität mit sich.  

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Protest kommt vom Deutschen Tierschutzbund 

"Im Artenschutz befinden wir uns in einem menschengemachten Dilemma, das uns allen Entscheidungen abverlangt, die sich nicht gut anfühlen", sagt Tiergarten-Chef Encke. "Wir sind dennoch in der Verantwortung. Es ist ein Gebot der Vernunft, dass wir sie annehmen." Bei Huftieren wie Schafen, Rindern oder Ziegen, bei Vögeln oder Kängurus wird das Töten zum Populationsmanagement bereits praktiziert.  "Dort, wo wir glauben, dass es einen gesellschaftlichen Konsens gibt". Jetzt will der Tiergarten eine Diskussion anstoßen, um die aus Sicht des Artenschutzes sinnvolle Maßnahme auch bei Primaten gesellschaftlich durchzusetzen.

Eine Grauzone. Denn für das Töten ist laut Tierschutzgesetz ein "vernünftiger Grund" erforderlich. Ob dieser bei den Pavianen vorliegt, ist fragwürdig. Auf jeden Fall hat das eventuelle Vorhaben Nürnbergs den Deutschen Tierschutzbund auf den Plan gerufen: "Einen Freibrief zur Tötung als Teil des Populationsmanagements lehnen wir klar ab", heißt es in einer Stellungnahme. Nürnberg wie auch andere Tiergärten hätten eine Verantwortung gegenüber allen Tieren, die bei ihnen leben. "Wenn das nicht möglich ist, muss auf die Haltung der Tierart verzichtet werden."

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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