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Pädagogischer Auftrag gefährdet

Umfrage: Sind Kitas nur noch "Sammelstellen für Kinder"?

  • Veröffentlicht: 22.03.2023
  • 10:35 Uhr
  • Clarissa Yigit
Laut einer Umfrage unter Kita-Leitungen leidet die Förderung von Kleinkindern unter der Situation.
Laut einer Umfrage unter Kita-Leitungen leidet die Förderung von Kleinkindern unter der Situation. © Foto: Monika Skolimowska/dpa

Ist die Kita nur noch ein Ort, in dem die Kinder "verwahrt" werden? Die aktuelle Situation könnte diese These fast untermauern. Fachkräftemangel und Erzieher:innen, die an ihre Grenzen stoßen, können unter diesen Umständen praktisch keinen qualitativ hochwertigen Erziehungsauftrag mehr ausführen. Darunter leiden allerdings nicht nur die Kinder.

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Das Wichtigste in Kürze

  • In einer Umfrage unter 5.400 Kita-Leiter:innen wurde deutlich, dass die Erzieher:innen an ihre Belastungsgrenzen stoßen.

  • Dies führt zu vermehrtem Krankenstand, Wegfall von pädagogischen Maßnahmen und Mehrarbeit der verbliebenen Kräfte.

  • Oft gehe es nur noch um reine Betreuung, beschreibt Kita-Leiterin Barbara Nolte die prekäre Situation.

Wer ein Kind im Kindergartenalter hat, weiß, dass momentan die Betreuung auf wackligen Füßen steht. Nicht nur Krankheitsfälle sorgen für den Notstand, sondern auch ein akuter Fachkräftemangel, wie eine aktuelle Umfrage unter 5.400 Kita-Leiter:innen, die der "Verband Bildung und Erziehung" (VBE) durchgeführt hat, zeigt.

Der Bildungsauftrag von Kindertagesstätten oder -gärten sei immer stärker gefährdet: "Oft geht es nur noch um reine Betreuung", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Kita-Leiterin Barbara Nolte.

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Ergebnis der Umfrage

Dass sich der Personalmangel in den Einrichtungen in den vergangenen zwölf Monaten verschärft habe, geben in der Umfrage fast 95 Prozent der Kita-Leitungen an. So kämen die vorhandenen Erzieher:innen häufig an ihre Belastungsgrenzen. Zudem erweist es sich als äußerst schwierig, neues passendes Personal zu finden.

In der Regel sollte eine Erzieher:in maximal für drei Kinder unter drei Jahren verantwortlich sein – über drei Jahren für sieben bis acht Kinder. Dies wäre der Optimalfall. In über zwei Dritteln aller Fälle kann dies laut Umfrage allerdings nicht umgesetzt werden. "Den empfohlenen Betreuungsschlüssel können wir schon lange nicht mehr einhalten", erklärt Nolte, Leiterin einer Kita im Kreis Paderborn in Nordrhein-Westfalen (NRW).

Somit können viele Einrichtungen ihren pädagogischen Aufgaben nur noch vereinzelt nachkommen. Rund 88 Prozent der Befragten sagten zudem, dass nicht nur die pädagogische Qualität sinke, sondern manche Angebote komplett wegfielen – beispielsweise Sprachförderung und musikalische Bildung.

Auf Grund der hohen Arbeitsbelastung der verbliebenen Erzieher:innen steige zudem der Krankenstand. Außerdem schadet der Personalmangel der Freude an der Arbeit, wie acht von zehn Kita-Leitungen angaben. "Viele brennen für ihren Job, doch unter diesen Umständen brenne man schnell aus", betont Nolte, die beim VBE NRW Referentin ist.

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"Aktuell befinden wir uns in einer Abwärtsspirale"

Der VBE-Vorsitzende Tomi Neckov kritisiert, dass die Politik ihrer gesetzlichen Verantwortung nicht gerecht werde. Nolte ergänzt: "Aktuell befinden wir uns in einer Abwärtsspirale." So würden zwar immer noch acht von zehn ihren Job gerne ausüben, fühlten sich aber von der Politik nicht genug wertgeschätzt.

Politische Ziele – wie etwa längere Öffnungszeiten – seien auf Grund der Situation kaum zu meistern. Laut Umfrage sind kürzere Öffnungszeiten, Springerkräfte und Mehrarbeit die Regel, um das geforderte Arbeitspensum zu schaffen.

Eine bessere Bezahlung, neue Stellen und mehr individuelle berufliche Perspektiven seien hingegen Maßnahmen, die die Situation verbessern könnten, wie sich viele Befragte einig sind.

  • Verwendete Quellen:
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