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Neues deutschlandweites Warnsystem

Cell Broadcast soll frühzeitig vor Katastrophen warnen

  • Veröffentlicht: 23.02.2023
  • 10:53 Uhr
  • Clarissa Yigit
Seit Donnerstag (23. Februar) ist Cell Broadcast deutschlandweit verfügbar. Doch nicht jeder wird gewarnt.
Seit Donnerstag (23. Februar) ist Cell Broadcast deutschlandweit verfügbar. Doch nicht jeder wird gewarnt.© Foto: Thomas Frey/dpa

Das Warnsystem Cell Broadcast ist seit Donnerstag laut den unterschiedlichen Netzbetreibern überall in Deutschland verfügbar. Es soll vor Katastrophen frühzeitig warnen und somit Leben retten.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Cell Broadcast heißt das Warnsystem, das seit Donnerstag deutschlandweit verfügbar ist.

  • Über das System werden Rundfunksignale an alle kompatiblen Geräte geschickt, die in einer Funkzelle eingebucht sind.

  • Allerdings wird nicht jeder von dem neuen Dienst erreicht.

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Rheinland-Pfalz von 2021 mit mehr als 180 Toten hat gezeigt, dass ein Warnsystem von äußerster Dringlichkeit ist. Seit Donnerstag (23. Februar) steht nun Cell Broadcast bundesweit für die Bürger:innen zur Verfügung. Dies bestätigten die Handynetzbetreiber – unter ihnen Vodafone, Telefónica (O2) und die Deutsche Telekom.

Es sei "ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung des Bevölkerungsschutzes erreicht", teilte auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit.

Bereits Anfang Dezember – beim bundesweiten Warntag – wurde das System erprobt. Die Frist für die Netzbetreiber, das Warnsystem nun zu implementieren und überall in Deutschland zu ermöglichen, war der 23. Februar. Nach eigenen Angaben sei diese Frist eingehalten worden.

Im Video: "Ich warne Istanbul": Wissenschaftler erwartet Mega-Beben in Istanbul

Wie funktioniert Cell Broadcast?

Bei dem System Cell Broadcast werden Nachrichten wie Rundfunksignale an alle kompatiblen Geräte geschickt, die in einer Funkzelle eingebucht sind. Allerdings gilt dies nur für Smartphones, ältere Modelle sind von diesem System ausgenommen. Auch müssen die Handys immer die neuesten Software-Updates haben.

Wenn ein Katastrophenfall, wie beispielsweise ein Großbrand, Erdbeben, extreme Hitze oder Unwetter, bevorsteht, erscheint auf dem Handy mittels Cell Broadcast ein Warntext. Außerdem gibt es einen lauten Ton, der auf das bevorstehende Ereignis hinweisen soll – sogar wenn das Handy auf stumm geschaltet ist. Im Flugmodus allerdings bekommt der User keine Nachricht, da das Handy in dieser Zeit nicht im Netz ist, schreibt die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Auch müssen Nutzer:innen keine App installieren, um Cell Broadcast zu nutzen. Bei den Warnsystemen von Nina oder Katwarn hingegen ist dies der Fall. Cell Broadcast soll als Ergänzung zu anderen Warnkanälen, wie beispielsweise Durchsagen im Radio oder Sirenen an Gebäuden, dienen. Andere EU-Staaten haben dieses System bereits in Betrieb.

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Es gibt auch Nachteile

Wie Vodafone mitteilt, seien drei Viertel der Mobilfunkgeräte in der Lage, Cell Broadcast zu empfangen. Somit werden also rund ein Viertel der Handynutzer:innen im Katastrophenfall nicht benachrichtigt. Ein weiterer Nachteil sei, dass rund vier Prozent der Menschen in Deutschland kein Mobilfunkgerät haben und ebenfalls nicht von Cell Broadcast gewarnt werden können.

Ebenso sei wichtig, dass das System sicher gegen Missbrauch ist. "Sollte das System gehackt werden und eine fremde Macht irreführende Mitteilungen verschicken, könnte das Deutschland in Krisensituationen destabilisieren", mahnt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Maik Außendorf. Allerdings sei derzeit so ein Missbrauch zum Glück nicht abzusehen. Er findet aber auch positive Worte: "Cell Broadcast bringt einen großen Zusatznutzen bei kleinen Kosten."

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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