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Was ist eigentlich green Beauty?

Letztendlich sind Worte wie "clean", "green" und "natürlich" oft irreführend. Klar, sie klingen gut, aber der Begriff auf den wir uns konzentrieren sollten ist "nachhaltig". Um festzustellen, ob Big Player eigentlich grün, also nachhaltig, sein können, müssen wir zunächst klären: Was ist nachhaltige Kosmetik überhaupt?

Clean, green, natürlich – Buzzwords, die einen Trend prägen und auch polarisi...
Clean, green, natürlich – Buzzwords, die einen Trend prägen und auch polarisieren. Was genau steckt eigentlich dahinter und ist green gleich green? Wir haben die Fakten im Beauty-Artikel.  © IMAGO / Westend61

Nachhaltige Beauty zu produzieren und zu verkaufen bedeutet ein ganzheitliches Konzept zu verfolgen. Kurz zusammengefasst könnte man sagen: Nachhaltige Kosmetik schadet weder uns, noch unseren Mitmenschen oder dem Planeten. 

Aber wenn wir von Nachhaltigkeit in der Beauty Industrie sprechen beschränken wir uns häufig nur auf Verpackungen, Konservierungsstoffe, Mikroplastik oder Wasserressourcen. Dies sind wichtige Punkte, die grüne Beauty Unternehmen berücksichtigen sollten, aber das ist noch nicht alles. Nachhaltigkeit bedeutet mehr.

Wonach suchen wir also, wenn wir Green Beauty definieren wollen? Woran kannst du ein nachhaltiges Beautyprodukt und eine nachhaltige Beauty-Marke erkennen?

Ein Big Beauty Player kann cruelty free Beauty herstellen, oder biologische Rohstoffe verwenden, oder auf vegane Formeln setzen, oder palmölfreie Produkte verkaufen, um wirklich nachhaltig zu sein sollte das Unternehmen aber alle diese Punkte erfüllen und noch einige weitere. Ob Big Player, Familienunternehmen, Marktführer oder Startup, kaum eine Brand erfüllt alle Kriterien, die nachhaltige Kosmetik ausmachen. Aber umso mehr der folgenden Punkte sie abchecken, desto besser:

  1. Ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe
  2. Bestmögliche Kohlenstoffkompensation
  3. Biologisch abbaubare oder wiederverwendbare Verpackungen oder wenigstens bereits recycelte und wieder recycelbare Verpackungen
  4. Biologischer Anbau von Rohstoffen
  5. Charity: Beteiligung an wohltätigen Nachhaltigkeitsprojekten oder eigene Wohltätigkeitsorganisationen
  6. Einkauf von Energie aus nachhaltigen Quellen oder von erneuerbarer Energie
  7. Faire Bedingungen für alle Mitarbeiter in allen Schritten der Herstellung
  8. Fairer Handel
  9. Kurze Transportwege zwischen alle Stationen vom Anbau, über die Produktion bis zum Verkauf
  10. Minimierung von Produktionsnebenprodukten 
  11. Non-Toxic oder Cleane Inhaltsstoffe
  12. Palmölfrei
  13. Plastikfrei, vor allem frei von Mikroplastik
  14. Ressourcenschonende Produktion
  15. Ressourcenschonender Anbau
  16. Schnell nachwachsende Rohstoffe
  17. Schonendes Wasser- und Energiemanagement in jedem Schritt der Produktion
  18. Tierversuchsfrei in jedem Schritt der Produktion
  19. Vegane Inhaltsstoffe
  20. Wiederverwendbare, langlebige Endprodukte
Biologische Inhaltsstoffe, biologisch abbaubare oder wiederverwendbare Verpac...
Biologische Inhaltsstoffe, biologisch abbaubare oder wiederverwendbare Verpackungen und vor allem frei von Mikroplastik – wir berichten worauf es bei „green beauty“ wirklich ankommt und vor allem auch, was drin ist.  © GettyImages / Iambada

Keine Marke und kein Produkt sind perfekt. Selbst diejenigen die schon fast alles oder vieles richtig machen, können immer noch einen Schritt weiter gehen. Während wir auch kleine Erfolge feiern und jeden Schritt in eine grüne Zukunft zu schätzen wissen, müssen wir uns trotzdem immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass wir noch nicht genügend für den Erhalt der Natur tun. Wer auf wiederverwendbare Abschminkpads und feste, wasserlose Pflegeprodukte umsteigt, der macht in seinem Badezimmer einen kleinen Unterschied. Kleinvieh macht zwar auch Mist. Aber stell dir vor, wie viel größer und schneller Fortschritt passieren würde, wenn große Beauty Brands nachhaltig agieren und produzieren würden.

Also, wo ist das Problem? Es sollte doch für große, etablierte Unternehmen mit dickem Budget, langjähriger Erfahrung, Forschungsteams und modernen Produktionsstätten recht einfach sein, möglichst viele der genannten Punkte abzudecken. Oder?

Ist es für kleine Brands, Newcomer und Startups einfacher grün zu sein?

Es gibt Marken, die alle oder zumindest die meisten der aufgeführten Kriterien erfüllen. Die meisten sind kleine und junge Brands, bei denen die Gründer:in häufig wesentlich an dem Produktionsprozess beteiligt ist. Warum ist das so?

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges aber junges Thema für Unternehmen. Viele aber nicht alle haben die Wichtigkeit und die Dringlichkeit ihrer Handlungen erkannt. Nach der Erkenntnis scheitern wiederum einige an der Umsetzung nachhaltiger Geschäftspraktiken.

Nachhaltiger zu werden, wenn man es nicht schon von Anfang an war, kann teuer erscheinen. Langfristig gesehen ist es das allerdings nicht. Zunächst müssen Unternehmen in die Umstellung investieren, doch weniger Verschwendung macht sich schließlich bezahlt.

Natürliche Inhaltsstoffe, nach kontrollierten biologischen Qualitätsstandards sind teurer in der Beschaffung als synthetische. Altplastik-Recycling ist teurer als neues Plastik zu produzieren. Händler, Arbeiter, Lieferanten und alle beteiligten Mitarbeiter fair zu bezahlen ist wenig lukrativ. Kein anderes Pflanzenöl ist günstiger als Palmöl. Nun sind Versuchsmethoden, die an Gewebe- oder Zellkulturen statt an lebenden Tieren durchgeführt werden zwar billiger, aber Teile des internationalen Beauty Marktes setzen Tierversuche voraus. Wer nicht möchte, dass die Einnahmen aus Teilen des asiatischen Raums flöten gehen, der setzt weiterhin auf Tierversuchen.

Kurz gesagt: Ein Unternehmen nachhaltig zu führen und möglichst viele der oben genannten Punkte abzudecken scheint ganz schön teuer zu werden. 

Bleibt immer noch die Frage: Warum gehen dann gerade kleine Beauty Brands diesen Weg? Hätten Big Player nicht auch Bigger Budgets?

Jedes Unternehmen setzt seine Prioritäten selbst. Geld oder Umwelt, Profit oder Nachhaltigkeit, das bestimmt jede Beauty Marke selbst. Wenn die Entscheidung gefallen ist, dann muss sich das komplette Unternehmen verpflichten, sein Ethos über den Gewinn zu stellen. Eine Bewegung, die in kleinen Unternehmen weniger Menschen und Partner betrifft, als in großen. Kleine, wendige Unternehmen können sich Nachhaltigkeits-Ziele setzen, Pläne entwerfen und diese sicherlich einfacher umsetzen als große, bei denen sich mehr Menschen und Strukturen ändern müssen.

Natürlich bedeuten größere Produktionsstätten gleich mehr Verbrauch von Energie, Wasser und Rohstoffen. Wo eine große Masse an Produkten produziert wird, muss auch eine große Menge an Rohstoffen eingekauft werden und entsteht eine große Menge an Müll und Nebenprodukten. Wer in großem Stil produziert, der kauft auch so ein, transportiert, verarbeitet und vertreibt in rohen Mengen. Ein großes Unternehmen nachhaltig zu führen erfordert Hingabe, Planung und Geld. In vielen Fällen erfordert es aber auch die Forschung nach neuen Wegen, neue Anbaumethoden von Rohstoffen, neue Verpackungen, neue Inhaltsstoffe, neue Transportwege, neue Produktionsprozesse und neue Connections zu Partnern und Händlern.

Doch der Aufwand wird belohnt. Mit einer grüneren und sicheren Zukunft für kommende Generationen natürlich, aber auch mit Erfolg für die Kosmetikmarken. Eine nachhaltige, ethische Positionierung weckt Vertrauen. Konsumenten binden sich an Marken, die nach ihren Wertvorstellungen produzieren und handeln. Studien konnten bereits belegen, dass Konsumenten heute lieber bei Marken einkaufen, von denen sie glauben, dass sie sich sozial und ökologisch engagieren. Sofern ein Nachhaltigkeitsnachweis gegeben ist, entscheiden sich inzwischen mehr als ein Fünftel der Käufer für ein nachhaltiges Produkt.

Das Gleichgewicht zwischen nachhaltigen Praktiken und wirtschaftlichem Erfolg zu finden, ist die große Herausforderung für jede Marke.

Jetzt die gute Nachricht: Es ist machbar. Es gibt sie, die Good Guys, oder Green Guys unter den Beauty Marken und es lohnt sich sie zu unterstützen. Denn vergiss nicht, du treibst den Wandel durch dein Kaufverhalten und bewussten Konsum an.

Green Beauty: Der Trend, der in aller Munde ist! Doch ist wirklich alles glei...
Green Beauty: Der Trend, der in aller Munde ist! Doch ist wirklich alles gleich clean, green und natürlich, wenn es auf der Verpackung steht? Wir berichten und gehen der Frage nach, ob Big Player wirklich grün sind?!  © IMAGO / Addictive-Stock

Übrigens, auch Beauty Journalismus versucht grüner zu werden

Wir haben bereits zum Einstieg geklärt: Words matter! Green, clean und natürlich sind zum Einen zwar Trend-Begriffe zum Anderen aber auch Worte, die Signale in Richtung einer vielversprechenden Zukunft weisen. Nachhaltigkeit ist ein sehr breit gestreuter Begriff, der sich durch jeden Winkel eines Unternehmens zieht und kaum noch klar greifbar ist. 

Dass Worte im Zusammenhang mit Umweltschutz häufig schwammig, doppeldeutig und unklar sind, wird dann zum Problem, wenn man versucht darüber aufzuklären und zu informieren.

Das große internationale Beauty Magazin Allure gab zum World Earth Day eine Erklärung ab und versprach die folgenden "Green Words" gar nicht mehr nutzen zu wollen, um Missverständnisse zu vermeiden. 

"Important strides are being made, but we need to do much more to understand and address the realities of the beauty waste problem — and a good place to start is with the way we talk about it."

Diese Begriffe werden aus dem Wortschatz der Beauty-Journalisten vom Big Player Allure gestrichen:

Wiederverwertbar oder recycelbar

Nur 9 % aller jemals produzierten Kunststoffabfälle werden tatsächlich in etwas umgewandelt, das wir wiederverwenden können. Auf den Begriff "Recycling" ist somit absolut kein Verlass. Worauf  sowohl Hersteller als auch Medien die Konsumenten hinweisen müssen.

Grün oder Green

Der Begriff Green Beauty ist nicht klar definiert oder geschützt und damit zu schwammig, um über wichtige Nachhaltigkeitsthemen zu sprechen.

Biologisch abbaubar

Die Begrifflichkeit ist zwar definiert, allerdings wird in der Definition nicht erwähnt, wie lange ein Stoff braucht um sich abzubauen. Ein Schlupfloch das viele Marken und Produkte nutzen und das Konsumenten und Leser verwirren könnte.

Kompostierbar

Das Wort soll nur dann angebracht sein, wenn ein Produkt auf einem Hauskomposter innerhalb von 90 Tagen abgebaut werden kann ohne dabei Bodengifte freizusetzen. Denn nur das ist für die meisten Konsumenten tatsächlich umsetzbar. 

Zero-Waste

Eine Mega-Trend-Buzzword, das von Marken viel zu leichtfertig als großes Versprechen gegeben wird. Dabei gibt es kaum ein Produkt das tatsächlich gar keinen Müll erzeugt.

Umweltfreundlich

Ein weiteres Wort das gut klingt und dabei leider viel zu wenig greifbar ist. Welche Kriterien muss Kosmetik, eine Formulierung oder eine Verpackung erfüllen um "freundlich" für unsere Umwelt zu sein? 

Zero Waste, wiederverwendbar oder recycelbar – wir berichten in unserem Beaut...
Zero Waste, wiederverwendbar oder recycelbar – wir berichten in unserem Beauty-Artikel, was sich genau hinter "green beauty" verbirgt und worauf du achten solltest, wenn du umweltbewusst und nachhaltige Kosmetik- und Pflegeprodukte verwenden möchtest.  © GettyImages / IKvyatkovskaya

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