Im Clip: Christian Lindner - Wie schwer wird die Inflation Deutschland treffen?

Die EU macht – ein weiteres Mal – ernst gegenüber Russland: Das inzwischen sechste Sanktionspaket setzt nun russisches Erdöl auf den Index. Innerhalb der nächsten sechs Monate sollen sich die EU-Länder freistrampeln aus ihren öligen Verflechtungen mit Russland. Was bedeutet das für Deutschland? "Zervakis & Opdenhövel. Live." klärt das gleich mal an oberster Stelle – mit Bundesfinanzminister Christian Lindner im Interview mit Matthias Opdenhövel.

"Zervakis & Opdenhövel. Live.": Finanzminister Lindner über Steuerentlastungen

Leider kann der FDP-Politiker keinen Optimismus verbreiten: "Man muss davon ausgehen, dass die Energiepreise nicht sinken, sondern weiterhin steigen", prognostiziert er. Immerhin: Als Entlastung arbeite der Bund daran, dass die Preise an der Zapfsäule wieder sozial verträglicher werden. Und auch vom Brutto solle schon bald mehr Netto übrig bleiben, wenn es nach Lindner geht, "damit die Menschen die Inflation nicht so stark erleiden müssen. Der Staat könne allerdings die allerorts steigenden Preise "wie ein Stoßdämpfer" lediglich abfedern, doch "es bleibt die Realität übrig".

Christian Lindner will weniger Schulden und dafür wirtschaftliches Wachstum

Denn durch die Corona-Pandemie und angesichts der Belastungen durch den Krieg in der Ukraine ist der Staatshaushalt bereits ziemlich strapaziert, die deutsche Schuldenuhr verzeichnet längst ein neues Rekordhoch. Doch für 2023 hat der Bundesfinanzminister bereits hohe Ziele: "Mir ist wichtig, dass wir im nächsten Jahr weniger Schulden machen und wieder zur sogenannten Schuldenbremse des Grundgesetzes zurückkehren. Und dass wir wieder wirtschaftliches Wachstum haben."

Im Clip: ZOL Aktuell: Stehpan Mayer tritt zurück & Weitere Sanktionen gegen Russland

Mehr Unternehmergeist, mehr Leistungsbereitschaft

Damit es wieder aufwärts geht, nimmt Lindner deshalb auch die Bürger:innen in der Pflicht: "Wir werden mehr Unternehmergeist brauchen, mehr Leistungsbereitschaft". Die Wirtschaft brauche wieder mehr "Menschen, die gerne eine Überstunde machen". Kurz gesagt: "Wir müssen uns unseren Wohlstand neu erarbeiten."  

Eine mögliche Rettung für den leck geschlagenen Bundeshaushalt wären natürlich Steuererhöhungen. Doch die schließt FDP-Mann Christian Lindner gegenüber Matthias Opdenhövel kategorisch aus: "Angesichts der steigenden Preise wäre es doch verrückt, auch noch die Steuerlast zu erhöhen." Das gelte auch für die Betriebe, die bereits in der Corona-Pandemie an die Reserven gegangen sind: Auch denen könne man jetzt nicht die Steuern erhöhen, "damit gefährden wir die wirtschaftliche Erholung nach der Krise." Das Gegenteil sei der Fall: Man müsse die Belastungen der Unternehmen reduzieren – bei der Bürokratie wie bei den Steuern.

Lindner bei #ZOL: Klare Worte zur Ukraine-Reise von Friedrich Merz

Der Bund will aus der jüngsten Vergangenheit lernen: So eine einseitige Abhängigkeit wie zu Russland dürfe sich nicht wiederholen, sagt Lindner gegenüber #ZOL und nennt hier auch die aktuellen Verflechtungen mit dem chinesischen Markt. Wichtig sei, künftig Handlungspartner zu stärken, die ein ähnliches Werteverständnis haben wie Deutschland – etwa Kanada, Südkorea, USA, Japan. "Unsere Wertepartner müssen auch stärker Handelspartner werden."

Kurze Randnotiz zum Schluss des #ZOL-Interviews: Dass CDU-Chef Friedrich Merz nun doch noch vor Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) oder anderen Kabinettsmitgliedern in die Ukraine gereist ist, hält Lindner für wenig hilfreich. Denn die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier müsse erst diplomatisch geklärt werden, bevor deutsche Regierungsmitglieder in die Ukraine reisen. Deshalb: "Besuche zum jetzigen Zeitpunkt sind nicht angezeigt."

Nächsten Mittwoch, 11. Mai 2022, spielt Borussia Dortmund gegen die ukrainische Nationalmannschaft. Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel begleiten das Benefizspiel mit einer Spezialausgabe von "Zervakis & Opdenhövel. Live." – auf ProSieben und auf Joyn.