- Bildquelle: ProSieben © ProSieben

Spieglein, Spieglein an der Wand: Schneewittchens böse Stiefmutter vertraute lieber nicht der eigenen Einschätzung, sondern verließ sich stattdessen auf das Urteil eines Möbelstücks. Doch auch in der Realität fällt es den meisten Menschen schwer, halbwegs objektiv in den Spiegel zu blicken.

Die meisten gehen sehr streng mit sich zu Gericht: hier zu viel, dort zu wenig, und überhaupt ist alles sehr, sehr weit entfernt von dem, was landläufig als schön gilt. Vor allem Frauen neigen eher zur Selbstkritik als zum Selbstlob. Aber wie sehr entspricht dieses gnadenlose Selbstbild dem, was andere Menschen wahrnehmen?

Beim großen #ZOL-Schönheitsexperiment trifft Selbstbild auf Fremdbild. Mit dem Spiegel in der Hand beschreiben die drei Probandinnen Caro, Marie und Nadine an sich selbst ein Manko nach dem anderen: die zu schmalen Lippen, die Schlupflider oder die zu knubbelige Nasenspitze. "Ich glaube, ich bin bis zum heutigen Zeitpunkt noch nie glücklich oder zufrieden mit irgendwas gewesen", fasst Caro ihr Selbstbild zusammen.

"Zervakis & Opdenhövel. Live.": Ich sehe was, das du nicht siehst?

Als "defizitorientiert" bezeichnet Psychologin Nesibe Özdemir diese Art der Selbstwahrnehmung: Konstatiert werden stets die vermeintlichen Mängel, nie die Vorzüge.

Doch was ist, wenn die drei Probandinnen über die jeweils anderen beiden Frauen reden? Da sehen sie plötzlich wunderschöne Augen, eine gelassene Ausstrahlung, ein ganz großes Strahlen. Denn während das Selbstbild auf all die Winzigkeiten fokussiert, die man an sich selbst nicht leiden kann, erfasst das Gegenüber stattdessen das große Ganze – ein Kaleidoskop aus all den Einzelheiten und Eigenschaften, die eben die Persönlichkeit eines Menschen ausmachen.

Bodybuilder Fabian Nießl bringt es auf den Punkt: "Nur eine Null hat keine Ecken und Kanten."

Die Konfrontation mit den durchweg positiveren Fremdbildern löst etwas aus in den drei Probandinnen. "Ich versuche, anderen Menschen zu glauben, was sie an mir sehen", formuliert es Caro etwas umständlich. Doch zu 100 Prozent gelinge ihr das nicht, denn leider sähe sie sich selbst eben nicht so. "Ich würde gerne dieses Strahlen in mir sehen", sagt Marie mit Trauer in der Stimme.

Lieber selbstkritisch als selbstverliebt?

Viele Menschen fürchten, bereits ein wohlwollender Blick auf sich selbst würde von anderen als selbstverliebt oder gar eingebildet bewertet werden. Dabei könnte es so gut tun, sich selbst wenigstens ab und an freundschaftlich zu begegnen. "Wie wunderbar wäre es, wenn wir uns alle mehr mit den Augen der anderen sehen würden", fasst es Nadine zusammen. "Dann würden wir uns alle ein bisschen freier und lockerer bewegen."

Psychologin Nesibe Özdemir fordert ihre Patient:innen allerdings gar nicht zur Selbstliebe auf, sondern schlicht dazu, sich selbst gegenüber fair zu sein. Und den Augenmerk auch mal auf die Teile des Körpers zu richten, die man an sich gut findet, anstatt die kleinen Makel mit der Lupe zu betrachten.

Der Selbstwert sei außerdem wie ein Haus, gebaut aus vielen einzelnen Bauteilen. Das Aussehen sei dabei vielleicht ein Pfeiler, aber nicht mehr. Wer diesem Pfeiler aber die ganze Last aufbürdet und gar nicht sieht, was darüber hinaus zum Fundament seines Hauses gehört, riskiert bei der kleinsten (Selbst-)Kritik des Einsturz seines Selbstwert-Hauses.

"Humor ist das, womit ich alles bewältige", rät außerdem Influencerin Evelyn Weigert. Sie selbst ist zweifache Mama und Geburten verändern nun einmal den Körper. Durchwachte Nächte machen auch nicht jünger. Doch wenn sie sich mal wieder im Spiegel an all dem stört, "lache ich einfach". Ein guter Tipp!

Mehr sehen: zur ganzen Sendung vom 6. April 2022

Welche Themen werden Linda und Matthias in der nächsten Folge am 13. April aufgreifen? Das siehst du am kommenden Mittwoch bei "Zervakis & Opdenhövel. Live." um 21:25 Uhr auf ProSieben und auf Joyn.