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Spinnentiere

Weberknechte: Darum sind die kleinen Krabbler so nützlich

  • Veröffentlicht: 26.12.2023
  • 12:00 Uhr
  • Sven Hasselberg
Grazil: Die dünnen und extrem langen Beine sind das Erkennungszeichen des Weberknechts. Das Foto zeigt den Gemeinen Gebirgsweberknecht. Diese Art lebt auch noch in gut 3.000 Metern Höhe, und dank ihrer guten Kälteverträglichkeit auch nördlich des Polarkreises.
Grazil: Die dünnen und extrem langen Beine sind das Erkennungszeichen des Weberknechts. Das Foto zeigt den Gemeinen Gebirgsweberknecht. Diese Art lebt auch noch in gut 3.000 Metern Höhe, und dank ihrer guten Kälteverträglichkeit auch nördlich des Polarkreises. © picture alliance / imageBROKER/ Günter Fischer

Spinne oder Weberknecht? Gar nicht so leicht zu beantworten! Wir sagen dir, was das Besondere an Weberknechten ist, ob sie giftig sind und warum du sie in der Wohnung lassen solltest.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Weltweit gibt es rund 4.000 verschiedene Weberknecht-Arten. Gut 40 sind davon in Deutschland heimisch.

  • Sie gehören zur Klasse der Spinnentiere, sind aber keine Webspinnen. Sie bilden eine eigene Ordnung und unterscheiden sich in Körpermerkmalen von den Webspinnen. Unten erfährst du, was der Unterschied ist.

  • Weberknechte spinnen keine Netze. Sie leben in Gärten, Wäldern und Wiesen, kommen aber auch in Keller, Garagen und Wohnungen vor. Sie sind Nützlinge und keine Schädlinge. Willst Du wissen, warum? Lies weiter.

Der Weberknecht: Steckbrief

Klasse: Spinnentiere (Arachnida)

Wissenschaftlicher Name: Opiliones

Körpergröße: bis zu 2,2 cm

Spannweite der Beine: bis zu 18 cm

Alter: bis zu 1 Jahr

🤎 Farbe: braun, grau, schwarz, rötlich bis orangefarben

🪰 Nahrung: Insekten, Aas, pflanzliche Reste

🐦 Feinde: Vögel, Amphibien, Fledermäuse

Fakten zum Weberknecht
Fakten zum Weberknecht© Galileo
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Was sind Weberknechte und wie unterscheiden sie sich von Spinnen?

🗂 Weberknechte sind eine eigene Ordnung innerhalb der Klasse der Spinnentiere. Sie sind aber keine Webspinnen, weben daher auch keine Netze. Auch Skorpione oder Milben sind eigene Ordnungen der Spinnentiere. Andere Namen für den Weberknecht sind Kanker, Schneider, Geist oder Waldschreit.

🕷Der Weberknecht hat ebenfalls acht Beine. Diese sind sogar ziemlich lang. Oft wird er daher mit der Zitterspinne verwechselt. Aber im Gegensatz zu ihr und anderen Spinnen ist sein Körper nicht zweigeteilt. Ihm fehlt eine Taille. Spinnen haben meist einen Kopf-Brustteil und einen Hinterleib. 

👀 Während Spinnen meist acht Augen haben, besitzen Weberknechte nur zwei Augen. Diese sitzen vorne am Körper auf kleinen Hügelchen. Das erweitert ihr Sichtfeld, garantiert ihnen einen Rundumblick. Insgesamt sehen sie aber eher schlecht.

💕 Im Gegensatz zu Spinnen besitzen Weberknecht-Männchen auch einen Penis, den sie zur Fortpflanzung in die Legeröhre des Weibchens einführen. Die Spermien befruchten die Eier dann dort direkt.

🕸 Weberknechte besitzen keine Spinndrüsen, weben trotz ihres Namens also keine Netze. Sie verstecken sich eher in Gehölz, unter Steinen oder in Ecken, Nischen und Löchern.

Augen auf: Die Nahaufnahme zeigt die beiden Augen des Weberknechts auf ihren deutlichen Erhöhungen. Weberknechte können so zwar rund umsehen, sehen aber generell nicht besonders gut. Deshalb sind sie mitunter auch eher nachts und in der Dämmerung aktiv.  Dann treffen sie auch weniger Feinde.
Augen auf: Die Nahaufnahme zeigt die beiden Augen des Weberknechts auf ihren deutlichen Erhöhungen. Weberknechte können so zwar rund umsehen, sehen aber generell nicht besonders gut. Deshalb sind sie mitunter auch eher nachts und in der Dämmerung aktiv. Dann treffen sie auch weniger Feinde.© picture alliance / blickwinkel/S. Derder

Wie und wo leben Weberknechte?

Weberknechte sind eigentlich Outdoor-Spezialisten. Sie leben in Gärten und Wiesen, kommen auch in Wäldern im unteren Bewuchs vor oder sogar im Gebirge. Einige Arten leben aber auch oft in Wohnungen, Garagen, Schuppen, Kellern und Speichern. Zum Überwintern sammeln sie sich dort dann manchmal in Gruppen.

Die Beine sind das Kapital der Weberknechte. Sie können damit ziemlich schnell laufen. Müssen sie auch. Da sie sich im Vergleich zu einigen Spinnen nicht an Fäden durch die Welt schwingen können. Die große Spannweite der Beine ermöglicht es den Akrobaten, sich praktisch im Spagat von einem Halm zum anderen zu hangeln.

Da die Weberknechte keine Netze weben, müssen sie also anders an ihre Nahrung kommen. Wollen sie lebendige Insekten fangen, stoßen sie aus ihren Kieferwerkzeugen ein klebriges Sekret aus, mit dem sie die Beute am Weglaufen hindern. Das haben Forschende der Christian-Albrechts-Universität in Kiel herausgefunden. 

Der Lebenszyklus eines Weberknechts spielt sich innerhalb eines Jahres ab. Kleine Weberknechte schlüpfen manchmal im Herbst aus ihren Eiern, die im Boden oder in Spalten abgelegt wurden. Andere überwintern dort auch im Ei und schlüpfen erst im Frühjahr. Die Jungtiere sehen noch eher aus wie Milben, besitzen noch keine langen Beine. Dann wachsen sie, werden geschlechtsreif und paaren sich. Das Männchen stirbt nach der Fortpflanzung. Das Weibchen legt ihre bis zu 500 Eier dann in unseren Breiten meist im Spätsommer ab. Es stirbt dann ebenfalls.

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Weberknechte: Drei Überlebenstricks der Spinnentiere

💩 Stinker: Weberknechte haben zwar keine Spinn- und auch keine Giftdrüsen, dafür aber Stinkdrüsen. Bei Gefahr, sondern sie daraus ein Wehrsekret ab. Das riecht so übel, dass es Feinde abstößt undd sie genügend Zeit zum Fliehen haben. Manchmal soll das Stinksekret sogar eine leichte Betäubung bewirken.

🦵 Beine: Hat ein Feind den Weberknecht doch einmal erwischt, hält ihn aber nur am Bein fest, kann der Weberknecht dieses abwerfen. Somit bleibt dem Vogel oder Salamander nur das Bein und der Weberknecht entkommt. Das Bein wächst allerdings nicht mehr nach.

Wippen und Wackeln: Dies ist ein Phänomen, das sowohl der Zitterspinne als auch dem Weberknecht zugeschrieben wird. Die Tiere können mit ihrem Körper zwischen den Beinen hoch und runter wippen. Dieses Wackeln lässt ihre Körperumrisse unschärfer werden. Feinde können also nicht so genau zielen, und der Weberknecht entkommt. Auch wenn Weberknechte sich in Gruppen zum Überwintern sammeln, wurde dieses Verhalten bei Gefahr beobachtet. Die Tiere der Gruppe verschwimmen, die Gruppe wird als etwas anderes wahrgenommen.

Wie bekomme ich Weberknechte aus dem Haus?

Eigentlich sollte man sie im Haus eher in Ruhe lassen und froh sein, dass sie da sind. Denn Weberknechte sind äußerst nützlich. Sie fressen andere Insekten, unter anderem auch Blattläuse. Außerdem essen sie tote Insekten, entsorgen also Aas, und sie essen auch pflanzliche Reste wie verdorbene Früchte. Die Geschichten, sie seien für Menschen auch giftig, stimmen nicht. 

Auf keinen Fall sollte man die Tiere anfassen. Denn ihre langen Beine sind so dünn, dass sie diese oft brechen oder sie aber aus Gefahr, wie oben beschrieben, abwerfen.

Sollte es dich dennoch zu sehr vor den Tieren grausen, wird hier und da das Aufstellen von Lavendelöl-Schälchen oder das Verteilen von Lavendelsäckchen als Hausmittel empfohlen. Offenbar mögen die Tiere den Geruch nicht. 

Wahrscheinlich nützt es eher, die Tiere von vorneherein daran zu hindern, ins Haus zu kommen. Fliegengitter an Fenstern und Balkontüren helfen hier als mechanische Abwehr wie bei Mücken oder Stubenfliegen.

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Häufige Fragen zum Weberknecht

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