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An sieben Flughäfen

Ab Dienstag erneut Streik des Lufthansa-Bodenpersonals: 100.000 Passagiere betroffen

  • Aktualisiert: 19.02.2024
  • 08:56 Uhr
  • Michael Reimers
Verwaiste Abfertigungsschalter im Flughafen Frankfurt
Verwaiste Abfertigungsschalter im Flughafen Frankfurt© Ardavan Safari/dpa

Nur wenige Tage nach dem letzten Ausstand ruft die Gewerkschaft Verdi das Bodenpersonal der Lufthansa erneut zu einem Warnstreik auf. Es wird an einem Sonderflugplan gearbeitet.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Das Bodenpersonal der Lufthansa streikt erneut.

  • Der Ausstand beginnt am Dienstag (20. Februar) um 4 Uhr und dauert bis zum nächsten Tag 7:10 Uhr.

  • Bereits Montagabend beginnt der Ausstand im Cargo- und Technikbereich.

Ab Dienstag (20. Februar) drohen in Deutschland erneut hunderte Flugausfälle. Die Gewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal der Lufthansa an den Standorten Frankfurt/Main, München, Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln-Bonn und Stuttgart zu Warnstreiks aufgerufen. Der bis Mittwochmorgen geplante Warnstreik wird nach Angaben der Lufthansa mehr als 100.000 Fluggäste betreffen. Aktuell erarbeitet der Konzern einen Sonderflugplan, der zeitnah veröffentlicht werden soll, hieß es am Sonntag (18. Februar) von der Lufthansa. An den Flughäfen Frankfurt, München, Berlin und Hamburg sind während des Warnstreiks Kundgebungen geplant, teilte Verdi weiter mit.

Beginn des Ausstands ist nach Angaben von Verdi am Dienstag ab 4 Uhr, Ende am Mittwoch um 7:10 Uhr. Es wird der Gewerkschaft zufolge voraussichtlich zu größeren Flugausfällen und Verzögerungen kommen, da alle Bodenbeschäftigten von der Wartung bis zur Passagier- und Flugzeugabfertigung zum Warnstreik aufgerufen sind. Für die nicht "passagiernahen" Bereiche wie Fracht oder Technik gelten teilweise abweichende Zeiten, so Verdi weiter. Insgesamt dauere der Warnstreik 35 Stunden.

Im Video: Lufthansa-Streik verursacht zahlreiche Flugausfälle

Bereits am Montagabend ab 20 Uhr beginnt der Lufthansa zufolge der Ausstand unter anderem im Cargo- und Technikbereich. Als Verdi Anfang Februar das Bodenpersonal zu einem 27-stündigen Warnstreik aufgerufen hatte, fielen an den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München 900 Flüge aus. Das entsprach etwa 90 Prozent aller Flüge, wovon laut Lufthansa etwa 100.000 Passagiere betroffen waren.

"Krass unsozial": Beschäftigte lehnen neues Tarifangebot ab

Anlass für den erneuten Streik sind die konzernweiten Vergütungstarifverhandlungen für rund
25.000 Beschäftigten am Boden, etwa bei der Deutschen Lufthansa, Lufthansa Technik, Lufthansa Cargo, Lufthansa Technik Logistik Services, Lufthansa Engineering and Operational Services sowie weiteren Konzerngesellschaften. Lufthansa relativiert die Zahlen von Verdi und spricht von rund 20.000 gewerkschaftlich vertretenen Beschäftigen.

Die Lufthansa kritisierte die Ankündigung des neuen Warnstreiks, da inzwischen ein deutlich verbessertes Angebot vorliege und Gesprächstermine vereinbart seien. Das Unternehmen erklärte, es habe ein "deutlich verbessertes Angebot vorgelegt, das sich am von Verdi erzielten Abschluss im öffentlichen Dienst orientiert". Es sehe mindestens rund zehn Prozent Gehaltserhöhung in zwölf Monaten vor sowie eine "zeitnahe Zahlung" von steuerfreien Inflationsausgleichsprämien von 3.000 Euro in Summe. Bereits in den vergangenen 18 Monaten seien die Gehälter für die rund 20.000 Bodenbeschäftigten im Mittel um 11,5 Prozent erhöht worden.

Im Video: Horrorflug von Bangkok nach München - Mann spuckt Blut und stirbt

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Lufthansa soll Einkommensverzicht aus Coronazeit ersetzen

Hingegen teilte Verdi zum Tarifkonflikt beim Bodenpersonal mit, auch in der dritten Verhandlungsrunde sei es zu keiner Einigung gekommen. Das Angebot der Arbeitgeber sei von der großen Mehrheit der Beschäftigten abgelehnt worden. Kritisiert werden demnach die nochmals erweiterten Nullmonate von bislang acht auf nun elf, außerdem die deutlich geringeren Erhöhungen für Bodenbeschäftigte im Vergleich zu anderen Berufsgruppen im Konzern, die Länge der Laufzeit sowie "völlig unbeantwortete Themen". Auch sei der Konzern bislang nicht bereit, den Beschäftigten einen Teil ihres Einkommensverzichts aus der Corona-Pandemie nun in Zeiten von Rekordgewinnen wieder zurückzugeben.

Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky sagte, "die Bodenbeschäftigten fühlen sich einmal mehr vor den Kopf gestoßen". Während der Konzern seinen Piloten mit Jahresgrundeinkommen von bis zu 270.000 Euro hohe zweistellige Vergütungserhöhungen zukommen lasse, sollen die Bodenbeschäftigten mit Einstiegsstundenlöhnen von teils 13 Euro noch nicht einmal die Preissteigerungen der vergangenen Jahre ausgeglichen bekommen. "Das ist krass unsozial." Spätestens nach dem letzten Warnstreik hätte das Management zur Einsicht kommen müssen. Doch Lufthansa sei nicht bereit gewesen, über mehr als ihr einziges Angebot zu verhandeln.  Neben der Verdi-Forderung nach 12,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro monatlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten wird ebenfalls eine zusätzliche Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro gefordert.

:newstime
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Flugausfälle bei Discover noch bis Montagabend

Erst an diesem Montag um Mitternacht (23:59 Uhr) endet der dreitägige Pilotenstreik bei der Lufthansa-Tochter Discover. Der Ausstand der Vereinigung Cockpit (VC) hatte am Wochenende zu Flugausfällen in Frankfurt und München geführt. Für diesen Montag hofft das Unternehmen erneut, zwei Drittel sämtlicher Discover-Flüge anbieten zu können. Bei gestrichenen Flügen wollte der Konzern entweder Jets anderer Konzerngesellschaften einsetzen oder die betroffenen Passagiere umbuchen.

Für Montagvormittag hat die Gewerkschaft VC auch Piloten der Muttergesellschaft Lufthansa zu einem Solidaritätsstreik für die Discover-Kollegen aufgerufen. Bestreikt werden über einen Zeitraum von vier Stunden nur Flugzeuge vom Typ Boeing 787, von dem die Lufthansa bislang erst fünf Exemplare besitzt. In dem geplanten Streikzeitraum sind nach Angaben der Airline vier Abflüge potenziell betroffen. Hier sei man aber zuversichtlich, dass diese Abflüge wie geplant erfolgen. Andere Flugzeugtypen sind nicht betroffen.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Nachrichtenagentur Reuters
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