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Amoktat bei Veranstaltung

Acht Tote nach Schüssen auf Zeugen Jehovas in Hamburg - darunter ein Ungeborenes

  • Aktualisiert: 10.03.2023
  • 17:03 Uhr
  • Lisa Apfel

Hamburg steht unter Schock: Bei einer Veranstaltung der Zeugen Jehovas kamen acht Menschen ums Leben. Unter den Toten ist ein ungeborenes Baby, auch der mutmaßliche Täter selbst sei ums Leben gekommen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • In Hamburg kam es auf einer Veranstaltung der Zeugen Jehovas zu einer Amoktat.

  • Sieben Menschen wurden erschossen, der mutmaßliche Täter richtete sich offenbar selbst.

  • Das frühe Eintreffen der Einsatzkräfte habe verhindert, dass noch mehr Menschen ums Leben kamen, so Hamburgs Innensenator Andy Grote am Mittag bei einer Pressekonferenz.

Viele Details zu den tödlichen Schüssen bei der Gemeinde der Zeugen Jehovas in Hamburg sind noch unklar. Vor allem stellt sich die Frage nach dem Motiv für die Tat. Am Freitagmittag (10. März) fand in Hamburg eine Pressekonferenz zur Amoktat statt, bei der Polizei, Staatsanwaltschaft und der Innensenator Andy Grote weitere Informationen zum Tathergang und dem derzeitigen Stand der Ermittlungen gab.

Grote betonte, dass der schnelle Einsatz der Polizei wohl Menschenleben gerettet habe. "Wir haben es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit dem sehr, sehr schnellen und entschlossenen Eingreifen der Einsatzkräfte der Polizei zu verdanken, dass hier nicht noch mehr Opfer zu beklagen sind", sagte der SPD-Politiker. Er bezeichnete den Vorfall als Amoklauf. "Eine Amoktat dieser Dimension - das kannten wir bislang nicht. Das ist die schlimmste Straftat, das schlimmste Verbrechen in der jüngeren Geschichte unserer Stadt."

Im Video: Hamburgs Innensenator wird emotional 

Nach Amoktat: Ungeborenes Kind unter den Opfern

Hamburgs Innensenator Andy Grote gab neue Informationen zur Schießerei in einem Gebäude der Zeugen Jehovas. Er zeigte sich tief erschüttert über die Tat und dankte den Einsatzkräften. Denn: Das schnelle Eingreifen hat Leben gerettet.

  • Video
  • 01:46 Min
  • Ab 12
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Was wir wissen

Der Tatablauf: Am Donnerstag kurz vor 21.00 Uhr fallen in einem Gebäude der Zeugen Jehovas im Hamburger Stadtteil Alsterdorf mehrere Schüsse. Die Polizei wird darüber gegen 21.04 Uhr durch zahlreiche Anrufe informiert. Einsatzkräfte der Polizei sind schnell am Tatort. Der Amoktäter habe mehr als 100 Mal geschossen, so der Leiter des Hamburger Staatsschutzes, Thomas Radszuweit. "Insgesamt hat er neun Magazine à 15 Schuss verschossen." 

Die Opfer: Im Gebäude werden mehrere Tote und Verletzte mit Schussverletzungen gefunden. Die Polizei teilte am Freitag bei einer Pressekonferenz mit, dass acht Menschen ums Leben gekommen sind. Unter den Opfern sei auch ein ungeborenes Kind. Acht weitere Personen wurden verletzt, vier davon schwer. 

Der Täter: Die Polizei ging bereits in der Nacht zum Freitag von einem Einzeltäter aus. Der 35 Jahre alte deutsche Todesschütze Philipp F. sei früher ebenfalls Mitglied der Gemeinde gewesen, wie Polizei, Staatsanwaltschaft und Innenbehörde mitteilten. Er habe die Gemeinde freiwillig verlassen, offenbar aber nicht im Guten. Er sei Sportschütze gewesen und habe seit Dezember 2022 eine Waffenbesitzkarte. Erst kürzlich sei Philipp F. von der Waffenbehörde aufgesucht worden, nachdem sie im Januar einen Hinweis auf eine mögliche psychische Erkrankung erhalten hatte.

Das Motiv: Die Hamburger Polizei stuft die Schüsse während einer Veranstaltung der Zeugen Jehovas laut Informationen aus Sicherheitskreisen als Amoktat ein. Angaben zum Motiv des Täters konnten bisher noch nicht gemacht werden. Die Ermittler schlossen aber mögliche Konflikte innerhalb der Glaubensgemeinde nicht aus. Es gebe Hinweise auf einen Streit "möglicherweise aus dem Bereich der Zeugen Jehovas", so Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. Das müsse geprüft werden, in den Akten habe man dazu nichts gefunden. 

Die Polizei richtete ein Hinweisportal ein. Auf der Webseite https://hh.hinweisportal.de/ könnten "Fotos und Videos zur Tat oder relevanten Ereignissen in diesem Zusammenhang hochgeladen werden", teilte die Polizei Hamburg auf Twitter mit.

Die Zeugen Jehovas sind eine christliche Gemeinschaft mit eigener Bibel-Auslegung. Die Anhänger glauben an Jehova als "allmächtigen Gott und Schöpfer" und sollen sich strengen Vorschriften unterwerfen. Sie sind davon überzeugt, dass eine neue Welt bevorsteht und sie als auserwählte Gemeinde gerettet werden. Weltweit haben die Zeugen Jehovas etwa acht Millionen Mitglieder. Die "Weltzentrale" ist in New York. Die deutsche Gemeinschaft mit weniger als 200.000 Mitgliedern gehört zu den größten in Europa.

Galerie: Politiker:innen drücken nach Amoktat ihr Mitgefühl aus

"Schlimme Nachrichten aus #Hamburg. Mehrere Mitglieder einer Jehova-Gemeinde sind gestern Abend einer brutalen Gewalttat zum Opfer gefallen. Meine Gedanken sind bei ihnen und ihren Angehörigen." - Olaf Scholz, Bundeskanzler
"Schlimme Nachrichten aus #Hamburg. Mehrere Mitglieder einer Jehova-Gemeinde sind gestern Abend einer brutalen Gewalttat zum Opfer gefallen. Meine Gedanken sind bei ihnen und ihren Angehörigen." - Olaf Scholz, Bundeskanzler © Soeren Stache/dpa
"Ich bin sicher, viele Menschen in Deutschland empfinden in diesen Stunden aufrichtiges Mitgefühl. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung." - Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident
"Ich bin sicher, viele Menschen in Deutschland empfinden in diesen Stunden aufrichtiges Mitgefühl. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung." - Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident© Jan Woitas/dpa
"Ich bin erschüttert über die furchtbare Gewalttat in einer Gemeinde der Zeugen Jehovas in #Hamburg. Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen & den Gemeindemitgliedern." - Nancy Faeser, Bundesinnenministerin
"Ich bin erschüttert über die furchtbare Gewalttat in einer Gemeinde der Zeugen Jehovas in #Hamburg. Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen & den Gemeindemitgliedern." - Nancy Faeser, Bundesinnenministerin© Virginia Mayo/AP
"Die Meldungen aus Alsterdorf / Groß Borstel sind erschütternd. Den Angehörigen der Opfer gilt mein tiefes Mitgefühl." - Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister von Hamburg
"Die Meldungen aus Alsterdorf / Groß Borstel sind erschütternd. Den Angehörigen der Opfer gilt mein tiefes Mitgefühl." - Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister von Hamburg© Christian Charisius/dpa
"Ich danke allen Einsatzkräften, die sofort vor Ort waren und die die Hintergründe der Tat jetzt bei den Ermittlungen aufklären werden. Dieses Ereignis erschüttert uns alle." - Franziska Giffey, Berlins Regierungschefin
"Ich danke allen Einsatzkräften, die sofort vor Ort waren und die die Hintergründe der Tat jetzt bei den Ermittlungen aufklären werden. Dieses Ereignis erschüttert uns alle." - Franziska Giffey, Berlins Regierungschefin© Fabian Sommer/dpa
"Schreckliche Nachrichten aus Hamburg. Ich richte das Beileid Frankreichs an die Angehörigen der Opfer und an alle unsere deutschen Freunde. Unsere Gedanken sind bei ihnen." - Emmanuel Macron, Frankreichs Präsident
"Schreckliche Nachrichten aus Hamburg. Ich richte das Beileid Frankreichs an die Angehörigen der Opfer und an alle unsere deutschen Freunde. Unsere Gedanken sind bei ihnen." - Emmanuel Macron, Frankreichs Präsident© Michel Euler/Pool AP/dpa
"Schlimme Nachrichten aus #Hamburg. Mehrere Mitglieder einer Jehova-Gemeinde sind gestern Abend einer brutalen Gewalttat zum Opfer gefallen. Meine Gedanken sind bei ihnen und ihren Angehörigen." - Olaf Scholz, Bundeskanzler
"Ich bin sicher, viele Menschen in Deutschland empfinden in diesen Stunden aufrichtiges Mitgefühl. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung." - Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident
"Ich bin erschüttert über die furchtbare Gewalttat in einer Gemeinde der Zeugen Jehovas in #Hamburg. Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen & den Gemeindemitgliedern." - Nancy Faeser, Bundesinnenministerin
"Die Meldungen aus Alsterdorf / Groß Borstel sind erschütternd. Den Angehörigen der Opfer gilt mein tiefes Mitgefühl." - Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister von Hamburg
"Ich danke allen Einsatzkräften, die sofort vor Ort waren und die die Hintergründe der Tat jetzt bei den Ermittlungen aufklären werden. Dieses Ereignis erschüttert uns alle." - Franziska Giffey, Berlins Regierungschefin
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  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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