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Eskalation der Gewalt

Banden greifen Gefängnis an, Inhaftierte fliehen: Haiti ruft Ausnahmezustand aus

  • Veröffentlicht: 04.03.2024
  • 15:57 Uhr
  • Maria Frost
Nach einem Bandenangriff auf das Nationalgefängnis in Haiti. Verwüstung in einer der Zellen
Nach einem Bandenangriff auf das Nationalgefängnis in Haiti. Verwüstung in einer der Zellen© Odelyn Joseph/AP/dpa

Nach einem Angriff von Banden auf das haitianische Nationalgefängnis erreicht die Gewalt in dem Karibikstaat einen neuen Höhepunkt. Die Regierung hat den Ausnahmezustand mit Ausgangssperre ausgerufen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Nach Angriffen mehrerer Banden auf das Nationalgefängnis in Port-au-Prince eskaliert die Gewalt in Haiti.

  • Die Regierung versucht die Lage mithilfe des Ausrufens des Ausnahmezustands und einer Ausgangssperre unter Kontrolle zu bringen.

  • Seit der Ermordung des haitianischen Präsidenten habe die Gewalt auf den Straßen Haitis drastisch zugenommen.

Zurzeit eskaliert die Lage in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince: Mehrere Banden haben einen Angriff auf das Nationalgefängnis unternommen und einem Großteil der Inhaftierten zur Flucht verholfen. Unter ihnen waren Inhaftierte, die wegen Entführung, Mord und anderen Straftaten einsaßen.

Aufgrund der instabilen Sicherheitslage hat die Regierung den Ausnahmezustand ausgerufen, der mindestens drei Tage andauern soll. Auch eine Ausgangssperre von jeweils 18 Uhr bis 5 Uhr soll verhängt werden. Diese Maßnahmen sollen im gesamten Départment West gelten, das sich auch über die Landeshauptstadt erstreckt. Eine Verlängerung sei möglich. Auf diesem Wege wolle die Regierung "die Situation unter Kontrolle bringen".

Angriffe aufs Nationalgefängnis sorgen für massive Unruhen

Am Samstag (2. März) griffen bewaffnete Banden das Nationalgefängnis an, sodass Hunderten Inhaftierten die Flucht gelang. Die Medien konnten keine genauen Angaben über die genaue Zahl der Geflüchteten geben, die Rede ist von "hunderten bis nahezu allen knapp 3.700 Inhaftierten", so die Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Bei den Angriffen soll es mehrere Verletzte und auch Tote gegeben haben, eine genaue Zahl der Opfer ist jedoch nicht bekannt. Ein weiterer Angriff soll auf ein Gefängnis in Croix-des-Bouquets, östlich der Hauptstadt, verübt worden sein. Über gelungene Fluchtversuche am zweiten Angriffsort sind bislang keine Angaben gemacht worden.

Im Video: Geiselnahme live im Fernsehen - Bandengewalt in Ecuador eskaliert

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Gesamtzahl der Geflüchteten unbekannt

Die Zeitung "Miami Herald" berichtet mit Verweis auf Angaben des örtlichen UN-Büros über eine Gesamtzahl von 3.696 Inhaftierten vor dem Massenausbruch. Laut dem Generalkoordinator des Anwalt-Kollektivs Arnel Remy sollen weniger als 100 von ihnen sich aktuell noch in dem Gefängnis befinden. Er veröffentlichte Bilder von der verwüsteten Anstalt via Social Media.

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Die kriminellen Banden sollen zuvor das Gefängnis mithilfe von Drohnen ausgekundschaftet und so die Routinen der Gefängniswärter herausgefunden haben. Auf diese Weise sollen sie den idealen Zeitpunkt für einen Angriff abgepasst haben.

Massive Unruhen seit dem Präsidenten-Mord

Bis zum Ausbruch sollen mehrere Bandenbosse im überfüllten Nationalgefängnis inhaftiert gewesen sein, ihnen soll nun die Flucht gelungen sein. Außerdem seien auch kolumbianische Staatsbürger inhaftiert gewesen, denen Mittäterschaft an der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse vorgeworfen werde. Letztere sollen jedoch nicht geflüchtet sein. Seit dem Tod des Präsidenten habe sich die Sicherheitslage in dem Karibikstaat auf der Insel Hispaniola drastisch verschlechtert.

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Die UN schätzt, dass die brutal agierenden Banden rund 80 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince kontrollieren. Wegen der verschärften Gewalt soll eine dramatisch instabile Versorgungslage herrschen, die für Millionen haitianischer Bewohner:innen akuten Hunger bedeutet.

Haiti angewiesen auf Hilfe von außen

Aufgrund dieser Ereignisse rief UN-Generalsekretär António Guterres am Freitag (1. März) bei einem Gipfeltreffen der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (CELAC) zu mehr Unterstützung auf. Eine internationale Mission soll initiiert werden, um die Kriminalität und Bandengewalt in Haiti einzudämmen.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur: dpa
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