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Gaza-Krieg

Israel fordert 300.000 Menschen zur Flucht aus Rafah auf

  • Veröffentlicht: 11.05.2024
  • 21:52 Uhr
  • Michael Reimers
Rafah: Ein Lager für vertriebene Palästinenser:innen in der Nähe der Grenze zu Ägypten
Rafah: Ein Lager für vertriebene Palästinenser:innen in der Nähe der Grenze zu Ägypten© Omar Ashtawy/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Die israelische Armee hat Palästinenser:innen in zwei Flüchtlingscamps im Zentrum Rafahs dazu aufgerufen, die Stadt zu verlassen. Damit steigt die Sorge vor einer großangelegten Bodenoffensive.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Israels Militär hat am Samstag (11. Mai) in weiteren Gebieten Rafahs Palästinenser:innen aufgefordert, die Stadt im Süden des Gazastreifens zu verlassen.

  • Zu den betroffenen Zonen im Zentrum Rafahs gehören auch zwei Flüchtlingslager.

  • Die rund 300.000 Menschen sollen sich unverzüglich in die Ortschaft Al-Mawasi an der Mittelmeerküste begeben.

Bisher hatten die Kämpfe in Rafah nicht das dicht bebaute, mit improvisierten Flüchtlingslagern übersäte Zentrum der Stadt erreicht. Am Samstag (11. Mai) forderte die israelische Armee die Bevölkerung jedoch auf, weitere Gebiete im Osten sowie erstmals auch im Zentrum Rafahs zu verlassen.

In einer Botschaft, die das Militär auf Arabisch über die Plattform X, in Form von Textnachrichten und auf Flugblättern verbreitete, zählten die Streitkräfte die betroffenen Zonen auf, darunter zwei Flüchtlingslager. Die rund 300.000 betroffenen Menschen müssten sich unverzüglich in die Ortschaft Al-Mawasi an der Mittelmeerküste begeben, hieß es. Hilfsorganisationen bezweifeln, dass dort eine große Zahl von Menschen angemessen versorgt werden kann.

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Schon Hunderttausende auf der Flucht

Der Aufruf zum Verlassen weiterer Stadtgebiete vergrößert die Sorge vor einer Ausweitung des Militäreinsatzes in der südlichsten Stadt des Gazastreifens. Familien würden überall in der Stadt ihre Sachen packen, schrieb eine Mitarbeiterin des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA am Samstag auf X. "Die Straßen sind deutlich leerer."

Israel hatte zu Wochenbeginn einen Einsatz von Bodentruppen in den östlichen Außenbezirken von Rafah gestartet, um den Kampf gegen die islamistische Hamas auszuweiten. Nach UNRWA-Angaben vom Samstag flüchteten seitdem 150.000 Palästinenser:innen aus Rafah. Nach Darstellung des israelischen Miltärs sollen es sogar schon 300.000 Menschen sein.

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Mehr als eine Million Menschen in Gefahr

Israels militärisches Vorgehen in dem an Ägypten grenzenden Teil des abgeriegelten Küstenstreifens ist international höchst umstritten. Bis zuletzt drängten sich dort mehr als eine Million Menschen, die aus anderen Teilen des Gazastreifens geflohen waren. Eine Ausweitung der israelischen Offensive könnte dazu führen, dass Hunderttausende Zivilist:innen zwischen die Fronten geraten, befürchten Hilfsorganisationen.

Auch die ohnehin prekäre Versorgung der Menschen könnte völlig zusammenbrechen. Die USA, Israels wichtigster Verbündeter, warnen das Land eindringlich vor einer großangelegten Offensive. US-Präsident Joe Biden drohte zuletzt sogar mit der Beschränkung von Waffenlieferungen.

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Räumungsanordnung auch für Klinik in Rafah

In der betroffenen Zone liegt nach Angaben von Beschäftigten auch das Kuwait-Krankenhaus, die letzte einigermaßen funktionierende Gesundheitseinrichtung in Rafah. Mitarbeiter:innen bestätigten der Nachrichtenagentur dpa telefonisch, dass auch die Verwaltung der Klinik eine Räumungsanordnung des israelischen Militärs erhalten habe.

Bislang habe sich das Management aber geweigert, ihr nachzukommen. Stattdessen bemühe man sich darum, über internationale Partner:innen vom israelischen Militär Garantien zu erwirken, dass es das Krankenhaus nicht angreife. Die Aussichten auf Erfolg seien aber ungewiss.

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Israel: "Zahlreiche Terroristen im Nahkampf ausgeschaltet"

Israel begründet das schon vor Monaten angedrohte militärische Vorgehen in Rafah damit, dass es die letzten Bataillone der Hamas zerschlagen und die unter der Grenze zu Ägypten vermuteten Schmuggel-Tunnel zerstören wolle. Nach dem Einrücken in der Nacht zum Dienstag gingen die Truppen weiterhin an spezifischen Orten im Osten von Rafah gegen die Hamas-Milizen vor, teilte das Militär am Samstag mit.

In den vergangenen 24 Stunden hätten die Einsatzkräfte dort "zahlreiche Terroristen im Nahkampf ausgeschaltet und die terroristische Infrastruktur in dem Gebiet zerstört". Israelische Truppen seien auch weiterhin auf der Gaza-Seite des Grenzübergangs Rafah aktiv. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

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Zahl der Toten in Gaza auf fast 35.000 gestiegen

Unterdessen gab die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde bekannt, dass seit Ausbruch des Gaza-Kriegs 34.971 Palästinenser:innen getötet und weitere 78.641 verletzt worden seien. In den vergangenen 24 Stunden kamen demnach 28 Menschen ums Leben, weitere 69 erlitten Verletzungen. Auch diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die Behörde unterscheidet bei ihren Angaben nicht zwischen Zivilist:innen und bewaffneten Kämpfern. Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker mit mehr als 1.200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober in Israel verübt hatten.

Emirate gegen Israels Pläne für Zivilverwaltung

Die Vereinigten Arabischen Emirate erteilten indes einer von Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ins Spiel gebrachten Beteiligung an einer künftigen lokalen Zivilverwaltung im Gazastreifen unter israelischem Sicherheitsregime eine klare Absage. Sein Land werde sich in keine Pläne hereinziehen lassen, um "Deckung zu geben für Israels Präsenz im Gazastreifen", stellte der emiratische Außenminister Abdullah bin Sajid am Samstag bei X klar.

Netanjahu hatte kürzlich in einem Interview eines US-Fernsehsenders gesagt, dass es nach einer Niederlage der Hamas vermutlich "irgendeine Art Zivilverwaltung" geben werde, "möglicherweise mithilfe der Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und anderen Ländern". Die Emirate hatten im Jahr 2020 als erster Golfstaat diplomatische Beziehungen mit Israel aufgenommen.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Nachrichtenagentur Reuters
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