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Cosa Nostra

Italien: Skrupelloser Mafiaboss Messina Denaro gestorben

  • Veröffentlicht: 25.09.2023
  • 10:07 Uhr
  • Emre Bölükbasi
Der italienische Mafiaboss Denaro ist in einer Gefängnisklinik gestorben.
Der italienische Mafiaboss Denaro ist in einer Gefängnisklinik gestorben.-/Comando Generale Carabinieri /dpa

Als Mitglied der Cosa Nostra soll er Dutzende Morde begangen und organisiert haben, dann stieg er zum Boss der sizilianischen Mafia auf: Matteo Messina Denaro ist gestorben.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der italienische Mafiaboss Denaro ist gestorben.

  • Mehr als drei Jahrzehnte lang war er auf der Flucht und galt als meistgesuchter Mafia-Pate Italiens.

  • Vor seinem Tod legte er keine Geständnisse ab, es kam auch zu keinem Prozess.

Der italienische Mafiaboss Matte Messina Denaro ist gestorben. Der 61-jährige Krebskranke erlag in einer Gefängnisklinik in der Stadt L'Aquila den Folgen seiner Krankheit, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete. Der Pate der sizilianischen Cosa Nostra war zuvor mehr als drei Jahrzehnte auf der Flucht, im Januar dieses Jahres konnte er schließlich festgenommen werden.

Denaro litt demnach an Darmkrebs. Sein Gesundheitszustand habe sich zuletzt verschlechtert und er sei am Freitag ins Koma gefallen. Auf Wunsch des Mafiabosses sei auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichtet worden. Berichten zufolge durften Angehörige Denaros noch Abschied von ihm nehmen.

Dutzende Morde, Bombenanschläge und Entführungen

Denaro galt als skrupelloser Mafiaboss, der auf eine lange Geschichte krimineller Machenschaften zurückblickt. Laut Ermittlern beging oder organisierte er zahlreiche Morde. 1992 soll er auch an den Bombenanschlägen auf die zwei Mafiajäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino mitgewirkt haben.

Dem sizilianischen Mafiaboss wird auch ein weiteres Verbrechen, das damals für Schlagzeilen sorgte, zur Last gelegt: Er soll die Entführung von Guiseppe Di Matteo im Jahr 1993 mitgewirkt haben. So habe die Mafia versucht, den Vater des Jungen von einer Aussage vor Gericht abzuhalten. Nach 779 Tagen soll der Junge von der Mafia erdrosselt worden sein - die Leiche wurde laut Ermittlern in Säure aufgelöst.

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Aufstieg zum Mafiapaten und Flucht

Denaro stieg mit der Zeit innerhalb der sizilianischen Cosa Nostra immer weiter auf, bis er schließlich auf die Paten Salvatore  Riina und Bernardo Provenzano folgen konnte. Wie er sich als Mafiaboss über drei Jahrzehnte lang versteckt halten konnte, ist bislang ungeklärt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass er auf staatlicher Seite Rückendeckung bekommen haben muss.

Der krebskranke Denaro hatte sich vor seiner Festnahme im Januar 2023 monatelang in einer Klinik unter dem Namen Andrea Bonafede behandeln lassen. Bei seiner Verhaftung in der Klinik gab er aber sofort seine eigentliche Identität zu.

Denaro legte vor seinem Tod kein offizielles Geständnis ab. Ermittlern zufolge kooperierte er auch nicht mit den italienischen Behörden. Es kam auch zu keinem Prozess gegen den Mafioso.

Cosa Nostra - auch für Deutschland eine Gefahr?

Die Cosa Nostra entstand im 19. Jahrhundert auf Sizilien, operiert aber heutzutage global. Das Bundeskriminalamt (BKA) beschreibt sie als "die älteste und traditionellste Gruppierung der sizilianischen Mafia". "Ein Hauptbetätigungsfeld ist der internationale Rauschgifthandel in Kooperation mit anderen Mafiagruppierungen", so das BKA. Auch im Bereich der Geldwäsche sei die Cosa Nostra aktiv.

Seit den 1970er Jahren habe die Cosa Nostra "feste Bezüge nach Deutschland". "Deliktische Schwerpunkte sind hier insbesondere Raub- bzw. Banküberfälle und illegale Tätigkeiten in der Bauwirtschaft", hält die Behörde weiter fest.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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