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Familie weiterhin in Angst

Kolumbien: Nach Flugzeugabsturz - Vater der geretteten Kinder erhält Morddrohungen

  • Veröffentlicht: 12.06.2023
  • 12:03 Uhr
  • Clarissa Yigit

Nachdem ein Kleinflugzeug des Typs "Cessna 206" im kolumbianischen Dschungel Anfang Mai abgestürzt war, konnten nun vier vermisste Kinder, die an Bord der Maschine waren, gerettet werden.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Am 1. Mai stürzte eine Propellermaschine des Typs "Cessna 206" im kolumbianischen Dschungel mit einer Mutter und ihren vier Kindern ab.

  • Nach 40 Tagen konnten die Kinder im Süden des Dschungels gerettet werden.

  • Nun erhält der Vater der Kinder Morddrohungen durch eine Splittergruppe der Guerilla-Organisation Farc.

Der 1. Mai ist ein schwarzer Tag für Manuel Ranoque. An diesem Tag war seine Frau mit den vier Kindern mit einer Propellermaschine vom Typ "Cessna 206" auf dem Weg zu ihm, als die Maschine im kolumbianischen Regenwald abstürzte. Das Unglück ereignete sich im Department Caquetá.

Spezialeinsatzkräfte des kolumbianischen Heeres drangen erst über zwei Wochen später, am 16. Mai, zu dem Flugzeugwrack vor und fanden dort die Leichen des Piloten, der Mutter und eines indigenen Anführers, schreibt die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Die Kinder im Alter von einem bis 13 Jahren irrten seither im Dschungel umher und wurden erst 40 Tage nach dem Absturz, am Freitag (9. Juni), im Regenwald im Süden des Landes von Suchtruppen leicht verletzt gefunden. Nun werden immer mehr Details bekannt.

Mutter hat noch vier Tage gelebt

Viel habe Manuel Ranoque noch nicht von seinen Kindern über die Zeit im Dschungel erfahren, erklärt er. "Es ist nicht leicht, sie zu fragen. Sie haben 40 Tage nicht richtig gegessen und nicht gut geschlafen. Ich hoffe, dass die Kinder sich gut erholen, dann können sie selbst erzählen, was passiert ist."

Allerdings habe die älteste Tochter nach der Rettung berichtet, dass ihre Mutter noch vier Tage nach dem Absturz weiter gelebt habe, bevor sie ihren schweren Verletzungen erlag, ergänzt "T-online" unter Berufung auf kolumbianische Medien. "Bevor sie starb, hat sie vielleicht gesagt: Geht", erklärte Ranoque am Sonntag (11. Juni) in Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens.

Die Kinder seien bei ihrer Rettung unterernährt gewesen und waren daher zur Behandlung in ein Militärkrankenhaus in Bogotá gebracht worden.

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Schildkröte für Rettung mitverantwortlich

Auf der Internetpräsenz der Zeitung "El Tiempo“ wurde am Sonntag (11. Juni) ein Video veröffentlicht, wie die vier Kinder Lesly (13), Soleiny (9), Tien (4) und Cristin Neriman (1) von indigenen Suchtrupps gefunden wurden. Die Vermissten gehören der indigenen Ethnie der "Witoto" (Uitoto) an, so "T-online".

"Wir haben die Kinder gefunden. Gelobt wird Gott. Der Glaube hat uns auf den Weg gebracht, den wir gesucht haben", schilderte ein Mitglied der Suchmannschaft seine Erleichterung. "Hier sind die Kinder".

Für die Rettung sei unter anderem auch eine Schildkröte mitverantwortlich gewesen. "Nach dem Glauben unserer Vorfahren kann man einen Wunsch äußern, wenn man eine Schildkröte findet, und dieser Wunsch wird in Erfüllung gehen", erklärt einer der Retter. Das Team habe eine halbe Stunde vor der Entdeckung der Kinder eine Schildkröte entdeckt. Er habe der Schildkröte gesagt: "Finde die Kinder."

Morddrohungen gegen Ranoque

Nun, nach der Rettung seiner Kinder, berichtet Ranoque von Morddrohungen gegen ihn durch die "Front Carolina Ramírez" – eine Splittergruppe der Guerilla-Organisation "Farc". Ranoque selbst war wegen ständiger Bedrohungen durch die "Farc"-Splittergruppe aus der Region geflohen. "Die Front Carolina Ramírez sucht mich, um mich zu töten. Es gibt Drohungen gegen mich, ich bin ein Ziel für sie", so Ranoque.

Die "Front Carolina Ramírez" trägt das 2016 unterzeichnete Friedensabkommen nicht mit, ist in Drogenhandel verwickelt und soll im Süden des Landes zuletzt vier Minderjährige getötet haben. Ranoque fürchtet daher um sein Leben, aber noch mehr um das seiner Kinder.

"Ich weiß, dass diese schamlosen Leute mich vor allem mit meinen Kindern unter Druck setzen können, und das werde ich niemals zulassen", äußert er sich bestimmt gegenüber "Noticia Caracol".

"Sie haben wirtschaftliche Interessen, und wenn man nicht tut, was sie sagen, ist man ein Feind für sie."

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Der Absturz

Vermutlich kollidierte das Kleinflugzeug mit den Baumkronen und stürzte danach senkrecht zu Boden, schreibt die dpa unter Berufung auf einen vorläufigen Bericht der Luftfahrtbehörde.

Der Zusammenstoß mit den Bäumen habe nach Annahmen offenbar den Aufprall so stark abgebremst, dass der hintere Teil der Kabine kaum beschädigt wurde und somit die Kinder überleben konnten.

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