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Kassenärzte-Chef Gassen

Kostendruck: Kliniken sollen viele OPs nicht mehr anbieten

  • Veröffentlicht: 17.07.2023
  • 09:27 Uhr
  • Joachim Vonderthann

Werden Leisten- und Gelenk-Operationen bald nur noch ambulant durchgeführt? Kassenärzte-Chef Gassen will mit seinem Vorstoß Kosten drücken.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Kassenärzte-Chef Gassen will die Zahl der Klinik-OPs deutlich reduzieren, um Kosten zu sparen.

  • Drei bis vier Millionen von 16 Millionen Operationen jährlich könnten dem Ärztefunktionär zufolge ambulant durchgeführt werden.

  • Gleichzeitig warnt Gassen vor einem Scheitern der Klinikreform von Minister Lauterbach. 

Um Kosten im Gesundheitswesen zu sparen, will Kassenärzte-Chef Andreas Gassen die Zahl der Klinik-Operationen deutlich reduzieren und die Möglichkeiten für ambulante Behandlungen ausweiten. "Wir brauchen eine Kehrtwende bei den Operationen. Es gibt unverändert viel zu viele stationäre Behandlungen in Deutschland. Von den rund 16 Millionen im Jahr könnten drei bis vier Millionen ambulant durchgeführt werden, also auch von niedergelassenen Ärzten", sagte Gassen der "Bild"-Zeitung am Montag (17. Juli).

Kassenärzte-Chef fordert: Viele OPs nicht mehr in Kliniken

Gassen nannte zum Beispiel Leisten- und Gelenk-Operationen, die künftig so von Praxis-Ärzten vorgenommen werden könnten, dass Patienten morgens kämen und am Nachmittag wieder nach Hause könnten. Damit könnten Kosten eingespart werden, und auch Infektionen durch gefährliche Krankenhauskeime würden damit reduziert, so Gassen. Dazu müsse aber die Vergütung für Praxis-Ärzte angepasst werden.

Bund und Länder hatten sich vor einer Woche auf Eckpunkte für eine Klinikreform verständigt. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will über den Sommer einen Gesetzentwurf dazu erarbeiten. In Kraft treten soll die Reform Anfang 2024. Die Pläne sehen vor, das Vergütungssystem mit Pauschalen für Behandlungsfälle zu ändern, um Kliniken vom Druck zu immer mehr Fällen zu lösen. Daher sollen sie 60 Prozent der Vergütung allein für das Vorhalten von Leistungsangeboten bekommen. Dies soll auch kleinere Kliniken auf dem Land absichern.

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Warnung vor Scheitern der Lauterbach-Reform

Gassen hatte bereits am Wochenende vor einem Scheitern der geplanten Krankenhausreform gewarnt. "Wenn die Ambulantisierung durch Einbindung der Praxen nicht gestärkt wird und die Auswahl der richtigen Kliniken nicht klug und strategisch koordiniert wird, dann wird diese Reform scheitern", sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der "Neuen Osnabrücker Zeitung". In Deutschland gebe es weiterhin "absurd viele" stationäre Eingriffe, konstatierte Gassen. "Noch immer werden viel zu viele Behandlungen stationär erbracht und Versichertengelder verschleudert."

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) vertritt nach eigenen Angaben die Interessen der rund
185. 000 freiberuflichen, in Praxen ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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