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Metropolitan Police

Rassismus und Sexismus: Bericht zeichnet dramatisches Bild der Londoner Polizei

  • Veröffentlicht: 21.03.2023
  • 14:49 Uhr
  • Anne Funk
Polizist:innen stehen vor New Scotland Yard, dem Hauptquartier der Metropolitan Police in London.
Polizist:innen stehen vor New Scotland Yard, dem Hauptquartier der Metropolitan Police in London.© REUTERS

Mobbing, Sexismus, Rassismus und Homophobie: Die Londoner Polizei muss sich massiver Kritik stellen, nachdem ein Untersuchungsbericht skandalöse Zustände in der Behörde aufgedeckt hat. Premier Sunak spricht von Vertrauen, das "enorm beschädigt" wurde.

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Das Wichtigste in Kürze

  • In London wurde ein Untersuchungsbericht über die Metropolitan Police (Met) veröffentlicht.

  • Der Report deckt schonungslos auf, dass in der Behörde Rassismus, Sexismus und Homophobie an der Tageordnung sind.

  • Der Chef der Met, Mark Rowley, versprach umfassende Reformen.

Frauenfeindlichkeit, institutioneller Rassismus und tief sitzender Hass auf Homosexuelle - die Londoner Polizei steht schwer in der Kritik, Skandale sind nicht die Ausnahme, sondern an der Tagesordnung. Wie groß die Probleme bei der Metropolitan Police (Met) tatsächlich sind, deckt nun ein neuer, 363 Seiten starker Untersuchungsbericht schonungslos auf. 

Im Video: London blockiert schottisches Transgender-Gesetz.

So habe die Met dabei versagt, Frauen vor Sexualstraftätern in Uniform zu schützen, lautet das Urteil von Louise Casey, welche mit dem Bericht beauftragt worden war und als unabhängiges Mitglied im britischen Unterhaus sitzt. "Es ist nicht unsere Aufgabe als Öffentlichkeit, uns vor der Polizei zu schützen. Es ist die Aufgabe der Polizei, uns Bürger zu schützen", so Casey. "Viel zu viele Londoner haben das Vertrauen in die Polizei verloren."

Auch Großbritanniens Premierminister Rishi Sunak räumte nach Veröffentlichung des Berichts bereits einen Vertrauensverlust in die Behörde ein. "Im Moment ist das Vertrauen in die Polizei durch die Dinge, die wir im vergangenen Jahr erfahren haben, enorm beschädigt worden", sagte er am Dienstag (21. März) in einem Interview mit der BBC. 

Frauenfeindlichkeit an der Tagesordnung

In Auftrag gegeben wurde der Report, nachdem im März 2021 die 33-jährige Sarah Everard von einem Polizisten unter Einsatz seines Dienstausweises entführt, vergewaltigt und ermordet wurde. Die Tat hatte das Ansehen der Londoner Polizei massiv erschüttert - blieb allerdings kein Einzelfall. Immer neue Skandale traten zutage. So wurde erst im Februar ein Beamter, der zur selben Einheit wie der inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilte Everard-Mörder gehörte, zu jahrzehntelanger Haft verurteilt. Über einen Zeitraum von 20 Jahren hatte er ein Dutzend Frauen immer wieder missbraucht und vergewaltigt. 

Auch ist Sexismus und Frauenfeindlichkeit bei der Met offenbar an der Tagesordnung, wie der Report aufdeckt. "Beamtinnen und weibliche Beschäftigte sehen sich routinemäßig" damit konfrontiert, heißt es. "Die Met hat ihre weiblichen Angestellten oder Mitglieder der Öffentlichkeit weder vor Tätern in der Polizei, die häusliche Gewalt anwenden, noch vor denen geschützt, die ihre Position für sexuelle Zwecke missbrauchen."

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Mangelhafte Arbeitsbedingungen

Mehr als 100 Polizisten, gegen die wegen sexuellen Fehlverhaltens ermittelt wird, seien noch regulär im Dienst. Gewalt gegen Frauen und Mädchen werde weniger ernst genommen als andere Arten von Gewalt. Die Fallzahlen von häuslicher Gewalt seien nicht überschaubar, Opfer würden nicht ausreichend unterstützt. 

Obendrein seien die Arbeitsbedingungen bei der Met katastrophal. Beweismittel müssten in "überfüllten, baufälligen oder kaputten Kühl- und Gefrierschränken" verstaut werden. In einem Fall sei sogar eine Probe aus einem Vergewaltigungsfall im selben Kühlschrank gefunden worden wie eine Lunchbox. Der Großteil der Belegschaft sei außerdem überarbeitet und unerfahren. 

Die Metropolitan Police steht nach dem neuesten Report endgültig auf dem Prüfstand, schon vorab war von einer "letzten Chance" die Rede. Louise Casey fordert eine "völlige Überholung" der Behörde. Ihr Fazit: Wenn sich die Truppe nicht reformiert, drohe ihr die Auflösung.

"Wir haben die Menschen im Stich gelassen"

In der Pflicht steht nun besonders Commissioner Mark Rowley, der seit einem halben Jahr an der Spitze der Met steht. Er wolle rigoros gegen korrupte und gewalttätige Polizisten durchgreifen, hatte er bei seinem Amtsantritt bereits deutlich gemacht. Noch im Januar sagte er, es würde ihn nicht wundern, wenn jede Woche zwei bis drei Beamte vor Gericht landen würden. Bis Ende März will Rowley jetzt einen Zwischenstand vorlegen, wie viele problematische Beamte schon aus dem Dienst entfernt worden seien. "Wir haben Rassisten, Frauenfeinde und Homophobe in der Organisation", bekannte er. "Wir haben schon Leute suspendiert. Wir ermitteln gegen Leute. Wir schmeißen sie raus", versprach er im Interview mit Sky News.

Auf Twitter veröffentlichte die Metropolitan am Dienstag ein Video, in dem Mark Rowley auf den Report reagiert. Der Berichte wecke "Gefühle der Scham und des Zorns - aber er stärkt auch unsere Entschlossenheit", heißt es darin. "Wir haben die Menschen im Stich gelassen, das tut mir leid."

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  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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