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Schädling auf dem Vormarsch

"Riesenproblem": Die Hybrid-Luzerne bedroht die Pflanzen-Vielfalt Berlins

  • Veröffentlicht: 07.06.2024
  • 14:22 Uhr
  • Kira Born

Der Botanische Garten Berlin schlägt Alarm: Eine invasive Pflanzenart breitet sich in einem rasanten Tempo auf den Grünflächen der Hauptstadt aus – zum Leidwesen der einheimischen Pflanzenarten.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die nicht heimische Hybrid-Luzerne breitet sich immer stärker in Berlin aus.

  • Die sogenannte Bastard-Luzerne ist sehr robust und kann in trockenen und nährstoffarmen Böden gedeihen.

  • Der Botanische Garten Berlin spricht eine Warnung vor der invasiven Art aus, da sie andere Pflanzen verdrängt.

Inhalt

Die Pflanze, die in Deutschlands Hauptstadt aktuell ganze Grünflächen kapert, ist die Hybrid-Luzerne oder auch Bastard-Luzerne. Die Pflanze mit dem lateinischen Namen "Medicago x varia" war nach einer Mitteilung des Botanischen Gartens der Freien Universität vor Jahren nur vereinzelt in Berlin anzutreffen - doch heute ist sie im gesamten Stadtgebiet auf sämtlichen Grün- und Rasenflächen zu finden.

Deshalb ruft Thomas Borsch, Direktor des Botanischen Gartens Berlins, die Bürger:innen auf, mitzuhelfen, da die Hybrid-Luzerne andere Arten verdrängt. "Wenn wir die Vielfalt unserer Berliner Pflanzenarten erhalten wollen, müssen wir jetzt dringend handeln! Wir brauchen mehr Bewusstsein in der Breite und mehr Wissen über wirkungsvolle Gegenmaßnahmen", sagte Borsch.

Eine neue invasive Art erobert Berlin: Die Bastard-Luzerne oder auch Hybrid-Luzerne. Der Botanische Garten Berlin warnt eindringlich vor der Pflanze, da sie heimische Arten verdrängt.
Eine neue invasive Art erobert Berlin: Die Bastard-Luzerne oder auch Hybrid-Luzerne. Der Botanische Garten Berlin warnt eindringlich vor der Pflanze, da sie heimische Arten verdrängt.© FUNKE Foto Services
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Hybrid-Luzerne auf dem Vormarsch in Berlins Natur

Zu erkennen ist die Pflanze an ihren kleinen violetten oder violett-gelben Blüten. Die Bastard-Luzerne, die ursprünglich aus der Region um das Kaspische Meer stammt, kann eine Höhe von 30 bis 80 Zentimetern erreichen. Ihre Stärke gegenüber anderen Pflanzen hat sie auch ihren tiefen Wurzeln zu verdanken, mit denen sie schnell in feuchte Bodenschichten gelangt und sich nach dem Mähen schnell wieder erholen kann.

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Außerdem ist sie sehr konkurrenzfähig, da sie als Schmetterlingsblüter mit ihren Wurzeln eine Symbiose mit sogenannten Knöllchenbakterien eingeht. Diese versorgen die Pflanze mit Stickstoff, einem der wichtigsten Pflanzennährstoffe. So kann das lila-blühende Gewächs an trockenen und nährstoffarmen Standorten blühen und verschafft sich so einen Vorteil.

Durch ihre massive Ausbreitung und Widerstandsfähigkeit verdrängt sie andere besondere Pflanzenarten wie: 

  • Frühlingsfingerkraut
  • Grasnelke
  • Schillergras
  • Sandstrohblumen
  • Natternkopf
  • Steinklee-Arten
  • Wilde Möhre
  • Johanniskraut

Diese haben nach Angaben des Botanischen Gartens keine Chance gegen die Hybrid-Luzerne. "Das Ganze ist ein Riesenproblem […] Nicht nur für unseren Gartenbetrieb, sondern auch für alle Berlinerinnen und Berliner", warnte Borsch.

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Beschleunigung des Problems: Hybrid-Luzern-Samen in Saatgut-Mischungen

Ein Faktor, der die Ausbreitung der invasiven Art noch weiter beschleunigt ist, "dass die Art nach wie vor in Saatgut-Mischungen enthalten ist. So wird die Hybrid-Luzerne noch weiter aktiv ausgebreitet und kann weiteren Schaden anrichten", erklärte der Direktor des Botanischen Gartens.

"Daher appellieren wir eindringlich an alle Saatguthersteller, die Samen der Hybrid-Luzerne aus sämtlichen Saatgutmischungen zu verbannen."

Der Biologe rät dazu, die Inhaltsstoffe von Samentütchen oder sogenannten "Seedbombs" genau zu prüfen. Verbraucher:innen sollten darauf achten, die Mischungen, in der sich die sich schnell ausbreitenden Pflanze befindet, nicht auszusäen.

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Gärtner:innen in der Verantwortung im Kampf gegen "Medicago x varia"

Vor allem bei der Pflege im öffentlichen Raum käme es auf das geschulte Auge von Gärtner:innen an. Sobald die Hybrid-Luzerne gesichtet werde, sollte schnellstens gemäht werden. Bestenfalls vor ihrer vollen Blüte, um die invasive Art an der Ausbreitung zu hindern. "Denn auch wenn wir empfehlen, für unsere städtische Artenvielfalt Straßenränder und Wiesen möglichst selten zu mähen, gilt das für die Hybrid-Luzerne nicht", so der Rat des Chefs des Botanischen Gartens.

Warum sich die Hybrid-Luzerne in den letzten Jahren so massiv ausgebreitet hat, ist bis jetzt unklar. Borsch appelliert, langfristig auf schon vorkommende Pflanzenarten bei der Begrünung von Gärten und Flächen zu setzen. "Deshalb warnen wir immer wieder eindringlich davor, Pflanzenarten, die nicht bei uns heimisch sind, für Begrünungen oder Blühstreifen zu nutzen. Auch die Gesetzeslage ist klar: Das Ausbringen von neophytischen Pflanzenarten ist nicht erlaubt", betonte der Experte.

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  • Verwendete Quellen:
  • Tagesschau: "Botanischer Garten Berlin warnt vor Ausbreitung der Hybrid-Luzerne"
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