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Keilschrifttafel entdeckt

Kalašmisch: Archäologen graben eine unbekannte Sprache in der Türkei aus

  • Veröffentlicht: 27.09.2023
  • 15:28 Uhr
  • Clarissa Yigit
Eine Keilschrifttafel mit einer bisher unbekannten Sprache wurde in der Türkei bei Ausgrabungen gefunden (im rechten Areal).
Eine Keilschrifttafel mit einer bisher unbekannten Sprache wurde in der Türkei bei Ausgrabungen gefunden (im rechten Areal).© Foto: Andreas Schachner

In der Türkei haben Wissenschaftler:innen bei Ausgrabungen eine Keilschrifttaftel mit einer bisher unbekannten Sprache gefunden. Aufgezeichnet wurde diese offenbar von Hethitern vor rund 3.000 Jahren. 

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Archäolog:innen haben eine bisher unbekannte Sprache in der nördlichen Zentraltürkei ausgegraben. Auf einer Keilschrifttafel entdeckten die Forscher:innen die unbekannte Sprache, die einst offenbar von den Hethitern vor rund 3.000 Jahren aufgezeichnet wurde. Die Sprache ist offenbar weitestgehend mit dem Deutschen verwandt.

Die Ausgrabungsstätte befand sich in der UNESCO-Welterbestätte Boğazköy-Hattuša. Dort sei auch die Hauptstadt des Hethiterreichs in der Bronzezeit (1650 bis 1200 v. Chr.) gewesen. Das Reich erstreckte sich damals vom Westen der heutigen Türkei bis in den heutigen Libanon, schreibt "Spektrum".

Wie der Keilschriftexperte Daniel Schwermer ergänzt, waren die Hethiter offenbar "in einzigartiger Weise daran interessiert, Rituale in fremden Sprachen aufzuzeichnen".

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"Sprache aus dem Land Kalašma"

Ersten Studien zufolge stammt die unbekannte Sprache aus dem "anatolischen Zweig", der zur großen indoeuropäischen Sprachfamilie gehört. Genauso wie Luwisch, Palaisch und Hethitisch selbst.

Zwar ist der eigentliche Text auf der entdeckten Tontafel weitgehend unverständlich, allerdings nannten die Hethiter das unbekannte Idiom die "Sprache aus dem Land Kalašma" – ein Land, das vermutlich im Nordwesten der heutigen Türkei, zwischen Ankara und Istanbul, lag.

Die neue Sprache auf der Keilschrifttafel sei hauptsächlich in Hethitisch verfasst. Im Rahmen des dort beschriebenen Rituals greife diese allerdings eine Rezitation im Idiom des Landes von Kalašma auf.

Dabei ähnele das Kalašmische den luwischen Dialekten, die einst im Südwesten verbreitet waren, erklärt Elisabeth Rieken von der Philipps-Universität Marburg, die an der Studie beteiligt war.

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Die indoeuropäische Sprache

Die indoeuropäischen Sprachen stellen heute – global betrachtet – die am weitesten verbreitete Sprachfamilie dar. Bei der Herkunft der Sprache sind sich die Wissenschaftler:innen offenbar noch nicht ganz einigt.

So besage die "Steppen-Hypothese", dass das Indoeuropäische vor rund 6.000 Jahren in der pontisch-kaspischen Steppe entwickelt wurde. Von dort aus habe sie sich nach Westen und Osten verbreitet – auf eine ungeklärte Weise auch ins Hethiterreich.

Die "anatolische Hypothese" hingegen sehe ihren Beginn direkt in Anatolien – vor rund 9.000 Jahren. Sie knüpft den Ursprung der Sprachfamilie an die Ausbreitung der ersten Bauern.

Im Juli fanden Wissenschaftler:innen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie durch umfassende Sprachstatistik daher eine Art Kompromiss – trotz einiger Kritikpunkte. So gehen die Forscher:innen davon aus, dass die so genannte Urheimat der Indoeuropäer östlich von Anatolien und südlich des Kaukasus gelegen haben soll. Dort habe sich dann das Protoindoeuropäische vor rund 8.100 Jahren entwickelt.

Sprecherstärkste Zweigen der indoeuropäischen Sprache

  • Die germanischen Sprachen (Deutsch, Englisch)
  • Die romanischen Sprachen (Französisch)
  • Die slawischen Sprachen (Russisch)
  • Die indische Sprache
  • Die iranischen Sprachen (Hindi, Farsi)

Die Sprachen des anatolischen Zweigs hingegen seien heute allesamt ausgestorben.

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:newstime

Wer hat’s gefunden?

Entdeckt hatte den Fund das Team um den Archäologen Andreas Schachner von der Istanbuler Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), das mehr als 100 Jahren die Erforschung von Boğazköy-Hattuša und der dort begrabenen umfassenden Keilschriftbibliothek leite.

Neben der neu gesichteten Keilschrifttafel mit der unbekannten Schrift wurden bisher weitere fast 30.000 beschriftete Tontafeln gefunden, schreibt "Spektrum" unter Berufung auf das Institut.

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