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Wegen Reportage über Korruption

Venezuelas Präsident nennt Deutsche Welle "Nazisender" - und erteilt Sendeverbot

  • Veröffentlicht: 06.03.2024
  • 14:26 Uhr
  • Lena Glöckner
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat die Deutsche Welle als "Nazisender" bezeichnet und die Kabelverbreitung im Land unterbunden.
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat die Deutsche Welle als "Nazisender" bezeichnet und die Kabelverbreitung im Land unterbunden.© AP

Nach einem Video über Korruption in Lateinamerika geht Venezuelas Staatspräsident Maduro gegen die Deutsche Welle vor: Er hat dem "Nazisender" Sendeverbot erteilt.

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Die Deutsche Welle (DW) ist nach eigenen Angaben aus dem TV-Kabelnetz von Venezuela verbannt worden. "Wir fordern die venezolanische Regierung mit Nachdruck dazu auf, die Verbreitung des spanischsprachigen DW-Fernsehkanals schnellstmöglich wieder zu gewährleisten", teilte der Intendant des Auslandssenders, Peter Limbourg, am Dienstag (5. März) mit. "Die Einschränkung der Verbreitung der DW ist ein schwerwiegender Eingriff in die Freiheit der Menschen in Venezuela, sich unabhängig zu informieren", sagte Limbourg weiter.

Im Video: Besuch in Venezuela - Russland hat weiteren großen Verbündeten

Der Sender bezeichnete den "erzwungenen Stopp des spanischsprachigen DW-Kanals durch die venezolanischen Behörden" als eine Folge eines Videos der DW, in dem es um Korruption in verschiedenen Ländern Lateinamerikas - darunter auch Venezuela - sowie Verbindungen der Politik mit dem organisierten Verbrechen gehe. DW hatte am Montag (4. März) einen Ausschnitt des Videos auf der Plattform X veröffentlicht und dazu geschrieben, dass nicht bekannt sei, inwiefern Venezuelas Staatspräsident Nicolás Maduro dabei selbst eine Rolle spiele.

"Hass gegen Venezuela"

Maduro bezeichnete die DW in diesem Zusammenhang am Montag als "Nazisender". Der venezolanische Kommunikationsminister Freddy Ñáñez sagte, die DW verbreite "Hass gegen Venezuela" und verleumde das Land. Intendant Limbourg wies diese Vorwürfe entschieden zurück. "Millionen von Menschen sind unter der Herrschaft Maduros aus Venezuela geflohen. Es existiert praktisch keine Pressefreiheit", sagte er. "Dass er mit absurden Vergleichen auf faktenbasierte Kritik reagiert, passt da ins Bild."

In der weltweiten "Rangliste der Pressefreiheit" der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) von 2023 nimmt Venezuela den 159. Platz von 180 ein. Mit Kuba, Honduras und Nicaragua gehört es zu den Ländern in Lateinamerika, in dem die Lage als "sehr ernst" beschrieben wird. Auf den ersten Plätzen liegen Norwegen, Irland und Dänemark - Deutschland befindet sich auf Rang 21.

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Venezuela leidet unter Missmanagement, Korruption und Sanktionen. Das südamerikanische Land steckt seit Jahren in einer tiefen politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krise. Maduro geht hart gegen Regierungsgegner vor. Mehr als sieben Millionen Menschen haben Venezuela nach UN-Angaben in den vergangenen Jahren wegen Armut und Gewalt verlassen. Die DW verbreitet eigenen Angaben zufolge journalistische Angebote weltweit in 32 Sprachen. Die spanischsprachigen Angebote seien in Venezuela weiterhin über die Webseite des Senders abrufbar.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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