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Dieser Artikel trug zunächst den Titel "Transgender & Transsexualität: Der Weg zum anderen Geschlecht - Alles über Trans und Geschlechtsumwandlungen". Im Gespräch mit verschiedenen Expert:innen, unter anderem mit Julia Monro von der Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti), wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass der Weg nicht zum “anderen”, sondern zum “richtigen” Geschlecht führt und, dass man nicht von einer “Umwandlung” sondern einer “Angleichung” spricht.

Transgender - wir berichten im Beauty-Artikel über den therapeutischen Weg mi...
Wir haben ein Interview geführt: In unserem Beauty-Artikel schreiben wir über Transsexualität und zeigen euch die Unterschiede einzelner sprachlicher Begrifflichkeiten und Wörter. © GettyImages | Finn Hafemann

Warum die Wortwahl hier so wichtig ist, klären wir hier. Was es über trans* Personen und Transsexualität wichtiges zu wissen gibt, egal ob man selbst trans* ist, oder sich für das Thema öffnen möchte, versuchen wir hier so gut es geht zu umreißen. Wir erklären die wichtigsten Begriffe, lassen Ärzt:innen und Expert:innen zu Wort kommen, beschreiben den Ablauf einer Geschlechtsangleichung und beantworten die gängigsten Fragen. Das Thema Transsexualität bietet noch so viel mehr Inhalte die besprochen, Punkte die angesprochen und Geschichten, die erzählt werden könnten und müssten. Wir geben uns Mühe hier einen Teil und die wichtigsten Informationen verständlich zu erklären, empfehlen aber unbedingt mit Ärzt:innenen, Psycholog:innenen und Therapeut:innenen über das Thema zu sprechen, sich Erfahrungsberichten von trans* Frauen und trans* Männern zu widmen und tiefer in das Thema einzutauchen. Ein spannendes Interview über Transsexualität – was es eigentlich bedeutet und welche Schritte in der Therapie inbegriffen sind.

Einer unserer Experten Dr. Schaff bringt die Tragweite des Themas sehr gut auf den Punkt: “Das Wichtigste ist zu verstehen, dass diese Menschen mit dem Drang auf die Welt gekommen sind ihren Körper ändern zu wollen. Sie glauben im falschen Körper geboren zu sein. Wird dies nicht rechtzeitig erkannt, entstehen schwerste psychologische Probleme, wie Verhaltensstörungen bei Kindern, Selbstmutilation, bis hin zum Selbstmord.”

Transgender – was ist das eigentlich? Diese Begriffe solltest du kennen!

Trans, bedeutet mehr als Männer in Frauenkleidern. Und wie wir schon gelernt haben ist die richtige Wortwahl ausschlaggebend. Wenn wir über das Thema in seiner Ganzheitlichkeit sprechen wollen, dann müssen wir also vorher die richtige Sprache finden. Bevor wir nun über Geschlechtsangleichung, Geschlechtsanpassungen, Therapien, Behandlungsmethoden, Hormone, Operationen und Medikamente sprechen, wollen wir die folgenden Begriffe kurz erklären.

Transgender 

Trans·gen·der - /transˈd͜ʃɛndɐ/ - Substantiv, maskulin [der]

Eine Person, die eine andere, als die bei Geburt zugewiesene soziale Geschlechtsrolle zum Ausdruck bringt. Es ist in der Gesellschaft der geläufigste Begriff um trans Personen zu beschreiben. Nicht jede trans Person identifiziert sich mit diesem Begriff.

"Gender" ist der Englische Begriff für die soziale Geschlechtsrolle. "Trans" ist Lateinisch für "hin zu, hinüber, jenseits". Dabei muss man zwischen dem sozial zugewiesene Geschlecht, körperlichen Geschlechtsmerkmalen und der selbst empfundenen Geschlechtsidentität unterscheiden. Denn gerade hier liegt für trans Personen ein Ungleichgewicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht auch von Geschlechtsinkongruenz. Die körperlichen Merkmale und die empfundene Geschlechtsidentität stimmen nicht überein. Menschen können sich weder mit ihren körperlichen Merkmalen, noch mit ihrer gesellschaftlichen Geschlechterrolle identifizieren. Ersteres lässt sich durch eine hormonelle Behandlung und eine (oder mehrere) Operation angleichen. Doch liegt dies leider nicht in der Hand der trans Personen. Wodurch ein Leidensdruck entsteht. Trotzdem wünscht sich nicht jede trans* Person geschlechtsangleichende medizinische Behandlungen, will ihren Namen oder Geschlechtseintrag ändern. Manche entscheiden sich für eine Hormonbehandlung, andere auch noch für eine Operation, behalten aber ihren Namen. wiederum andere lassen Namen und Geschlechtseintrag ändern.

Transgender - wir haben die Fakten zur Hormonbehandlung für euch zusammengest...
Welchen Kosten entstehen bei einer Hormonbehandlung „zum anderen Geschlecht“? Wir haben die Antworten und berichten über Transsexualität und eine damit verbundene therapeutische Behandlung. © GettyImages | Igor Alecsander

Transsexualität

Transsexuell oder Transsexualität sind weniger verwendete, denn umstittene Begriffe. Er kann nämlich irreführend sein. Trotz der Endung hat die Bezeichnung nichts mit der sexuellen Orientierung des Menschen zu tun. Ähnlich wie Trensgender beschriebt er viel mehr die Geschlechtsidentität. 

Transidentität

Die Bezeichnung Transident ist eine Alternative zu Transsexuell oder Transsexualität. Die Endung deutet explizit darauf hin, dass der Begriff auf die (Geschlechts-)Identität und nicht die Sexualität des Menschen ausgerichtet ist.

Transvestit

Personen tragen sogenannte "gegengeschlechtliche“ Kleidung, also Kleidungsstücke, die wir im gesellschaftlichen Kontext einem gewissen Geschlecht zugeschrieben haben. Sie wollen meist mit der zeitweilige Zugehörigkeit zu diesem Geschlecht und mit den Geschlechtsattributen spielen. Dabei geht es nicht um den endgültigen dauerhaften "Geschlechtswechsel“. An körperlichen Veränderungen oder chirurgischen Eingriffen, sind viele gar nicht interessiert, auch wenn sich manche mit der Zeit dafür entscheiden können.

Diversity: Wir berichten über eine therapeutische Hormontherapie bei Transsex...
Wir berichten über Transsexualität und haben eine Übersicht, welche Kosten entstehen, wenn eine therapeutische Hormontherapie bevorsteht. © GettyImages | JohnnyGreig

nicht-binär/non-binary/enby

Enby steht für die Buchstaben n und b in englischer Aussprache. N&B steht schließlich für non binary. Nicht-binär oder auf Englisch non binary beschriebt Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter im klassischen gesellschaftlichen Kontext zuordnen. Sie sind weder ausschließlich männlich noch weiblich. Ihre Geschlechtsidentitäten sind sehr vielfältig, entweder zwischen männlich und weiblich, ganz unabhängig dieser Kategorien, beide zusammenführend oder gar keinem Geschlecht zugeordnet. Genderfluid Personen empfinden ihre Geschlechtsidentität immer wieder anders. Wichtig ist zu verstehen, dass nicht alle nicht-binären Personen auch gleichzeitig trans sind. Einzelnen verstehen sich selbst als trans* Personen, andere nicht.

Trans-Vergangenheit

Diese Selbstbezeichnung wird von Menschen benutzt, die trans* als ein Stadium verstehen das sie durchlaufen, um zu ihrem Geschlecht zu gelangen 

trans* 

trans-, Tra-, Tran-, Trans-, tra-, tran-

Präfix - bedeutet in Bildungen mit Verben oder Substantiven hindurch, quer durch, hinüber, jenseits, über, hinaus.

 Trans kann auch als Präfix oder als Adjektiv für trans Frau oder trans Mann verwendet werden oder als Überbegriff für alle, die sich gar nicht bis teilweise ihrem zugeschriebenen Geschlecht identifizieren. Viele von ihnen nutzen verschiedene Selbstbezeichnungen, wie transgender, Trans-Vergangenheit, transgeschlechtlich, transident oder transsexuell. In jedem Fall kann die Person selbst bestimmen, welche Wortwahl sie nutzen möchte, da alle leicht voneinander abweichen. Das * dient dabei als Platzhalter für alle trans Selbstbezeichnungen und trans* wird oft auch als Sammelbegriff verstanden.

 

Inter*

Inter* hat sich als emanzipatorischer Sammelbegriff etabliert. Gemeint sind alle Menschen deren körperlichen Geschlechtsmerkmale, nicht den gesellschaftlichen oder medizinischen Geschlechterkategorien entsprechen. Die körperlichen Merkmale von inter* Personen können sich durch anatomische, chromosomale oder hormonelle Einflüsse unterscheiden und sind extrem vielfältig. Manche Inter* Variationen sind von Geburt an sichtbar, andere zeigen sich später und manchen niemals. Das lateinische Präfix inter, lässt sich mit „zwischen“ übersetzen. Unter dem Sammelbegriff werden Begriffe wie intergeschlechtlich, intersex, intersexuell und weitere Selbstbezeichnungen zusammengefasst. Die Geschlechtsidentität von inter* Personen kann männlich oder weiblich sein, sowie nicht-binär, inter* und trans*.

Diversity: Was es bedeutet transsexuell zu sein, welche therapeutischen Schri...
Diversity: Was es bedeutet transsexuell zu sein, welche therapeutischen Schritte bevorstehen und vieles mehr – wir haben ein Interview geführt. © GettyImages | martinwimmer

Geschlechtsangleichung: Der Weg zum richtigen Geschlecht

Dr. med. Jürgen Schaff ist Facharzt für Plastische und Ästhetische ChirurgieSpezialist für Feminisierende Operationen Mann zu Frau. Mit uns spricht er über die Geschlechtsangleichung von Mann zu Frau. Er erklärt zunächst, dass “wir heutzutage von einer feminisierende Genitaloperation sprechen, nicht von einer Geschlechtsumwandlung”. Bevor Dr. Schaff mit seinen Patient:innen arbeiten kann, erzählt er, “müssen psychologische und psychiatrische Fachkräfte eine Untersuchung durchführen, ein Diagnose und ein Gutachten erstellen. Schließlich muss noch ein Indikationsschreiben von psychologischen und psychiatrischen Fachkräften vorliegen, bevor mit einer Hormontherapie begonnen wird.

Transfrau: Die Feminisierende Genitaloperation oder Geschlechtsangleichung von Mann zu Frau

Der Spezialist für Feminisierende Operationen beschreibt für uns den Ablauf vor und bis hin zur Feminisierenden Genitaloperation. Zunächst müssen einige Voraussetzung für eine OP erfüllt werden. Das heißt eine mindestens sechsmonatige Hormontherapie und eine sogenannte OP-Indikation sind vorher notwendig. “ Psychologische und psychiatrische Fachkräfte bestätigen, dass ein erheblicher Leidensdruck dadurch besteht, dass noch die angeborenen Genitale bestehen und, dass nur  eine OP den Leidensdruck mindern kann. Und halten fest, dass sich diese Diagnose nicht mehr ändern wird.” Nach 12 Sitzungen und der entsprechenden Diagnose, kann die Krankenkasse und der Medizinische Dienst der Krankenkasse eine OP genehmigen.

 Dr. Schaff erklärt, “Heutzutage stehen alle Schritte auf dem Weg von Mann zu Frau einzeln zur Verfügung. Davon machen viele auch Gebrauch, denn es besteht keine Pflicht zu einer Operation.”

 Diese Schritte sind:

  1. Hormontherapie
  2. Hormontherapie und Vulvakonstruktion
  3. Hormontherapie und Vulvakonstruktion und vollständige feminisierende Genitaloperation
  4. Feminisierende Brustoperation
  5. Feminisierende Gesichtsoperationen
  6. Feminisierende Körperoperationen

Er betont außerdem, “es bestehen verschiedene  OP- Methoden, die je nach Ausbildung der chirurgischen Fachkraft angewandt werden können.” Weitere Schritte, wie eine Namensänderung oder eine Personenstandsänderung können ganz unabhängig davon jederzeit beantragt und durchgeführt werden.

 

Was genau bedeutet eigentlich transsexuell? Wir haben die Fakten im Beauty-Ar...
Wir berichten über Transsexualität – was genau bedeutet eigentlich transsexuell? Wir haben die Fakten im Beauty-Artikel. © GettyImages | FG Trade

Transmann: Die Geschlechtsangleichung von Frau zu Mann

Die Rahmenbedingungen sind ganz ähnlich, wie bei der Geschlechtsangleichung von Mann zu Frau. Auch bei der Anpassung von Frau zu Mann muss zunächst ein psychologisches Gutachten vorliegen bevor mit einer Hormontherapie begonnen werden kann. Nach der hormonellen Therapie kann das weitere Verfahren besprochen und die angleichende Operation und weitere Eingriffe wie eine Gesichtsoperation oder Körperoperation geplant werden. Alle weiteren Schritte, wie eine Namensänderung oder Personenstandsänderung können unabhängig davon auch schon vorher durchgeführt werden.

Geschlechtsangleichung – Wie hoch sind die Kosten? 

Wenn die Voraussetzungen wie z.B. Psychotherapie oder Hormonbehandlung erfüllt sind, können die Krankenkasse und der Medizinische Dienst der Krankenkasse der Behandlung zustimmen. Mit der Zustimmung der Krankenkasse werden die Operationen nach Pauschalen zwischen ca. 10.000,00 und 15.000,00 Euro finanziert. In einem öffentlichen Krankenhaus werden die Kosten, vollständig übernommen. In Privatkliniken können die Preise deutlich abweichen und werden dann gar nicht oder nur teilweise übernommen.

Geschlechtsanpassungen: Hormonbehandlungen & chirurgische Maßnahmen/Operationen

Wenn im Rahmen einer Psychotherapie die Diagnose Transsexualität abgesichert ist, dann beginnt zunächst die Hormonbehandlung, bevor es zu operativen Eingriffen kommt. 

Hormontherapie

Die sogenannte Hormonersatztherapie (HET, engl. Hormone Replacement Therapy = HRT), mit gegengeschlechtlichen Hormonen wirkt zum einen identitätsstiftend, ist durch den erheblichen Eingriff in den Hormonhaushalt aber auch riskant und muss unbedingt unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden. Die Veränderungen durch eine HET werden schnell sichtbar und sind teilweise irreversibel. Weshalb die Diagnosesicherung durch psychologische und psychiatrische Fachkräfte unbedingt notwendig ist. Schließlich ist die HET, mit Einverständnis der Erziehungsberechtigten bei Patient*innen ab 16 Jahren möglich. Bei Kindern kann, eine sogenannte reversible pubertätshemmende Therapie erfolgen, um die Pubertät aufzuschieben. Im Rahmen eines umfassendes prätherapeutisches Risikoscreenings wird die Therapie geplant und an das Risikoprofil angepasst. Denn Vorerkrankungen, wie arterielle Hypertonie, Diabetes, Fettstoffwechselstörung oder HIV, sowie andere Risikofaktoren müssen adäquat behandelt werden. Das Risikoscreening besteht aus einer ersten Befragung zu Risikofaktoren und einem ausführlichen Blutbefund, inklusive Hormonstatus, Leberwerte und Werte zur Messung des Thromboserisikos. Absolute Kontraindikationen treten danach kaum auf. Sollten Kontraindikationen vorliegen, werden individuelle Lösung gesucht anstatt dem:der Patient:in die GAHT ganz vorzuenthalten. Denn eine unkontrollierte Selbstmedikation birgt besonders hohe Risiken.  

Wie funktioniert nun die Geschlechtsangleichende Hormontherapie?

Der Körper durchlebt quasi eine zweite Pubertät. Zunächst gilt es zu verstehen, die Sexualhormone Östrogene und Testosterone sind für die Geschlechtsentwicklung verantwortlich. Beide Geschlechter bilden beide Sexualhormone in unterschiedlicher Menge. Die Hirnanhangdrüsen produzieren mehrere Hormone. Die Keimdrüsen hingegen, also Hoden oder Eierstöcke bilden Sexualhormone. Außerdem ist das weibliche Hormon Östrogen dem männlichen Hormon Testosteron sehr ähnlich, weshalb die Hirnanhangdrüsen beide Hormone als Signale deuten können. Wenn dem Körper nun Hormone zugeführt werden, fahren die Hirnanhangdrüsen und Keimdrüsen ihre Hormonproduktion runter bis kaum noch körpereigene Sexualhormone produziert werden. Die gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung kann mehrere Monate aber auch Jahre dauern. Wobei jeder Körper anders reagiert und sich unterschiedlich schnell entwickelt. In der Anfangsphase können ein zu niedriger Blutdruck, Kopfschmerzen, Schwindel, Schweißausbrüche, starkes Kältegefühl, sowie Gemütsschwankung, erhöhte Leberwerte und Blutfettwerte Schwierigkeiten bereiten. Diese Symptome legen sich mit der Zeit und können durch eine Anpassung der Dosierung schnell wieder reguliert werden. Dabei gibt es verschiedene Darreichungsformen für die gegengeschlechtlichen Hormone. Östrogen-Tabletten sind die am weitesten verbreitet Form. Allerdings müssen sie über Darm und Leber ins Blut gelangen und belasten häufig die Leber. Testosteron wird aufgrund der aufgrund der Nebenwirkungen nicht in Tablettenform verabreicht. Über Pflaster hingegen gelangen Hormone durch die Haut direkt ins Blut, ohne die Leber zu belasten. In seltenen Fällen können Hautirritationen auftreten. Ähnlich verläuft auch die Behandlung mit einem Gel. Durch den direkten Hautkontakt wird die Leber geschont, allerdings ist die gleichmäßige Dosierung schwieriger und die tägliche Prozedur aufwendiger. Injektionen können vom Arzt verabreicht werden. Depotspritzen die über drei Wochen bis sechs Monate wirken sind zwar wirksam und schonend für Leber und Organen, aber auch schmerzhaft. Gerade Transmännern leiden häufig unter schmerzhaften Abszessen. 

Transgender - wir haben die Unterschiede der Begrifflichkeiten für euch gelis...
Wir haben einen Beauty-Artikel über Transsexualität geschrieben und zeigen euch auf, welche Unterschiede es zwischen divers, trans und transgender gibt. © GettyImages | RS photography

Hormontherapie bei Mann zu Frau trans* Personen

Zugeführtes Östrogen bewirkt im männlichen Körper zunächst eine verringerte Testosteronproduktion und schließlich eine Verweiblichung oder Feminisierung. Konkret bedeutet das eine veränderte Körperfettverteilung, sinkende Muskelmasse und Kraft, weichere Haut, weniger Hautfett, abnahme der Libido, ausbleibenspontaner Erektionen, Impotenz, Brustwachstum, Hodenschrumpfung, rückgängige Spermienproduktion, dünneres und langsameres Wachstum von Gesichts- und Körperhaaren. Nach wenigen Wochen treten die ersten spürbaren Effekte auf. Nach meist vier bis sechs Monaten sind die Veränderungen auch für Außenstehende sichtbar. Nach spätestens sechs Monaten wird ein zweiter Hormonstatus erhoben, bevor der weitere verlauf der Therapie geplant wird. Nach weiteren vier bis sechs Monaten sind die äußeren Veränderungen für jeden erkennbar. Nach dem ersten Jahr in Hormonbehandlung folgt der nächste Hormonstatus. Nach zwei bis drei Jahren können keine weiteren Veränderungen mehr erzielt werden. Nun erfolgt eine wesentlich niedrigeren Dauermedikation. Auch nach der genitalanpassenden Operation sollte die Hormonbehandlung unbedingt weitergeführt werden. Denn ohne Hoden kann der Körper kaum Sexualhormone produzieren ist auf die Hormonzufuhr von außen angewiesen. 

Hormontherapie bei Frau zu Mann trans* Personen

Umgekehrt bewirkt die Zufuhr von Testosteron im weiblichen Körper eine Vermännlichung oder Virilisierung. Bei Transmännern verändert sich die Talgproduktion der Haut, die Gesichts- und Körperbehaarung, es kommt zu Ausfall der Kopfbehaarung, steigender Muskelmasse und Kraft, neuer Körperfettverteilung, die Menstruation stoppt, die Klitoris vergrößert sich, es kommt zur Vaginalantropie und Absinken der Stimme. Kleine sichtbare Veränderungen treten sehr schnell auf, bevor nach ein paar Monaten schon der Stimmbruch einsetzt und Barthaare wachsen. Nach einem Jahr ist die äußere Entwicklung sehr weit fortgeschritten und nach zwei Jahren im quasi abgeschlossen. Der Bartwuchs, die männliche Stimme und das Wachstum der Klitoris sind irreversibel. Setzt man die Testosteronzufuhr dann ab wird die Menstruation wieder einsetzen, nach außen wirkt man aber für immer wie ein Mann im klassischen Verständnis. Ähnlich wie bei der bereits beschriebenen Einnahme von weiblichen Hormonen muss auch die Behandlung von männlichen Hormonen nach einer OP mit niedrige Dauermedikation weitergeführt werden. Denn sind die Eierstöcke entfernt kann der Körper keine eigenen Sexualhormonen produzieren.

Operationen 

Wie bereits weiter oben beschrieben, wird die hormonelle Behandlung der operativen vorausgesetzt. Umgekehrt ist die geschlechtsverändernde Eingriff aber nicht zwingend notwendig. Bei der operativen Geschlechtsanpassung von Mann zu Frau gehen erfahrene Fachkräfte wie folgt vor. Während der Operation zur Geschlechtsangleichung von Mann zu Frau werden die männlichen Hoden entfernt um aus Teilen des Hodensackes Schamlippen für die weibliche Vulva zu formen. Der Nerven-Gefäßstil der Eichel wird zu einer funktionsfähigen Neoklitoris. Schwellkörper bis zum Schambein werden gänzlich entfernt, während der Schwammgewebe um die Harnröhre reduziert wird. Die Harnröhre wird gekürzt und bekommt einen neuen Ausgang. Die Muskulatur im Beckenboden wird gespreizt um eine Vaginalhöhle zu formen und die Penishaut wird eingestülpt. Schließlich wird die neue Klitoris positioniert und ein Schamhügel geformt. Meist folgt auf die OP eine 12 – 14 tägigen stationären Behandlung. Während der ersten Monate sollten die Patientinnen Dildos benutzen, um ihre neue Vagina vorsichtig zu dehnen. Nach rund zwei bis drei Monaten, spätestens nach sechs, sollten die Patientinnen keinerlei postoperative Beschwerden mehr verspüren und können normalen Geschlechtsverkehr haben. Der Brustaufbau kann parallel während der Genital-OP erfolgen, vorher oder nachher oder auch gar nicht und wird nur durch Hormoneinnahme gesteuert. Wenn hingegen aus einer Vagina ein Penis geformt werden soll, dann müssen zunächst Gebärmutter und Eierstöcke entfernt werden. Anschließend wird auch die Scheidenhaut entfernt und die Scheide geschlossen. Darauf folgt die operative Mobilisierung und Streckung der Klitoris. Die Harnröhre wird von der weiblichen Harnröhrenöffnung, bis zur Klitorisspitze verlängert. Und schließlich folgt der Penoidaufbau, auch Phalloplastik genannt. Ein freier Radialis-Lappen, also Unterarmlappen, kann dafür entnommen werden, oder ein ALT-Lappen vom Oberschenkel. Das Penoid kann entweder an der anatomisch natürlichen Stelle implantiert und sofort mit Nerven, der Harnröhre und dem Klitorispenoid verbunden werden. Die Klitoris wird dabei hinter der Harnröhre am Penoidansatz oder außen am Penoidansatz eingesetzt. Die Harnröhrenbildung kann aber auch später in einem weiteren Eingriff erfolgen. In jedem Fall wird noch eine Eichelnachbildung durch die Transplantation eines Hautstreifens durchgeführt und die Harnröhre verschlossen. ein oder zwei Hodenprothesen aus Silikon, können mit Rekonstruktion des Hodensacks gleichzeitig eingesetzt werden. Indem aus den großen Schamlippen ein Hodensack geformt wird. Schließlich ist eine Erektionsprothese notwendig, damit das Penoid sich zum Geschlechtsverkehr versteifen kann. Sind alle postoperativen Beschwerden und Wunden rund sechs Wochen nach Einsatz der Prothese verheilt, kann man damit Geschlechtsverkehr haben. 

Bin ich Trans? So findest du heraus, ob du Transgender bist!

Wir haben uns mit Luca (@itslucaftm) unterhalten. Er hat uns einen Einblick in seine Geschichte und seine Erfahrungen gewährt und wichtige Tipps gegeben, denn diese Frage kann sich jeder Mensch nur selbst beantworten.

Ein spannendes Interview über Transsexualität – wir berichten in unserem Beau...
Ein spannendes Interview über Transsexualität – was es eigentlich bedeutet und welche Schritte in der Therapie inbegriffen sind. Mehr dazu im Beauty-Artikel. © BeautyHub | ProSieben

 

“Für einige Personen wäre es sicherlich hilfreich hier eine Schritt für Schritt Anleitung zu lesen. Die Antwort ist leider ein bisschen enttäuschend. Ob du trans bist oder nicht, diese Frage kannst nur du dir selbst beantworten. Natürlich gibt es einige Tipps, die dich deiner Antwort näher bringen können und die dir womöglich helfen werden. 

Diese Tipps möchte ich dir mit auf deinen Weg geben:

Probier dich aus! Du wurdest in einem biologisch weiblichen Körper geboren und denkst du fühlst dich falsch in deinem Geschlecht, oder auch anders herum? Ändere deine Kleidung, deine Haare. Such dir einen neuen Namen mit dem du dich wohl fühlst und bitte dein Umfeld, vielleicht auch nur einen besten Freund oder eine beste Freundin dich mit diesem Namen und den anderen Pronomen anzusprechen. Frag dich dann wie du dich fühlst. Dieser Tipp könnte dir die Augen öffnen und deine Gefühle besser ordnen. 

Sprich über deine Gefühle und Gedanken. Erste Anprechpartner*innen können Freunde und Familie sein. Je nachdem zu welchen Personen du engen Kontakt pflegst. Oder du kannst mit einem oder einer Psychotherapeut*in darüber sprechen. Für den Transweg bzw die medizinische Geschlechtsangleichung benötigst du sowieso eine gewisse Zeit lang psychotherapeutische Begleitung. Vielleicht machst du dich bereits auf die Suche nach eine*r professionelle*n Ansprechpartner*in und wirst im Gespräch schlauer über das was du empfindest. 

Geh in dich. Frag dich selbst: fühle ich mich wohl in meinem Geschlecht? Bin ich der Mensch, den ich im Spiegel sehe? Kann ich mir vorstellen mein restliches Leben so zu leben? In diesem Körper und diesem sozialen Geschlecht? Deine Antworten auf diese Fragen könnten dir bei deinem Gefühlschaos helfen.

Im Endeffekt weißt nur du selbst wer du bist! Hol dir Hilfe und Tipps, aber vergiss nicht, dass du die Antwort bei dir selbst finden wirst.”

Trans Stars – Das sind die berühmtesten trans* Personen

Diese Transpersonen führen ein Leben in der Öffentlichkeit. Ihre Geschichten, ihre Präsenz in den Medien und ihr Aktivismus sind wichtig für die ganze internationale Community. Laverne Cox wurde als Schauspielerin in der Netflix Serie Orange is the New Black weltbekannt. Außerdem ist sie aber auch LGBT-Aktivistin und war 2014 die erste transsexuelle Person auf dem Cover des TIME Magazine. 

Balian Buschbaum war damals noch in der weiblichen Rolle eine erfolgreiche deutsche Stabhochspringerin. Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere 2007 durchlief er eine Hormontherapie und später eine geschlechtsangleichenden Operation. Seine Geschichte erzählt er in seinem Buch “Blaue Augen bleiben blau”.

Elliot Page gab 2020 bekannt trans zu sein und änderte den Vornamen von Ellen zu Elliot. Als kanadischer Kinderstar und später als internationale Schauspielerin nach ihrem Durchbruch als Juno im gleichnamigen Film steht Elliot schon lange in der Öffentlichkeit und nutze schon früh die Aufmerksamkeit um sich als Aktivist*in einzusetzen.

Pari Robabe Roehi wurde durch ihre Teilnahme bei Germany's Next Topmodel bekannt. Heute arbeitet sie erfolgreich als Model, Schauspielerin und TV-Moderatorin und ist eine bekannte Vertreterin der LGBT-Community.

Kim Petras erklärte bereits als fünfjähriger Junge lieber ein Mädchen sein zu wollen. Als 12-jährige begann sie schließlich eine Hormontherapie und lebt seitdem als Trans-Frau. Heute ist sie Sängerin und Songwriterin in Los Angeles, hat zahlreiche erfolgreiche Songs veröffentlicht und singt seit 2017 auch selbst.

Valentina Sampaio ist das erste Transgender-Model das für Victoria's Secret laufen durfte und zudem das erste Transgender-Model, das in der Swimsuit Issue von Sports Illustrated zu sehen war. 2017 zierte sie als erstes offenes Transgender-Model das Cover der Vogue Paris.

trans* FAQs – alles was du über trans* wissen musst

Abschließend wollen wir nochmals die wichtigsten Fragen klären. Alles was du kurz und knapp zusammengefasst zum Thema trans wissen willst, findest du hier. Dabei hat uns nochmals Luca unterstützt.

Was versteht man unter einer Transperson?

Eine trans* Person ist eine Person, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren kann und sich mit dem anderen Geschlecht identifiziert. In den meisten Fällen streben trans* Personen eine medizinische Geschlechtsangleichung an. Eine Geschlechtsangleichung ist durch eine gegengeschlechtliche Hormontherapie und verschiedenste Operationen möglich. Jede Transperson entscheidet für sich welche und wie viele geschlechtsangleichende Maßnahmen sie vornehmen möchte.  

Was bedeutet das Wort Trans?

Trans ist eine Abkürzung für transgender, Transidentität oder Transsexualität. Den Begriff Transsexualität lehnen viele Transmenschen ab, da sie der Meinung sind das Wort Sexualität in dem Begriff verwirrt und lässt den Anschein da, es handelt sich um eine sexuelle Orientierung. Bei Transsexualität handelt sich allerdings um die eigene geschlechtliche Identität. Daher wird mittlerweile von vielen Transpersonen der Begriff Transidentität bevorzugt. Transgender ist womöglich am neutralsten und einfachsten. Der Begriff kommt aus dem Englischen und wird auch im Deutschen viel verwendet.

Was ist der Unterschied zwischen Trans und Inter?

Bei Transidentität geht es um die geschlechtliche Identität. Also das empfundene Geschlecht. Und hierbei besteht eine Diskrepanz zwischen Körper und empfundenen Geschlecht. Intersexuelle Menschen sind Menschen deren somatische bzw körperlichen Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig männlich oder weiblich sind. Die inneren und äußeren Genitale entwickeln sich also inkongruent (oder unterschiedlich) zum chromosomalen Geschlecht. Intersexualität ist also eine Variante geschlechtlicher Entwicklung der körperlichen Merkmale. Transidentität ist der Widerspruch zwischen empfundener Geschlechtsidentität und körperlichen Merkmalen.

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