Galileo

Das glaubt die Welt - Buddhismus

Staffel 2013Episode 35022.12.2013 • 19:05

Religion mal anders: Fern von gängigen Klischees geben junge Menschen im Galileo Spezial intime und spannende Einblicke in ihren religiösen Alltag. Dieser Beitrag zeigt die Glaubenseinstellung des Buddhismus.

Wird der Buddhismus zur Trend-Religion? Schon länger interessieren sich mehr und mehr Menschen in westlichen Ländern für die uralte fernöstliche Lehre. Die Unterschiede zu Christentum, Islam oder Judentum sind gravierend: Statt dem ewigen Paradies wartet die Wiedergeburt, statt auf die Entscheidungen eines allmächtigen Gottes zu vertrauen, ist jeder Buddhist für sein eigenes Schicksal verantwortlich. Wie lebt es sich als Buddhist? Wir haben die Fakten.

Die Geschichte des Buddhismus beginnt mit Siddharta

Auch wenn der Buddhismus heute oft mit China oder Japan assoziiert wird, hat er seine Wurzeln höchstwahrscheinlich in Indien. Weltweit gibt es rund 400 Millionen Buddhisten, womit der Buddhismus klar zu den Weltreligionen zählt. Ihren Namen verdankt die Glaubenslehre dem historischen Buddha Siddharta Gautama. Der Sohn eines Fürsten lebte im 6. bzw. 5. Jahrhundert v. Chr. in großem Reichtum, bis er Leid und Armut um sich herum erkannte. Von diesem Zeitpunkt an zog er als besitzloser Wanderprediger durch das Land und predigte vom ewigen Leiden den menschlichen Lebens: Nur durch das Streben nach geistiger Reinheit und Vollkommenheit könne man diesem Kreislauf entkommen.

Der achtfache Pfad: Die Glaubensregeln des Buddhismus

Der "achtfache Pfad" sind die acht Grundregeln des Buddhismus. Sie bestimmen den Alltag und sollen die Gläubigen auf ihrem Weg zur Erlösung von allem menschlichen Leid begleiten:

  1. Die rechte Einsicht: Gute Taten verbessern das Schicksal, böse Taten verschlechtern es.
  2. Die rechte Gesinnung: Der Mensch sollen Gier, Hass oder Betrug entsagen.
  3. Die rechte Rede: Der Mensch darf nicht lügen.
  4. Das rechte Handeln: Der Mensch darf nicht stehlen und nicht töten – auch kein noch so kleines Tier.
  5. Der rechte Lebenserwerb: Für seinen Lebensunterhalt soll der Mensch nichts tun, was anderen schadet.
  6. Das rechte Streben: Der Mensch soll alle schlechten Gedanken und Gefühle bekämpfen und nach edlen Gedanken streben.
  7. Die rechte Achtsamkeit: Der Mensch muss erkennen, dass sein Körper vergänglich ist.
  8. Die rechte Konzentration: Durch Meditation versenkt sich der Mensch in sich selbst und lässt Gefühle und körperliche Empfindungen hinter sich.

Die acht Glaubensregeln prägen das Leben praktizierender Buddhisten auf ganz unterschiedliche Weise: Als friedliche und relativ freie Religion hat der Buddhismus in vielen asiatischen Ländern eine eigene Ausprägung angenommen.

Das Leben in buddhistischen Klöstern

Buddhistische Tempel und Klöster sind ein wichtiger Teil der Glaubenslehre. Anders als christliche Klöster sind sie häufig ein fester Bestandteil des Alltags der Menschen: So ist es in Thailand üblich, das Kloster regelmäßig zu besuchen und den Mönchen Essen oder kleine Geldbeträge zu spenden. In China bilden die weltberühmten Shaolin-Mönche Tausende Jugendliche in der Kung-Fu-Kampftechnik aus. Das Video zeigt, wie hart die Kombination von körperlichem und mentalem Training ist. In Japan dagegen hat sich der Zen-Buddhismus ausgeprägt, der die ultimative Weisheit und Reinheit des Geistes anstrebt.

Enthaltsamkeit in jeder Beziehung – ein Grundpfeiler des Buddhismus

Grundsätzlich ist ein reiner, von nichts abgelenkter Geist ein Ideal der buddhistischen Lehre. Daher verzichten die buddhistischen Mönche in den Klöstern auf alles, was ihren Geist verwirren oder trüben könnte. Alkohol und andere Drogen sind ebenso tabu wie Fleisch, Unterhaltungsmedien oder Beziehungen zu Frauen. Selbst zu ihren Familien haben die in absoluter Enthaltsamkeit lebenden Mönche kaum Kontakt. "Gefühle verwirren den Geist" – so krass wird die Essenz der buddhistischen Lehre im Video formuliert. Im Alltag wird das natürlich nicht so extrem gelebt wie im Kloster – hier stehen eher die ruhige Gelassenheit und das Überwinden aller negativen Gefühle im Vordergrund. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum der Buddhismus den Menschen im Westen so reizvoll erscheint – als sinnreiche Abkehr vom hektischen und stressgeprägten Alltag.