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So lebt eine Geisha in Japan

Folge 7 Staffel 2017

In Japan gibt es nur noch ein paar hundert Geishas. Wir haben in Tokio eine besucht. Was macht eine Geisha und wie sieht ihr Alltag aus? Im Grunde ist es nichts anderes als ein Beruf.

08.01.2017 09:00 | 11:15 Min | © ProSieben

Traditionelle Kunst und hundertprozentige Berufung

Um traditionelle japanische Geishas ranken sich seit jeher Mythen und Vorurteile. Von der westlichen Welt oft als eine Art luxuriöser Hostess missverstanden, ist die Geisha tatsächlich eine klassische und hochangesehene Spezialistin, deren Beruf eine langwierige und aufwendige Ausbildung voraussetzt. Wir zeigen, wie moderne Geishas ihrem Beruf und ihrer Berufung nachgehen und damit auch ein einzigartiges Stück japanischer Tradition bewahren.

Die Geschichte der Geishas

Das Wort Geisha bedeutet heute übersetzt so viel wie „Künstlerin“. Ursprünglich waren es aber Männer, die den vergleichbaren Beruf des Alleinunterhalters ausführten. Erst im 17. Jahrhundert begannen sich vermehrt auch Frauen in diesem Gewerbe zu etablieren. Heutige Geishas sind in der Regel immer weiblich. In ganz Japan existieren allerdings nur noch wenige hundert Frauen, die aktiv in diesem Beruf arbeiten. Sie sind meist selbstständig tätig und investieren viel Zeit und Mühe in ihre Arbeit. Heutige Geishas sehen sich nicht nur als Künstlerinnen, sondern vor allem auch als Bewahrerinnen japanischer Traditionen. Ihr Job ist es, Gäste zu unterhalten, etwa auf Festen oder bei Zeremonien – und auch für private Zusammenkünfte werden Geishas gebucht. Sex und Erotik spielen dabei, entgegen der weitläufigen Vorstellung, keine Rolle.

Unterhaltung mit Stil – die eigentliche Aufgabe einer Geisha

Gebucht werden Geishas vor allem von wohlhabenden Geschäftsmännern, die in den wenigen Stunden, die sie mit kunstvoll gekleideten und geschminkten Frauen verbringen, das stressige Berufsleben hinter sich lassen wollen. Die Geishas tragen dazu bei, indem sie anregende und intellektuelle Konversation machen oder ihre Gäste mit Gesang, Tanz und Musik unterhalten. Auch die traditionelle japanische Teezeremonie gehört zum Repertoire einer Geisha.

Eine lange Ausbildung macht Geishas zu Unterhaltungs-Profis

Eine Geisha muss eine strenge und enorm detaillierte Ausbildung absolvieren, bevor sie sich als Geisha bezeichnen darf. Diese dauert fünf Jahre und ist sehr teuer. Erst nach Abschluss der Ausbildung darf eine Geisha selbständig arbeiten. Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen Kunst und Kultur: So muss jede Geisha die Kunst der Kalligrafie beherrschen und ein traditionelles Instrument erlernen. Viel Wert wird auch auf umfangreiches Wissen zu traditionellen und aktuellen Themen gelegt. Japans Kultur, die man im Westen zum Beispiel in Form des traditionellen Kirschblütenfest kennt, bietet viele Themen für anregende Konversationen. Natürlich können auch andere Themen mit den Kunden besprochen werden, wobei Politik in der Regel als Tabu gilt.

Perfekt bis ins letzte Detail – ein Muss für Aussehen und Auftreten der Geisha

Wenn eine Geisha sich für ihren Auftritt vorbereitet, kann das gut und gern mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Allein das traditionelle Make-up aufzutragen, erfordert viel Fingerspitzengefühl. Charakteristisch ist die feste weiße Schminke mit dem Namen Oshiroi. Diese verwendet die Geisha, um Gesicht, Hals und Nacken zu schminken. Ein weiterer elementarer Bestandteil des Outfits einer Geisha ist die Katsura, die auffällige und sehr aufwendig frisierte Perücke. Eine Katsura kostet im Verkauf mehrere tausend Euro und wird daher nicht selten von Generation zu Generation weitervererbt. Auch die Kleidung einer Geisha kostet ein kleines Vermögen: Aufwendige Seiden-Kimonos, die mit verschiedenen Gürteln gebunden und verziert werden, können locker so viel wert sein wie ein europäischer Kleinwagen. In der Regel benötigen Geishas beim Anlegen des traditionellen Kostüms Hilfe, da das kunstvolle Binden des Gürtels allein kaum zu schaffen ist. Übrigens: Die Bekleidung der Geisha bringt ein beachtliches Gewicht auf die Waage: Das komplette Outfit kann gut und gerne bis zu 20 Kilogramm wiegen.